Ein trauriger Apfelbaum (2017: 268)

Aber ich weiß ja nicht, ob Bäume traurig sein können.

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Ich kenne wirklich einen sehr traurigen Apfelbaum. Der steht nicht weit weg von meinem Haus. Doch niemand pflückt die vielen Äpfel, die er trägt. Späte Äpfel, lange lagerfähig. Ich allerdings hole mir immer ein paar von ihnen, von den blaßrotbäckigen Äpfeln vom traurigen Apfelbaum. Wenn sie richtig reif sind, dann sind sie nicht mehr sauer, dennoch nicht süß, und wirklich sehr apfelig im Geschmack. Aber weil niemand seine Früchte haben möchte, glaube ich, daß der Baum traurig sein muß. Selbst wenn ich mir zwanzig oder dreißig Äpfel hole vom traurigen Apfelbaum, der auch dieses Jahr viele Früchte trägt, dann ist das nichts. All die anderen Äpfel bleiben am Baum, fallen herunter, verfaulen am Boden. Niemand außer zwei oder drei sonderbaren Leuten wie mir holen sich diese Vitaminbomben. Denn so ganz gesund sind die sicher nicht. Steht der traurige Apfelbaum doch nur knapp neben einer vielbefahrenen Kreuzung und bekommt täglich Unmengen von Abgasen ab.

Dieser traurige Apfelbaum hat und gehört zur Geschichte. Als der Baum gepflanzt wurde, damals, als dieser Teil von Halle-Neustadt erbaut wurde, ich glaube, es war 1974, gab es kaum Verkehr. Busse, ja, Busse fuhren; aber es gab kaum PKWs. Die Planer der Chemiearbeiterstadt achteten sehr auf ein grünes, artenreiches Wohnumfeld, daher stehen hier überall viele, teilweise nicht-einheimische Bäume (Platanen z. B.). Und eben auch viele Obstbäume, besonders viele Apfelbäume. Daran wachsen nicht die geschmacklich verbesserten, steril-runden Supermarktwaren, sondern wohlschmeckende, lagerfähige Äpfel. Doch heutzutage wird vom Genuß dieser abgeraten. Na und? Ein paar davon esse ich jedes Jahr. Heute hatte ich mir den ersten mitgenommen, ihn sehr sorgfältig und lange gewaschen, ehe ich ihn aß, morgen hole ich mir ein paar mehr. Und dann mache ich auch ein paar Bilder, die ich herzeigen kann.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 25.09.2017 waren eine ungeplante Schicht, leckere Bratwurst, ein leckerer Apfel.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

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Über Der Emil

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0 Antworten zu Ein trauriger Apfelbaum (2017: 268)

  1. Pit sagt:

    Nachdenkenswert! Danke fuer die Geschichte, und liebe Gruesse,
    Pit

    • Der Emil sagt:

      Natürlich sind die Äpfel „belastet“ mit Feinstaub und Abgas. Aber wirklich so sehr, daß …

      Diese ganze Gesundheitsgefährdung halte ich in vielen Fällen für rein hypothetisch und nicht nachvollziehbar. Herrgott, früher wurde vieles gegessen, was heute für giftig erklärt wird.

  2. puzzleblume sagt:

    Wo und wie die Äpfel im Verkauf Belastendes aufgenommen haben, steht auch nicht drauf. Ich glaube, die Leute machen sich da viele Illusionen, dass Obst und Gemüse immer fern von Industrie und Verkehr wachsen.

  3. Rabin sagt:

    Ich bin zwar nicht so ganz sicher, inwieweit die Abgase schädlich sind. Aber gründliches Abwaschen hilft allemal. Hier steht ganz in der Nähe auch ein Apfelbaum, dem es ganz genausoging. Die Früchte waren reichlich und wochenlang haben wir zugesehen, wie keiner sich dafür interessierte. Länger haben wir es dann nicht mehr ausgehalten.
    Abendliche Grüße.


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  4. Ulli sagt:

    Hast du keine Safterei in der Nähe? Ich würde sie sammeln und versaften! Wir haben hier in diesem Jahr an zwei Apfelbäumen 3 Äpfel und keiner von uns kann es sich erklären…


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    • Letztes Jahr gab uns der Apfelbaum 22 Einer Früchte. Dieses Jahr gerade Mal 10 Äpfel. Die anderen fallen faul herunter. Es lag an den späten Frost, bei uns im Ruhrgebiet, der die Früchte vernichtete. Aber auch alle Birnen und Kirschen litten darunter. Also nichts mit Ernte dieses Jahr.

    • Der Emil sagt:

      Selbst wenn es eine Mosterei gäbe, so hätte ich keine Lagermöglichkeit. Ich hole mir wieder ein paar, die ich esse, das genügt.

    • Der Emil sagt:

      Selbst wenn es eine Mosterei gäbe, so hätte ich keine Lagermöglichkeit. Ich hole mir wieder ein paar, die ich esse, das genügt.

  5. finbarsgift sagt:

    Eine feine kleine Geschichte von einem traurigen Apfelbaum…
    Liebe Morgengrüße vom Lu

  6. Madddin sagt:

    Stopf dir die Taschen voll! Nix verkommen lassen 🙂

  7. Sofasophia sagt:

    Vor meinem Haus steht auch so einer. Köstliche Früchte! Aber ich glaube je länger je mehr nicht mehr, dass sie ihre Früchte für uns Menschen hervorbringen und auch nicht traurig sind darüber nicht geerntet zu werden. Ich glaube, die Natur bringt ihre Früchte ohne an Menschen zu denken hervor, ganz und gar aus Gründen des Selbsterhalts. Die faulen Äpfel werden zu Erde und nähren die Wurzeln. Profitdenken und Gewinnmaximierung ist ihnen fremd, diesen Bäumen. Bestimmt sind sie sogar glücklicher als die überzüchteten. 😉
    Und sie freuen sich bestimmt über deine Wertschätzung!

    • Der Emil sagt:

      Vielleicht ist er nicht traurig, der Apfelbaum. Aber es fehlt ihm die Freude, die er denen macht, die seine Früchte genießen …

      • Sofasophia sagt:

        Ich sag jetzt nicht ‚Projektion‘, obwohl mir das Wort zuvorderst auf der Zunge liegt. (Er macht nämlich den Vögeln Freude und den Schnecken, falls er darin seinen Sinn sähe. Und für Bäume sind Vögel und Schnecken bestimmt so wichtig wie Menschen, womöglich wichtiger, weil die sich nicht so wichtig nehmen.) Ich denke grad drüber nach, wie die Welt aus Sicht eines Baumes wirklich ist, losgelöst von Vermenschlichungen.
        Z. B. aus Sicht eines Baumes, der für Menschen keinen „Nutzen“ hat (außer der Photosynthese).

        Danke für die Anregungen durch deinen Text.

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