063–2024: Verameisung

Nein, das ist weder Tip- noch Autokorrekturfehler.

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Wir sollten viel mehr Zeit für den anderen Menschen aufbringen. Menschen, die keine Zeit mehr füreinander haben, sind auf dem Weg der Verameisung. Wenn der Mensch über die Oberfläche des Lebens immer nur hinwegrast, darf er sich nicht wundern, daß alles andere, was darunter liegt, verkarstet.

Den Menschen annehmen – darauf kommt es an.

Hanns Cibulka: Das Buch Ruth. S.30f
© Mitteldeutscher Verlag Halle · Leipzig 1978, 4. Aufl.
Lizenz-Nr. 444-300/62/85 · 7001     Best.-Nr. 638 628 0

 

 

Natürlich könnte in diesem Text statt des besonderen Wortes „Verameisung” auch „Vereinsamung” stehen. Ja. Aber …

Ich dachte nicht nur einmal nach über dieses Wort in diesem Zusammenhang. Die Ameisen sind ja sehr soziale Wesen, populärwissenschaftlich betrachtet. Leben in einem großen Volk/Staat mit strenger Arbeitsteilung zwischen den Schichten/Kasten, sind hochorganisiert und unterstützen sich innerhalb des Volkes. Andererseits fehlt ihnen höchstwahrscheinlich das, was unsereins Menschlichkeit nennt. Einmal abge­sehen von all dem Bösen, was Menschen tagtäglich tun, so ist es doch gerade die Menschlichkeit (zu der Mit- und Füreinander gehören, nicht wahr), die uns ausmacht und im allgemeinen überleben läßt, gemeinsam.

So ist Verameisung für mich ein perfektes Wort für hochorganisiertes, funktionelles, aber gefühlloses und weitgehend solidaritätsfreies Zusammenleben.

 

Und über welches sonderbare Wort seid ihr in den letzten Wochen gestolpert?

 

Erinnerung des Tages:
Als Schüler war ich zu den Wandertagen mit einem Campingbeutel unterwegs. Diese Bezeich­nung für das Utensil scheint verschwunden zu sein.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 3. März 2024 mit dem ausgelesenen Buch (aus dem das Zitat stammt), mit Kartoffeln & Quark & Leberwurst, mit der heute vorhandenen Muße.

© 2024 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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5 Kommentare zu 063–2024: Verameisung

  1. Sonja sagt:

    In einem Buch fand ich ein Wort, das ich nie zuvor gehört oder gelesen habe
    „Halbkreisingenieur“
    Gruß von Sonja

  2. Roswitha sagt:

    das wort gefällt mir mehr als der zustand. werden wir mutig, sprechen wir menschen an, schauen wir so, das uns jemand ansprechen kann. gehen wir mit allen sinnen durch die welt, wie die ameisen auch immer ganz im moment sind. lieben gruß, roswitha

  3. Sofasophia sagt:

    Wie muss ich mir einen Campingbeutel vorstellen? Vielleicht kenn ich das mit anderem Namen?

    Wir haben gestern drei Pferde gesehen, die sich merkwürdig verhielten. Vielleicht blogge ich darüber. Also über deren Verpferdung.

    Ob die Ameisen wohl dem Begriff Verameisung den Begriff Vermenschung für Was-Auch-Immer und natürlich in ihrer Sprache entgegensetzen?

    • Der Emil sagt:

      Der Campingbeutel war eine Art kleiner Rucksack (oft teilweise aus Kunstleder und innen mit Plastefolie ausgekleidet, meine hatten immer eine blecherne Schließe).

      Ob die Ameisen überhaupt einen Begriff für Menschen haben?

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