Sind die Daten weg? Über eine IT-Katastrophe.
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Auf einmal war eine der USB-Festplatten ausgehängt. Auch die Leuchtdiode, die als Betriebsindikator leuchtet und flackert in einem ganz besonderen Blau, war erloschen. Schock. Panik! Chaos im Schädel. Schnappatmung. Vier bis zwölf Runden wie ein Raubtier im Käfig gedreht. Lauthals Schimpfwörter deklamiert. Eine Zigarette gedreht mit verdammt zittrigen Fingern und sie dann hastig geraucht. Mit einem LINUX-Dateisystem (ext3) formatierte 1,36 (reale) TB haben sich verabschiedet … Scheiße.
Ungefähr ein Terabyte war sicher belegt. Darunter waren Kopien verschiedener HOME-Verzeichnisse. Vier Jahre hat die Platte funktioniert. Bilder, Musik, Texte, Datenbanken wären alle auf Nimmerwiedersehen verschwunden, wenn ich das Gerät nicht nocheinmal zum Funktionieren bekäme und dann alles von der 1,5er auf die 3TB-Platte zu kopieren schaffte.
Fäkalien! Fäkalien! Fäkalien! Mit einer neuen Zigarette im Mundwinkel meldete ich alle Laufwerke ab, fuhr das Fedora herunter. Alle Kabel ab. Stromlos alles. Noch immer war ich extrem angepißt, katastrophisierte das Festplatten- … ja, was denn? Versagen? Problem? Unglück? Funktionsstörung? Totalschaden? Schauderhafte Phantasien von schmelzenden USB-Sticks und sich aufblähenden USB-Festplatte bildeten sich in meinem Kopf und übernahmen für eine geraume Zeit die Funktion der Realität.
Eine Zigarettenlänge wartete ich, um danach das Pinzip Trabant-Vergaser anzuwenden. (Für die, die es nicht kennen: Hatte der Trabbi unerklärliche Probleme beim Anspringen oder Rundlaufen, so reichte es im Normalfall aus, den Vergaser auszubauen, ihn zu zerlegen, eine Zigarettenlänge abzuwarten, den Vergaser wieder zusammen- und einzubauen. Das funktionierte auch bei Mopeds aus Suhl und Motorrädern aus Zschopau.) Also verkabelte ich alles, startete den Fedora-Rechner, steckte die Platte an und schaltete sie ein.
Eine Hand auf das Gehäuse der problembehafteten Festplatte gelegt, harrte ich der Dinge (und Meldungen), die da kamen. Die 750er war gleich da, in der 1,5er rappelte es. Das dauerte! Eeeeeeeeeeeeeeeeeeewig!
Extreeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeem laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange.
Hörte ich da nicht leise Geräusche spanabhebender Vorgänge in diesem Datenträger? Himmel, Arsch und Zwirn, alles, bloß das nicht! Wahrscheinlich hatte mir meine Katastrophenphantasie nur einen Streich gespielt … Hoffentlich hatte sie das. Nach endlosen 15 oder 20 Sekunden dann erschien die Statusanzeige für ein weiteres gemountetes Laufwerk: Die USB-Festplatte mit 1,5 TB wurde ganz normal an ihrem gewohnten Platz ins System eingebunden. Und ausgehängt, abgeschaltet, entkabelt; verkabelt, angeschlossen, angeschaltet und: gemounted. Alles ganz normal. Nun mußte das Gerät nur noch bis zum Abend durchhalten, bis zu dem Zeitpunkt, da ich auf die zuhausestehende 3TB-Festplatte zugreifen konnte.
Auch das hat am Abend funktioniert, das Kopieren. Und seitdem (Prinzip Trabant-Vergaser, wirklich!) arbeitet auch die 1,5er Platte wieder tadellos. Trotzdem: In nächster Zeit ist ein Ersatz dafür fällig.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 29. Oktober 2014 war die wieder funktionierende Platte.
Tageskarte 2014-10-30: Der Ritter der Schwerter.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Lieber Emil, da ist das Microsoft-Prinzip „Ausschalten-Einschalten-Tut“ ja wie eine Reise ins Schliemannsche Troja. Danke für das Trabbi-Prinzip. Ich frage mich als Nichtraucher: klappt das auch bei mir? Und klappt es auch ohne Vergaser?
Danke, dass Du Deine Leiden hier geteilt hast. Du weißt: Geteiltes Leid ist doppelte Freud.
LG Ulf
Das Prinzip Trabbi-Vergaser fiunktioniert(e) auch bei Nichtrauchern, Teetrinkern, usw.usf. — sozusagen bei jedem fast immer.
Weil das von MS eben so nicht klappte, bin ich wieder bei einem LINUX.
Die Erleichterung angesichts der wieder eingebundenen Platte war groß, sehr, sehr groß.
