Nº 108 (2019): Nachmittagskaffee

Mit einem Buch, wie sonst?

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Titelblatt des Buches (Frakturdruck, rot und schwarz) “Das Nest der Zaunkönige” von Gustav Freytag. Vollständige Ausgabe. Druck und Verlag von A. Weichert, Berlin 
Es ist ein altes Buch, das ich letzthin zur Hand nahm zum Kaffee am Nachmittag. Gustav Freytag, gestorben schon im 19. Jahrhundert, war ein deutscher Schriftsteller, Gelehrter, Journalist und Diplomat. Das mir vorliegende Werk “Das Nest der Zaunkönige” ist im Projekt Gutenberg zu finden, allerding “nur” als Bestandteil des Romanes Die Ahnen (“in sechs Abtheilungen”!). Ich fand es in einem öffentlichen Bücherschrank in der Franckeschen Stiftung. Allerdings glaube ich, daß es heute in vielen Lesern eher wenig Begeisterung hervorriefe, dieses mächtige Werk im Gesamten zu lesen, also einen sechsbändigen Roman. Schon die Sprache hat sich seit 1870 gewaltig verändert. Doch in meinen Augen paßt die feine Fraktur, in der der Text dann gedruckt ist, ganz wunderbar zu eben diesem Text, zur Sprache, zu diesem Roman(-fragment). Und ich brauche zur Zeit sogenannte Trivialliteratur ohne Bezug zur Jetztzeit. Als Ablenkung von dem, was ich mir eben als Lesestoff aufbürdete, auch durchhalten will, obwohl es mir … obwohl es mir zu amerikanisch kitschig oberflächlich ist (ja, alle drei Bände von 50 Shades of Grey, jaja – selbstgemachtes Leid). Also dieses Buch, das, dessen Titelseite hier zu sehen ist, das ist anders. Eben in einer altmodischen Form der Deutschen Sprache verfaßt, die im Gegensatz zu heutigen Nachrichten und Werbung und teilweise sogar künstlerischen Texten nicht von Anglizismen durchdrungen ist.

» Still lag der Hof in der Ruhe der ersten Abendstunde, niemand kam, den Gast anzurufen und das Roß zu halten. « (S. 79) — Wie würde eine entsprechende Szene heutzutage aussehen, beschrieben werden? » Die Rushhour war gerade vorüber, und kein Facility Manager kam, den Ankommenden zu briefen, kein Boy parkte den SUV. « Brrrrrrr. Ja, natürlich habe ich mit diesem Satz, in diesem Satz übertrieben, aber Rushhour und SUV (bitte denglish aussprechen!) oder vielleicht after work sind doch heute übliche Begriffe wie auch viele andere. Ich hörte erst gestern von der Weigerung, das Badebecken im Garten Pool zu nennen und fand das sogar gut!

 

Ich bin wirklich ein Verfechter des Kennenlernens der Sprache der Auklärung, Goethens und Schillers. Um vielleicht das eine oder andere Auge zu öffnen für die Möglichkeiten, sich auszudrücken ohne zwanghafte Up-to-date-Heuchelei. Und die gibt es reichlich, diese Möglichkeiten. Man muß sie nur nutzen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 18.04.2019 waren positiv die morgendliche (!) Badewanne, schnelle Steaks zu Mittag, eine entspannte Fahrt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Stäbe.

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Über Der Emil

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