Fluggeräusch (Nº 254/2018)

Aus einer Kindheit lange her.

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“Ups-tata-huiiiiiiiiiiii!” rief er laut, als er über den Graben hüpfte. Diese Mutprobe machte wirklich viel Spaß. Und es machte ihm auch nichts aus, daß sein linker Fuß schon mehrmals im Wasser gelandet war. Immer wieder nahm er Anlauf, auf beiden Seiten des Grabens. Und immer wieder rief er: “Ups-tata-huiiiiiiiiiiii!” Manche Leute in den vorbeifahrenden Eisenbahnwagen winkten ihm zu. Wenn er es bemerkte, winkte er zurück und sprang weiter. Manchmal lachten andere Kinder auch über sein Rufen. Und doch war er den ganzen Nachmittag so mit den Nachbarskindern beschäftigt bis zum Abendläuten der Kirchglocken. Dann war es Zeit für den Heimweg.

Die Bahnstrecke wurde eingestellt. Auf ihrer Trasse entstand ein asphaltierter Radweg. Der kleine Graben wurde wegmelioriert oder fiel irgendeiner Eigentumsrückübertragung zum Opfer. Die Kirchglocken läuten sommers noch immer um 6 Uhr und um 18 Uhr, winters sind sie um 7 Uhr und um 17 Uhr zu hören.

Kinder hat er seit fast dreißig Jahren nicht mehr am Dorfrand spielen sehen. Wenn er heutzutage über eine Pfütze hinwegsteigen muß, flüstert er manchmal leise und trotzig: “Ups-tata-huiiiiiiiiiiii!”

 

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 11.09.2018 waren Gebügeltes, Aufgeschriebenes, Weggebrachtes.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu Fluggeräusch (Nº 254/2018)

  1. Gudrun sagt:

    Solch einen geteerten Radweg gab es in dem Dörfchen, in dem ich mal eine Zeit lang wohnte, auch. Er ging bis Bad Dürrenberg und weiter. Wenigstens hat man das alte Schottergleisbett zu nutzen gewusst.
    Aber Kinder spielten draußen. Das Kinderlachen hat mir unglaublich gut getan. War es plötzlich still, dann wusste ich, dass es 18::00 Uhr war.
    Eine schöne Geschichte, lieber Emil, ein bisschen traurig, aber anregend für eigene Gedanken.
    Danke.


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  2. wegmelioriert – was für ein Wahnsinnswort!


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    • Der Emil sagt:

      Melioration und damit meliorieren waren in der DDR die Begrifflichkeiten für „Entwässerung“ zu nassen Bodens hauptsächlich in der Landwirtschaft. Im Zuge dessen verschwand auch mancher Wassergraben …

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