Plane mal einen Ersatz ein. Das „Schreddergeräusch“ machte meine olle Macfestplatte auch, immer öfter. Es wurde höchste Zeit sie auszuwechseln. Den Datentransfair habe ich gerade noch so hinbekommen, auch mit einer recht seltsamen Methode, die mir jemand verraten hatte: Runterschmeißen. (wenn die Trabimethode nicht mehr hilft) Dann fuhr sie noch ein einziges Mal hoch.
Gruß von der Gudrun
Ersatz ist geplant. Aber das Geräusch war nur Einbildung, Gott sei Dank.
Wenn ich mir überlege, wie lange Festplatten früher™ gehalten haben: 10 Jahre Dauerbetrieb und länger waren keine Seltenheit.
Ja am alten Prinzip „Backup ist nur was für Feiglinge“ glaubt man nur bis zum ersten Datenverlust ;-).
Ich lese deine Beiträge immer sehr gern, schneie hier ab und an mal rein …
Karsten
Oh, keine Sorge, alle Daten sind auch noch extern vorhanden (auf DVD/CD). Und die werden regelmäßig umgebrannt/erneuert. Verlust bisher: Eine einzige CD war nicht mehr lesbar. Die darauf gesicherten JPEGs gab’s und gibt’s aber zusätzlich noch als TIFFs …
Jetzt muß ich doch mal in Dein Blog schauen, dort sind mindestens zwei für mich hochinteressante Themen zu finden. LINUX und die DDR 😉 Mal sehn, was es noch so gibt.
Das Trabiprinzip also, jetzt habe ich dafür endlich einen Namen! Im Gegensatz von internen Festplatten kann man externe meines Wissens nicht „ausbauen“, also entkernen, oder doch? Ich verstehe deine Panik so gut, zumal bei der Arbeit und solch Riiiiesenmengen! Puh, nochmals Glück gehabt.
Das Trabiprinzip nannte ich bisher „zurück zum Anfang“ oder „nullen“, aber Trabi hat mehr Stil! 🙂
@Sofasophia
Doch, doch kann man. Ist ja eine normale 2,5“ oder 3,5“ – HDD verbaut. Manchmal machen es einem die Hersteller nur ein wenig schwerer …
@Emil
Ich habe ja eher an ein „richtiges“ Backup gedacht. Die gebrannten Sicherungen halten ja meist auch nicht ewig. Außerdem erfasst man bei der Methode ja nicht die permanenten Änderungen …
Ich weiß. Schließlich war ich lange genug unterwegs als jemand, der den Leuten gepredigt hat von richtigen Backups 😉 — aber für mich privat reichen die alle drei Jahre umgebrannten DVDs/CDs aus (hoffe ich).
Richtiges Backup, ach ja, wenn ich mal im Lotto gewinne, dann wird das realisiert.
Ach, was ein schönes Beispiel, in jede Richtung, dass wir Schöpfer – nicht nur unserer Wahrnehmung, sondern – unserer Wirklichkeit sind. Super! Ich habe mitgefiebert und mitgelitten und mitgehofft. Trotz meines Wissens, dass wir uns alles nur ausdenken. Danke und ich schleiche mal davon an meine USB-Festplatte 😉
Ja, die Katastrophe war zum Glück nur in menem Kopf.
Es ist so amüsant, die Gedanken zum Datenverlust zu lesen . Und beim Lottogewinn gleich auf Null zu resetten, das ist natürlich eine ganz besondere Sache.
Und dazu ist es noch so, daß mein ganzes Leben seit 2011 in den Rechnern zu finden ist und nirgends sonst ….
Ja ja, du bist einfach voll virtuell
Nein nein, nich voll virtuell. Aber Der Emil ist nunmal eine von mir selbst geschaffene Figur — nein: ich bin Der Emil. Und dessen Leben ist digital dokumentiert, auch im Netz.
Nix gegen deine digitale Kunst, die bewundere ich sehr. Aber alles kann das nicht sein. Oder?
Es ist alles dort gespeichert …
Ich bin überzeugt, Emil, wie alles nur im Kopf passiert. Alles nur ausgedacht, habe ich den verdacht, und das, weil ich lange drüber nachgedacht …
Wenn’s nicht erlebt worden wäre, hätte ich den Tag „Nichterlebt“ verwendet.
Oh, bei so etwas wird mir zuerst schlecht, dann kommt ne Hitzewallung und dann schießt das Entsetzen durch den Darm. Mein Schrei: Fäkalien hoch drei setzt mein Körper sofort in Tatsachen um. Wenn ich mich derart erleichtert habe, bin ich erst zur klärenden Analyse bereit. Was mich Anfang letzten Jahres zum völligen Plattmachen meines Rechners führte. Dank Backups vom Vortag und einem über Stunden sehr geduldigen Mann beim Support lief danach alles wird wie geschmiert.
Das sind so Schreckmomente, die wir hier alle wohl kennen. Schön, dass alles wieder läuft.