290–2024: Unzulänglich

Ein Einblick ins allertiefste Innere des Geschichtenschreibens.

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In der Phantasie, die noch im Kopf ist, ist alles immer so einfach. Da geschieht genau das Vorgesehene, nicht mehr und nicht weniger. Da finden sich immer die richtigen Worte. Jetzt aber, da die eine Phantasie zu Papier gebracht werden soll, wird es echt schwierig, kompliziert.

 

 

Die Außerirdischen auf ihrem Heimatplaneten zu beschreiben: Das ist einfach, da sie humanoide Züge tragen. Zwei Arme mit Händen, die drei Finger und einen Daumen haben, zwei Beine mit Füßen, an denen drei Zehen nach vorn und eine nach hinten zeigen. Ein Rumpf, der dem menschlichen ähnelt. Weil auch die Außerirdischen das sind, was auf der Erde Wirbeltiere, Säugetiere genannt wird. Wieder spielt dabei die Zahl Drei eine Rolle. Der große Unterschied zu uns Menschen ist aber die strikte Trennung von Sexualorganen und Ausscheidungsorganen bei ihnen. Woher ich das weiß? Nun, die Außerirdischen tragen weder Fell noch Kleidung, weil es auf diesem Planeten keine Jahreszeiten gibt und er in der habitablen Zone näher am Zentralgestirn des Planeten auf einer kaum elliptischen Bahn kreist, mit senkrecht zur Bahnebene stehender Rotationsachse. Es herrschen dauerhaft und überall 26 °C, oder in ihren Maßen: Δ ㆑ (und wahrscheinlich gibt es ein das sicherndes technisches System). Ja, auch ein Zahlensystem habe ich entwickelt, natürlich auf der Basis von 16 Fingern und Zehen, weil die nämlich immer sichtbar und somit zum Zählen geeignet sind. Und die Drei ist bei ihnen trotzdem die alles bestimmende Zahl.

Wenn nur das Talent zum Zeichnen vorhanden wäre! Wie bequem muß es sein, solche Dinge mit wenigen Strichen zu skizzieren …

Es gehen also einige dieser Außerirdischen – sie nennen sich „ワ㆗”, was etwa wie „Wpgf” klänge, wenn wir die Ultraschall­laute ihrer Sprache in für uns wahrnehmbare Frequenzen transponierten – auf ihrem Heimatplaneten spazieren. Drei Ausgewachsene und drei, die wohl ihr Nachwuchs sind. Und von den Jüngeren muß plötzlich eines Flüssigkeit ausscheiden. Es (noch ist das Geschlecht nicht eindeutig feststellbar) geht zu einem fruchtbringenden Obelisken und tut dort, was wir pinkeln nennen. Tja, und da ist plötzlich das Problem: Welche Farbe hat, was bei uns Urin genannt wird, bei den ワ㆗ – und wie wird sie dort genannt?

Die Kenntnis der auf jenem Planeten einzigen gesprochenen und geschriebenen Sprache ist selbst für solch einfache, alltäg­liche Szenen noch unzulänglich.

 

 

Einen solchen Spaß erlaube ich mir ab und zu. Es ist ein Vergnügen, bestimmte Aspekte, die mir z. B. in sozialen Interaktionen oder am menschlichen Körper verbes­se­rungs­wür­dig erscheinen oder in gesellschaftlichen Grundlagen, in utopischen bzw. wissen­schaft­lich-phantastischen Szenen an meine Vorstellungen anzupassen. Genau das habe ich getan. Allerdings werde ich aus Gründen hier nicht detailliert auf diese Veränderungen eingehen können, doch das macht nichts; Leserinnen und Leser habe eine eigene Phantasie.

(Ich habe im Text Sonderzeichen aus nicht-europäischen Sprachen verwendet. Es ist möglich, daß diese auf verschiedenen Endgeräten und Browsern, im Reader und in verscheidenen Apps nicht richtig angezeigt werden, obwohl sie als HTML-Entitäten codiert sind.)

 

Erinnerung des Tages:
Nun, heute war das eine aus der frühen Kindheit. Sie hatte mit Neugier zu tun und mit Scham. Denkt euch euren Teil.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 16. Oktober 2024 mit meiner Phantasie, mit einigen Vorbereitungen für morgen (Termin in einem Lost Place), mit Tortellini, die ich mit Käse überbuk.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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4 Kommentare zu 290–2024: Unzulänglich

  1. Wolfgang sagt:

    Also die Zahlenzeichen habe ich nicht erkannt, aber der Name ist ziemlich Wahrscheinlichkeit japanisch.

  2. Elvira sagt:

    Das zu lesen war ein Spaß!
    Ich bin ja bekennender Scifi-Fan, wobei es nicht das Außerirdische ist, was mich so fasziniert, sondern wie es die Autoren schaffen, unser weltliches Leben mit allem Drum und Dran ins Weltall zu transportieren. Ähnlich den Fabeln.

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