(2018: Nº 353) Das 19. Türchen. Wieder Glühwein.


Nach Jahren werden die Rollen getauscht.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 

Er stutzt. Die Frau da vor seinem Stand, die da mit dem Rollator. Die Alte. Sie kommt ihm irgendwie bekannt vor. Das … Als er vor Jahren hier in der Stadt ankam, als er seine Wohnung verloren hatte und seine Frau. Am zweiten oder dritten Tag, er saß hier irgendwo mitten auf dem Weihnachtsmarkt und schnorrte. Da kam die alte Frau, die da! und bückte sich, um ihm etwas in seinen Becher zu legen. Das war … das war ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich. Dann schleppte sie ihn überall hin, Bahnhofs- und Stadtmission, Caritas. Sie hatte ihm all das gezeigt, was ihn in den Jahren darauf vorm Untergang bewahrte, von der Straße holte. Und in diesem Jahr steht er das zweite Mal für seine Firma hier auf dem Weihnachtsmarkt. Ja, er hat nicht nur eine Wohnung, sondern auch Arbeit gefunden. Seit über einem Jahr schon arbeitet er auf dem Weingut vor den Toren der Stadt, ist nach der Lese, da er Aushilfe war, dortgeblieben. Als Hausmeister, Traktorfahrer, Heizer, Verpacker. In der Glühweinhütte auf dem Weihnachtsmarkt als Verkäufer. Im Sommer dann half er im Keller mit. Dann war Lese. Und jetzt ist wieder Weihnachtsmarkt.

Und diese Frau da, die mit dem Rollator …

Er ist sich nicht sicher. Doch er füllt zwei Tassen mit Glühwein, schließt die Kasse und bittet die Menschen vor der Hütte um etwas Geduld. Dann geht er hinaus. Zur Frau mit dem Rollator. Hält ihr die beiden Tassen hin, bis sie eine nimmt. Sie prosten sich stumm zu. Und dann erhellt ein Erkennen ihr Gesicht. Als er ihr in aller Kürze seine Geschichte der letzten Jahre erzählt, lächelt sie. Die alte Frau, die wirklich seine Mutter sein könnte. Auch sie spricht kurz über sich. Und dann lädt er sie zum Heiligabend-Essen ein. Um sechs, bei ihm zuhause, nur zwei Häuser weg von ihrem betreuten Wohnen. Er wird sie abholen, so wie sie ihn vor Jahren abgeholt hat, auf einen Glühwein noch

 

 

Manche Geschichten finden ungeplant eine Fortsetzung. Nach Jahren.

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit vieler glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Ich kann in diesem Jahr keine besondere Aktion empfehlen, denn es gibt so viele, die der Unterstützung wert sind. Ich bin in diesem Jahr einer von den Menschen, die auf der Straße genauer hinsehen und dort helfen, wo Hilfe nötig und mir möglich ist.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am gestrigen 18.12.2018 waren Post “aus der Vergangenheit”, Einsprechen im Radio, ein heißer Met auf dem Weihnachtsmarkt.
 
Aussortiert habe ich gestern zwei weitere Paar Schuhe.
 
Die Tageskarte für heute ist das As der Münzen.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu (2018: Nº 353) Das 19. Türchen. Wieder Glühwein.

  1. fata morgana sagt:

    …gänsehaut und tränen…danke fürs lesen dürfen…q

  2. Nati sagt:

    Eine schöne Fortsetzung, da klappt es bei dir doch. Das freut mich.
    So kann es, manchmal, laufen im Leben.
    Und man wünscht sich mehr Menschen hätten solch einen „Engel“ an der Seite.

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