Nº 028 (2019): Olfaktorisch anstrengend

Die Tür gefunden, aber …

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Boah. Der Geruch ist ja schon sehr speziell. Also: wirklich sehr speziell. Allerdings kann ich in der Enge und Dunkelheit nicht sehen, was da so streng riecht. Wah! Das ist Gestank. Da hat wohl einer einen verwe­sen­den Iltis in der Tasche? Bäh. Das ist olfaktorisch sehr anstrengend, sehr! Whoohooo. Ürgs. Wie lange liegende Leiche, oder? Ich kann mich übrigens nicht erinnern, wie ich hierher gekommen bin, in diese enge Kammer, dieses winzige, licht- und fensterlose Loch. Ob mich jemand hört, wenn ich um Hilfe rufe? Oder verbrauche ich damit nur zuviel Kraft? Soll ich klopfen? Es ist echt stickig hier drin und ein ziemlich beklemmendes Gefühl. Und über allem wabert dieses ekeler­regende Aroma. Vielleicht, nein, hoffentlich ist das nur ein Alptraum. Ich meine, Alpträume hatte ich ja schon oft, zu oft. Und was ist das jetzt für ein Rauschen? Das war eben noch nicht zu hören. Das rauscht wie … wie … wie ein Wasserfall, wie ein Fluß an einem Wehr. Herrgott nochmal, hoffentlich ist das weit genug weg. Hier drin kann ich nicht schwimmen, hier drin kann ich, wenn das Wasser hoch genug steigt, nur ersaufen, jämmerlich ersaufen. Dabei habe ich doch gerade die Tür gefunden von diesem Kabuff hier. Allerdings ist die zu, fest verrammelt, wie es scheint. Sie bewegt sich kein Stück. Aber das Rauschen wird lauter. Und es wird naß. Hier ist plötzlich überall Wasser. — Seltsam warmes Wasser. — Scheiße. ­ Ich hab kaum noch Luft. — Das     …     Hilfe     …     Da     …     lfe     …     

 

 

So oder ähnlich verlaufen die letzten Minuten im Leben eines jeden Spülmaschinentabs.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 28.01.2019 waren positiv der Mittagsschlaf, drei Touren zur Mülltonne, die Badewanne.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Nº 028 (2019): Olfaktorisch anstrengend

  1. Sofasophia sagt:

    😂 Ich ahne sowas, bloß nicht was da ertrinkt – klasse! 👍🏻

  2. Martinsblog sagt:

    Sehr spannend geschrieben. Bloß gut, dass es die letzten Worte eines Spülmachinentabbs waren und nicht die eines arglosen Menschen. Ich wünsche Dir noch einen angehmen und kreativen Abend 🙂

    • Der Emil sagt:

      Vielen Dank.

      Ja, das passiert, wenn ich versuche, mich in Dinge einzufühlen und sie vermenschliche. Ich weiß gar nicht, woher die Idee … *summt* „Es war einmal eine Gitarre … Die andern, die küßt er, die soll er doch küssen, doch streicheln tut er nur mich.“

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