So viele Fragen in nur einem Lied.
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Ich weiß, es ist nicht jedes Menschen Musik. Aber es sind jedes Menschen Fragen, glaube ich, denn irgendwann im Leben ist bei jeder und jedem (und auch allen Anghörigen aller anderen Varietäten neben weiblich und männlich) jede einzelne dieser Fragen an der Tagesordnung. Vielleicht spätestens ab jetzt.
Sprichst du meine Sprache / Siehst du mein Gesicht / Liest du meine Träume / Wenn ich sie zu dir schick / Wie viel Schläge / Hat dein Herz jetzt / Und wie lange dauert überhaupt das Glück / Sind die Gedanken immer frei / Ist unsere Seele wirklich jemals federleicht
Wo kommen all die Zweifel her / Die uns ins Herz geschlichen sind / Und uns in letzter Zeit so in Frage stellen / Sollen wir fliehen oder kämpfen / Geht es dir da so wie mir / Das man manchmal einfach nicht mehr weiß wofür
Gibt es Liebe auf den ersten Blick / Kann man Liebe lernen / Kennst du einen Trick / Ist die Geduld nur ein langer Faden / Warum ist man auch zu Zweit meistens allein
Wo kommen all die Zweifel her / Die uns ins Herz geschlichen sind / Und uns in letzter Zeit nur in Frage stellen
Und jede Antwort fällt so schwer / Zieht uns tiefer rein ins Meer / Ich ertrink langsam in dir / Ich ertrink langsam in dir
Wohin gehen Gedanken / Wenn man sie verliert / Wie klingt ein Lied / Wenn es niemand hört / Muß man für alles / Irgendwann bezahlen / Muß bei jedem Sieg auch immer ein Verlierer sein
Wo kommen all die Zweifel her / Die uns ins Herz geschlichen sind / Und uns in letzter Zeit so in Frage stellen
Und jede Antwort fällt so schwer / Zieht uns tiefer rein ins Meer / Ich ertrink langsam in dir / Ich ertrink langsam in dir / Ich ertrink langsam in dir
Text vom Album “In aller Stille” (2008) abgehört und abgeglichen mit Text, den Die Toten Hosen auf ihrer Webseite selbst veröffentlicht haben. Wegen der besonderen Bedeutung der gestellten Fragen hier als Vollzitat zu finden.
Wie klingt denn ein Lied, wenn es keiner hört? Das ist ja wie der “Ton der linken Hand” aus diesem berühmten Kōan des Zen-Buddhismus. Was dann auch zu der Frage führt, ob ohne die menschliche Beobachtung überhaupt etwas existiert? Und das bringt mich weiter zur Frage, ob wir alle, unser aller jeweilige Bewußtsein nicht doch nur Teil eine riesengroßen Simulation sind? Gibt es die Liebe auf den ersten Blick wirklich und ist sie tatsächlich besser als die auf einen zweiten Blick? Vielleicht brauchte ich länger, mußte ich öfter hinschauen, um Dich tatsächlich zu erkennen und um mir die Möglichkeit einer Liebe dann doch nicht zu verwehren? Denn mal ehrlich: Wer hat sich – vorausgesetzt, diejenige oder derjenige sind bereits im Erwachsenenalter – noch nie eine Liebe verboten bzw. noch nie eine wegen “Das geht nicht” (z. Bsp. wegen “Hab schon eine”) nicht erlaubt?
Und dann bleibt ja auch noch die Hauptfrage. “Wo kommen all die Zweifel her, die uns ins Herz geschlichen sind?” Ich glaube, das hängt mit der Erfolgsdruckgesellschaft zusammen. Ja richtig, ich nenne sie nicht mehr Leistungsgesellschaft. Weil, egal wieviel ich leiste, diese Leistung nur anerkannt wird, wenn ich damit einen für andere meßbaren Erfolg erziele. Und wenn ich bis an meine Grenzen ging und gehe und darüber hinaus, um wenigstens keine weitere Verschlimmerung der Depression, keine weitere Verschlechterung meines Zustandes zu erreichen, dann war und ist für andere kein Erfolg sichtbar, denn es hat sich ja nichts gebessert, ich wurde ja nicht und werde ja nicht gesund. Und wenn ich mich noch so sehr mühe und bewerbe und bewerbe und bewerbe, um endlich wieder eine erfüllende und existenzsichernde Arbeit zu finden, aber keine bekomme: Das ist kein für andere meßbarer Erfolg (obwohl dieses Bewerben und reaktionslos zu bleiben bzw. abgelehnt zu werden anstrengend genug ist und verdammt viel Leistung erfordert). Da wäre die Annahme einer stumpf- bis widersinnigen Tätigkeit, die mich nichtmal materiell absichert, mir geschweige denn einen Lebenssinn geben kann, für andere schon ein größerer Erfolg. Irgendeine (idiotische) Arbeit zu haben ist ja heutzutage die Voraussetzung für das Menschsein. Und dann frage ich mich doch wieder: Woher all die Zweifel? An Allem und Jedem? Und insbesondere an mir, an uns selbst? Wo kommen all die Zweifel her?
Ach, da ist ja dann auch noch das Lied:
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 10.11.2018 waren zwei beantwortete Fragen, ein Telefonat, Vorfreude.
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.
© 2018 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


So viele Fragen in einem so schweren Leben.
Immer nur müssen um zu sein.
Nein, das will ich nicht.
Vorfreude hab ich auch.
Dein kleiner Beitrag liefert den Stoff für eine mehrbändige philosophische Reihe. Danke für die kurze Zusammenfassung! Liebe Sonntags-November-Grüße von einer, die froh ist, Rentnerin zu sein und somit eine Menge Druck loswerden konnte!
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