Der Duft des spazierenden Lebens
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Wo geht’s hin? Gestern noch dachte ich, es geht wieder abwärts. Vorgestern wollte ich noch unbedingt nach links. Die Tage davor versuchte ich, gleichzeitig voranzustürmen und zurückzurudern. Heute sitze ich an einer Kreuzung unter einem Wegweiser mit mehreren richtungsanzeigenden Hinweisschildern, aber irgendwie kann ich nicht lesen, was darauf geschrieben steht. Weder mit Brille noch ohne. Es ist und bleibt alles unklar und verschwommen.
Orientierungslos bin ich nicht, nein, ich weiß ja, wo ich bin: am Wegweiser. Und ich weiß ja auch, wohin ich will: weg von hier. Die Richtung ist mir dabei ziemlich egal; nur nach unten muß es nicht gehen. Allerdings möchte ich mir Zeit lassen auf dem Weg. Nicht zu hastig unterwegssein. Rechts und links des Weges schauen dürfen.
Wieso soll ich durchs Leben hasten? Immer wieder Termine, Termine, Termine; die Freizeit auch noch durchplanen, mit möglichst wenigen Pausen und wenig “unausgefüllter” Zeit. Nachts noch Hypno-CD-Lernkurse laufenlassen: “Schlank im Schlaf” und “Russisch in vierzig Nächten”. Vollpacken, leisten, leisten, leisten. Immer im Laufschritt. Ein lebenslanger Marathon, sechzig Jahre und mehr. Ein Spaziergang wäre doch viel angenehmer, entspannter. Würde weniger Chaos und Hektik bedeuten. Weniger Streß. Und das Beste daran wäre: Ein Spaziergang darf, sollte sogar Freude machen – und muß kein Ziel haben.
Ich bleib jetzt erstmal hier sitzen. Schau mich um. Vielleicht … Vielleicht streift ja ein besonderer Geruch meine Nase, dem ich folgen mag.
Wo gehts hin, Leben? Immer der Nase nach – aber schön gemächlich.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 28. Januar 2014 waren das Frühstück und die wiedergefundenen Daten.
Tageskarte 2014-01-29: X – Das Rad des Sachicksals (wie 2014-01-01).
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Genau so ist es lieber Emil. Und ich habe es selbst in der Hand.
Ich wünsche dir einen schönen Tag – Iris
ein sehe sehr weiser text.
danke und gutes langsam-gehen!
Die Leute mit ihren Wischdingern in der Hand scheinen blind zu wissen, wohin sie gehen….Solcherart Zielfindung stelle ich mir sehr ins Leere führend vor. Rennen aus der digitalen Welt in die analoge – oder umgekehrt. Da machen wir nicht mit.
Deine Suche lässt mich an die Blaue Blume der Romantik denken. Das gefällt mir!
Gedanken, die mir sehr gefallen. So sollte man das angehen. Ich versuche es, aber es klappt nicht immer. Zwänge von außen kann man nicht alle abschütteln.
LG Anna-Lena
Schön gesagt! Manches aus den einleitenden Absätzen klingt wohlbekannt, manches aus den späteren anregend und sehr beipflichtungswert.
Sitzt Du immer noch an der Kreuzung? Oder hat ein Duft Dich gestreift? Entschleunigung ist zur Zeit ja das Zauberwort. Aber wie Anna-Lena schon sagte, gibt es auch äußere Zwänge, die, würde ich sie ignorieren, auch dazu führen könnten, dass es zum Stillstand kommt. Aber diesem Gehetzte, diesem Getriebensein, dem darf und sollte man sich entgegenstellen. Ganz bewusst!
Es geht mir grad nicht um Entschleunigung … Und die Zwänge kenn ich auch, leider.
Nein, ich verstehe schon: es geht um die Richtung an einer Kreuzung mit vielen Möglichkeiten. Manchmal merkt man, dass es etwas in Bewegung geraten ist und kann nicht abschätzen, wohin es führen wird. Physisch ebenso wie psychisch. Ich konnte das gerade bei mir erleben, als ich meine Beiträge über die 1,5Jahre Krankheit und Getrenntsein von meiner Familie schrieb. Diese Hilflosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins habe ich genau so wieder gespürt wie ich es als sechsjähriges Kind erlebt habe. Und mir wurde wieder klar, warum ich über Jahrzehnte der Mensch war, der ich im Prinzip nie wirklich war. Nur nicht bergab! Das ist die falsche Richtung!
Ja, genau so. Zu viele Möglichkeiten, zu viele Wege, zuviel Angst vor der vielleicht falschen Entscheidung – all das hemmt mich manchmal. Und überhaupt: Warum muß ich ein Ziel verfolgen, wenn ich doch lieber einfach spazierengehen möchte?
(Ich philosophiere zur Zeit sehr viel herum, mein Denkicht ist gerade sehr dicht.)
… durch das leben spazieren: nicht nur einfach langsamer gehen, weil es nicht anders geht, sondern die besinnung auch als den richtigen weg erkennen. ein schönes „bild“ gegen die „lebenshetze“ …
Da fällt mir was ein aus dem Ruhrgebiet:
Wo gehsse? – Kinno! Watt kuckste? – Quo vadis? – Watt heißt? Wo gehsse?
Rechts oder links, nur nicht hinunter. Und das gemächlich, ohne Hast. Das möcht ich auch. Wenns nur manchmal nicht so schwer wäre. Ich versuche mein Bestes.
Ich weiß nicht, liegt es an der Jahreszeit, denn mein Denkapparat läuft momentan auch oft ziemlich auf Touren.
Nur kann ich das alles leider nie in solch wunderbaren Texten ausdrücken, wie Du.