Zwei auf einer Bank (Nº 291)

Zum Zeitvertreib entstanden

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Gestern stand ich um 5.30 Uhr auf. Freiwillig. Weil ich als “Mitläufer” jemandem beim Besuch des Jobcenters zur Seite stand, ab acht Uhr. Es war schon der dritte Besuch dort mit dieser vollkommen mittellosen Person – und endlich, in der dritten Woche, beim dritten Besuch konnte ein Vorschuß als Barscheck in Empfang genommen werden. Natürlich nur unter Nutzung von nur in Ausnahmefällen zulässigen Ermessens- und Einzelfallentscheidungen, denn normalerweise dauert es vom vollständigen Vorliegen der Unterlagen bis zur Gewährung eines Vorschusses mindestens sieben Bearbeitungstage. Nach vier Tagen darf erst mit der Bearbeitung des Antrags begonnen werden, und drei Tage danach kann auch ohne abschließenden Bescheid in Ausnahmefällen ein Vorschuß gezahlt werden.

Um mir die Wartezeit zu verkürzen, erfand ich während des Aufschreibens in meine Kladde folgende Szenerie:

 

 
Zwei auf der Bank
 

Da saßen sie. Seit einer ganzen Weile schon. Hier draußen vor der Tür auf einer Bank. So früh am Morgen war es noch kühl und ein dünner Nebel ließ die Luft unangenehm feucht und zäh um die sonst so zugigen Ecken wabern. Manchmal gingen Menschen vorüber, einige von ihnen hatten es sichtbar eilig. Andere betraten eher zögerlich das Haus hinter der Bank. Der Mensch im Rollstuhl hatte Mühe, die schwere Tür zu öffnen und, ohne von ihr gestoßen zu werden, ins Haus zu rollen. Die Beiden blieben sitzen, sahen dem Geschehen nur mehr oder weniger interessiert zu. Auch als eine Frau mit einem Kinderwagen das Gebäude verließ, rührten sie sich nicht von der Stelle. Sie sahen sich an, schüttelten beide mit dem Kopf und sanken bald wieder in sich zusammen. Klein machten sich die Zwei, als wollten sie um Nichts in der Welt bemerkt werden.

Ich beobachtete die Beiden weiter, wie sie da im Schatten auf der Bank saßen. Manchmal glaubte ich fast, daß sie einschliefen: Da schlossen sich langsam ihre Lider. Doch wenn sich die Tür hinter der Bank bewegte, gingen die Augen wieder auf, als wollten sie trotz allem nichts verpassen. Mit Blicken verfolgten beide einmal eine in auffälliges Rot gekleidete Dame, deren Absätze ein hartes Staccato auf das Pflaster klopften. Aber sie rührten sich nicht von der Stelle.

Als die Sonne so weit über das Haus aufgestiegen war, daß ihre Strahlen die Zwei auf der Bank erreichten, als diese sich hätten etwas wärmen lassen können, da schüttelten sich die beiden Tauben und flogen davon.

© 2013 – Der Emil. CC by-nc-nd Website

 
 

 

Wozu ein solcher Gang als Beistand doch nützlich sein kann.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 17. Oktober 2013 waren der Erfolg im Jobcenter, das Steak mit Speckbohnen und Stampfkartoffeln zu Mittag und der Abend bei Corax.

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Zwei auf einer Bank (Nº 291)

  1. aljaja sagt:

    tja wenn Tauben reden könnten … 😉

  2. Sofasophia sagt:

    dein titel und text erschien nur wenige stunden vor dem heutigen pixartixbild. in meinem reader werden die beiden unmittelbar übereinander angezeigt. als hättest du es gewusst.
    (wenn es denn nicht tauben gewesen wären!)
    schöner text und gratulation zum erfolg im jobcenter.

  3. wildganss sagt:

    „Vollkommen mittellose Person“. Unglaublich. Jemand meinte, träum doch weiter….Weil ich dachte, so etwas gäbe es nicht….Und ich finde gut, dass Du Dich kümmerst…Und der Buchfink hat heute Abend besonders laut gezwitschert in meinen Stuben- schön, auch die Musik!

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