Mühsam ohne Titel
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Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
Der Feuer sieht und weiß nicht, wo es brennt;
Vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.
Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
Der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;
Der das Erwachen flieht, auf das er harrt.
Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;
Der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;
Der einst in fahle Ewigkeiten fällt.
Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;
Das tauentströmt in Wolken sich ergießt;
Das küßt und fortschwemmt, — weint und froh genießt.
Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?
Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?
Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.
Erich Mühsam (∗1878 – †1934). Wüste – Krater – Wolken. Die Gedichte.
Cassirer, Berlin 1914; Digitalisierte AUsgabe der ULB Düsseldorf.
Er war etwa 20 Jahre alt, 1898, als er das Gedicht schrieb. Damals ging man noch oft zu Fuß. 1934 wurde er in einem KZ ermordet. Erich Mühsam: Ich sollte mehr von ihm lesen.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 1. September 2016 war das Auskurieren.
Tageskarte 2016-09-02: Die Vier der Münzen.


Danke.
Ich hab’s nicht so mit Gedichten, aber das gefällt mir richtig gut. Merci!
„Mühsam ohne Titel“ erschließt sich ja dem Leser erst auf den zweiten Blick. Ich hatte es anfangs dir zugeordnet.
*kicher*
Hätte ich nach Mühsam einen Doppelpunkt setzten sollen?
Nein, keineswegs, darauf soll der Leser schon selber kommen
Ich gebe es ja zu, daß ich gerne etwas verwirre und zum Denken anregen mag 😉
Danke für die Erinnerung an den Dichter einer schweren Zeit.
Liebe Grüße
Helmut