Nº 326 (2019): Abrieb

Wie gut, daß ich immer vorbereitet bin (mehr oder weniger).

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Heute war bisher ein sonderbarer Tag. Meine Radiosendung “Buchfink” wollte ich tatsächlich live aus dem Studio 3 machen. Aber dann, dann entschied ich mich um (wegen eines sonderbaren Bauchgefühls) und die für genau einen solchen Fall vorbereitete (also vorproduzierte) Sendung wurde “vom Band” (mittlerweile eine von vielen Festplatten) ausgespielt. Ich hoffe, es war trotzdem anhörbar. Und: In meiner Kladde steht eine unfertige Geschichte, die zum heutigen Blogbeitrag werden sollte. Aber etwas stört mich noch, wahrscheinlich muß ein einziges Wort oder eine Wortreihenfolge verändert werden. Ja, ich kenn' das! Und normalerweise hätte ein solches Fragment, eine so unrunde Geschichte keine Chance bei mir; sie würde unüberarbeitet herumliegen und nie, niemals irgendwo veröffentlicht werden. Die aber … die möchte ich umarbeiten, rundmachen, und vor allem hier in den Blog stellen. Jepp. So sieht es sonderbarerweise aus. Noch aber habe ich sie nicht fertig, noch ist sie mir nicht gut genug für diesen Blog.

Wie gut, daß ich auch dafür immer etwas in petto habe, zum Beispiel noch ein Zitat aus Strittmatters “Wundertäter Bd. 2”:

 

 

»Wir nutzen uns ab. Ein wenig Abrieb bleibt an allen Stätten zurück, die wir bewohnten, und es ist, als ob sich die Abriebteilchen als Erinnerungen auf uns stürzen, wenn wir einen Ort nach Jahren wieder betreten.«

Erwin Strittmatter: Der Wundertäter. Zweiter Band. S. 332
4. Auflage 2003 Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH, Berlin
© 1973 Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, DDR. ISBN 3-7466-5428-9

 

 

Gleich darunter erscheint im Roman (und das war bisher bei vielen zitierwürdigen Stellen so) eine “Quellenangabe”, ein “running gag (?)”, denn in Klammern steht dann immer: »(Aus Stanislaus' Groschenheft Numero …)«, und die Nummern stiegen bisher, je weiter es im Roman voranging.

Ich behaupte übrigens, daß das nicht nur bei bewohnten Stätten so ist, sondern auch schon bei solchen, an denen ich mich mehrfach oder auch nur ein einziges Mal nur mehr oder weniger kurze Zeit aufgehalten habe. Wohnen erscheint mir für viele dieser Stätten (Orte, Parks, Häuser, Bänke, Wege, Ufer, Hütten usw.) nicht möglich und auch nicht notwendig zu sein. Immer nämlich sind es Stätten, die ich wahrgenommen habe, an denen mir mein Da-Sein bewußt war und noch ist. Ein wenig Abrieb von mir blieb also an allen Stätten, an denen ich lebte, die ich mir erlebte.

So. Nun werd ich noch ein wenig in meine Kladden kritzeln. Mal sehen, wann ich mit meiner Geschichte rausrücke.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 22.11.2019 waren positiv ein Gespräch über weitere Themen für das Radiomagazin “Jojo”, gekaufte LED-Beleuchtung für die Weihnachtszeit, Schreiben im Kerzenschein (doch, das geht).
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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Über Der Emil

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3 Kommentare zu Nº 326 (2019): Abrieb

  1. wildgans sagt:

    Abriebteilchen, das merke ich mir.-

  2. Sofasophia sagt:

    Zu Strittmatter: Ich dachte neulich so ähnlich über meine über 25 Umzüge nach (auch 2x ins Ausland) & wie viel von mir wohl noch übrig ist … noch nicht abgerieben.

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