Wenn wir uns wiedersehen, hab ich eine Überraschung für Dich
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Wie sie daliegt … Das sieht so vulgär aus. Selbst jetzt (oder gerade jetzt?), da die Kerzen gelöscht sind nur noch das fahle Licht des Monitors das Zimmer beleuchtet …
Sie liegt nicht gerade auf dem Rücken. Deutlich hängt die rechte Brust über den Rippenbogen nach außen, unten, während die linke – flach wie eine Qualle am Ostseestrand – leicht schwankt mit den Atemzügen. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich aber nur leicht; ich hätte das wesentlich heftiger erwartet. Noch hat sie die Decke nicht wieder über sich gezogen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, daß sie die Augen wieder geschlossen hat. Sie stellt das linke Bein auf, beinahe hell ragt das Knie in die Dunkelheit, ehe es langsam nach außen sinkt. Nur Sekunden später setzt sie sich hektisch auf, dreht sich zum Computer herum. Und während sie nackt ihre Beine zum Schneidersitz verknotet, habe ich kurz, ganz kurz nur die Möglichkeit, das mehr zu erahnen als zu sehen, was mir noch nie zu sehen vergönnt war.
Sie tippt die letzten Zeilen zur Verabschiedung. Wenn ich nach Hause komme, in zwei oder drei Wochen. Ja, dann. Dann darf ich mir das ansehen, dessen Existenz ich bis gerade eben nur vermuten konnte. Vielleicht ein Piercing. Nein, nicht jetzt. Erst, falls und wenn ich entlassen werde aus dem Krankenhaus. Sie schließt Skype.
Ich bin wieder allein.
Und sie – sie bleibt geheimnisvoll; die Frau aus meinem Tablet, von der ich nichteinmal den Namen weiß.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 22. November 2015 – Totensonntag – war der Friedhofsspaziergang.
Tageskarte 2015-11-23: Die Acht der Stäbe
© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich bewundere Dein Talent dafür, so bildlich genaue Beschreibungen zu verfassen, dass ich meine, die Frau fast berühren zu können. Auch die Irreführung fasziniert mich. Noch während ich lese, spielt sich in meinem Kopf das weitere Szenario ab. Aber nein, der Protagonist befindet sich nicht im gleichen Raum. Ein anderes Szenario nimmt Gestalt an. Ich würde zu gerne ein Buch von Dir lesen!
Vielen Dank für das Lob.
(Ich habe nur eine meiner Phantasien weitgehend entschärft.)
Buch … Ich kann bis jetzt nur so kurze Sachen. Bin vielleicht auch nur zu faul, zu sehr dem Lustprinzip verfallen, um angestrengt an einem Roman zu arbeiten …
Ich habe gerade Rahel Hutmacher entdeckt, sie schreibt sehr kurze Geschichten, sie hängen schon an einem Faden, aber die Geschichten selbst sind nie länger wie 4 Seiten, oft nur 1,5 lang … vielleicht wäre das ja eine Form für dich?
herzlichst
Ulli
Bei mir wird’s — wie bei Ben Witter — immer so eine Seite, eine kleine, zweihundert bis sechshundert Wörter lang …
reicht doch, so dicht, wie du schreibst!
Ach …
ja!
Kurzgeschichten!
Oder zu lang gerat’ne Aphorismen, Epigramme gar!