Das besondere Fundstück (30/335)

Revolution/Rebellion (?) im Schutzumschlag

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Zunächst hatte ich gestern früh verschlafen und bin deshalb nicht am ganz frühen Morgen zu einer besonderen Sprechstunde beim Dermatologen gewesen. Beim Weiterräumen – ich habe noch einiges an Papier, eine 15 Jahre alte VHS-C-Kamera (seit 2006 unbenutzt im Schrank, weil das Okular abgebrochen war), ein Paar Kopfhörer aus DDR-Zeiten (denen die Ohrpolster verlorengegangen waren), alte Computerkleinteile und sonstigen Rümpel ausgesondert – hatte ich mit einigen heftig triggernden Zetteln zu tun. Ich habe es überstanden, recht gut berstanden sogar. Das Ausgesonderte wurde wieder sofort weggeworfen. Am Nachmittag war ich doch nocheinmal bei meinem Hausarzt, ohne Antibiotika wurde es einfach nicht besser mit der Gesundheit. Und am Abend sortierte ich die nicht in den Müll gebrachten Dinge wieder in den Schrank. Dabei fiel mir einen Broschüre in die Hand, die ich zunächst für die Gebrauchsanleitung des bei gelernten DDR-Bürgern legendären » RG 28 « hielt:

 

Broschierte Beilage zu einer Publikation

Broschierte Beilage zu einer Publikation des BiKo e.V. Erfurt

 

 

Alle einigermaßen scharfsinnigen Gemüter / Charaktere unserer Zeit stimmen überein angesichts dieser Offensichtlichkeit: dass es der Kunst unmöglich geworden ist, sich als überlegene / höherwertige Aktivität zu erhalten oder gar als Aktivität der Kompensation, der man sich anständigerweise hingeben könnte.

Zitat aus Louis Aragon/André Breton: “Gebrauchsanweisung des Détournements”, nach Erstveröffentlichung 1956 wieder veröffentlicht auf Kunst, Spektakel und Revolution und als broschierte Beilage zu ISBN 978-3-942222-01-3, Publikation des BiKo e.V. Erfurt

 

 

Auf dem Blog der Veranstaltungsreihe ist der gesamte Text als PDF abrufbar.

Ihr seht, es war nicht die Bedienungsanleitung des DDR-Rührgerätes. Es ist nur ein Teil von etwas gewesen, das ich nie vollständig gesehen habe, nur die Beilage zu einer Publikation. Und es sind Worte, die mich zum Nachdenken zwingen; bin ich doch jemand, der sein Schreiben als Kunst/Kunstschaffen begreift. — Ich bin immer wieder überrascht von den Dingen, die in den Tiefen meiner Schränke ihr unbeachtetes Dasein fristen. Wer weiß, was ich nach und nach noch finden werde. Jetzt muß ich aber zunächst einmal sehen, daß ich das Nähzeug erledige und den Todestext fertigbekomme. Den schaff‘ ich allerdings erst zur vierten Version …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 29. Januar 2015 waren das fortgesetzte Aussondern und der schnelle Besuch beim Hausarzt.
 
Tageskarte 2015-01-30: Die Zehn der Stäbe.

© 2015 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Das besondere Fundstück (30/335)

  1. Sofasophia sagt:

    Was haben den mein Epiliergerät, mein Wasserkocher und mein Stabmixer auf der gleichen Anleitung verloren?
    Ich liebe solche Illustrationen, wenn sie gut gemacht sind.
    Das hier hat wirklich was von Kunst. 😉
    Was man so sammelt und findet …

  2. RG 28: Hatte ich auch!

  3. Arabella sagt:

    Einem RG 28 nenne ich stolz mein funktionierendes Eigentum.
    Noch heute mache ich grüne Klöße damit.
    Ich habe einen Mixer dazu und früher auch einen Schleifaufsatz, der ist jefoch verschollen.
    Ich mixe Nachspeisen und Kuchen mit ihm und möchte nichts anderes.

    Dir geht es nun hoffentlich bald besser.

    Liebe Grüße

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