Endlich durchbrochen.
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Ganz plötzlich war es wieder zuviel. Alles zuviel. Alles. Zuviel Bürokratie, zuviel Angst, zuviel Kontakt, zuviel Lesestoff, zuviel Krach, zuviel Angescheiße. Das kenne ich, daran bin ich eigentlich gewöhnt. Das habe ich schon mehrfach überstanden. Es hat mir nie merklich geschadet. Mich immer nur stärker gemacht. Härter. Einsamer.
Mein Mittel dagegen war schon immer der Rückzug. Ja, für ein paar Wochen verschwinde ich hinter einer detailreich gestalteten Fassade, einer, die in den Potjemkinschen Dörfern allerorten einfach nicht auffällt. Die wird von ein paar Stützbalken und Schnüren gehalten, solange keine der Nachbarfassaden zusammenstürzt.
Das einzige, was mir in solchen Situationen zuverlässig beim Überleben half, war zuviel Alkohol. Bis die wohlige Wattigkeit im Kopf einssetzt. Bis es im Bauch brennt und im Rachen. Bis die Scheißbilder da draußen verschwimmen. Bis ich nichts mehr artikulieren kann. Bis ich zu müde dazu bin, vor einen Zug zu springen, bis ich so sehr torkele, daß ich höchstens noch den Weg zum Klo schaffe, um da hineninzukotzen – und oft habe ich mir einfach einen Eimer ans Bett gestellt. Kotzen heißt minutenlanges Würgen bei leerem Magen. Denn wenn ich saufe, kann ich nicht noch essen, dann würde ich ja fett werden.
Bisher war das immer so.
Diesmal saufe ich nicht. Kein Schnaps. Nichts. Keinen Klopfer, keinen Schlucki, kein Kompott, kein Flüssigschnitzel, kein Glaseisbein. Diesmal werde ich euch allen zeigen, daß ich fehle, wenn ich weg bin. Falls ihr das überhaupt merkt, daß ich verschwunden bin. Wie bequem es doch ist, SMS und Blog und anderes Zeug planen zu können, für Wochen im Voraus. Mir reicht es jetzt. Ich habe genug von all dem Gemeckere, Fürdummerklären, Beschissenwerden, Kontrolliertwerden, Verachtetwerden, von all den Erwartungen und Pflichten und Verboten und Lügen. Genug. Übergenug.
Auszeit. Und jedesmal, wenn ihr etwas Neues von mir lest, werdet ihr euch fragen müssen, ob das nur geplant war.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Das Gute am 12.01.2017 waren der erledigte Bürokratiekram, viel Geschriebenes, Contenance, das vollständige Durchbrechen des alten Musters in all seinen Teilen.
Die Tageskarte für morgen ist II – die Hoheprieseterin.
© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Oh. Verstehe.
Sonja
Gut, dieses Muster durchbrechen. Oder wie mein Kleiner sagen würde: Du bist der Bestimmer.
Ähm. Kommentare kannst du aber nicht planen?
Melde dich, wenn du einen Schubs brauchst, gell?!
Endlich überwunden. Heute so bemerkt.
upps, wer meckert, wer scheisst dich HIER an? hab ich was nicht mitgekriegt? Wie auch immer noch, ich lese, dass du für dich sorgst und das sollte mich jetzt froh stimmen, aber irgendwie tut es das nicht-
herzlichst
Ulli
Verschlagwortet mit „NICHT AKUT“. Nichts Schlimmes ist geschehen, ich bin mir gerade nur sehr sicher, das Muster hinter mir gelassen zu haben.
Ich fand`s auch verstörend, bin mir auch sicher, so etwas schon einmal — lieber Emil, mich freut das „NICHT AKUT“, aber es ist tatsächlich ein Schlag beim Lesen, in der letzten Artikelpassage, bei der ich mich auch gefragt habe: wieso tust du das mit denen, die dir wohlwollen?
Hm. Dabei dachte ich, daß ich es hinreichend gekennzeichnet hätte …
Die Verstörung bedaure ich halb, halb empfinde ich sie als Lob – für mein Geschick, Stimmung/Szenarien durch Schreiben zu erschaffen.
Deiner schreiberischen Geschicklichkeit sei verdient geschmeichelt, aber die Schlagworte stehen bei deinem WordPress-Thema unter dem Artikel, also liest man sie günstigstenfalls erst anschliessend – sofern jemand – wie ich – altmodischerweise deine Seite besucht und nicht die Reader-Version liest.
(Vor grauem Hintergrund steht Geschriebenes, Fiktives – oder ein Zitat. Aber auch das ist im Reader ja nicht zu erkennen … Ich denke darüber nach.)
Wie ich das kenne – nur ist meine Taktik eine vollkommen andere. Die Fassaden Bäuche ich auch und zusätzlich den Elfenbeinturm, von dem ich überheblich den ‚Leuten‘ erkläre – lauthals und penetrant – dass sie mich nicht verstehen, dass mich keiner versteht und dass mich alle überfordern. Dann entpuppen sich meine narzisstischen Eigenschaften…
Dir wünsche ich ein gutes Mittelmaß
Solche Tage gibt es. Darf ich trotzdem gratulieren, zu dem hinter dir gelassenen Muster? Wenn so was kein Fortschritt ist, was dann?