Zu weit gefahren. (Nº 29 #oneaday)

Diesmal: Buchempfehlung.

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Heute vor sechs Jahren, am 29. Januar 2005 starb Ephraim Kishon. Ich erinnere mich daran, weil ich gestern nachmittag eines seiner Bücher verschlang.

Es wurde mir vor einiger Zeit geschenkt, völlig anonym. Vor einer Haustür hier in der Stadt stand ein Karton voller Bücher. Drauf lag ein Zettel: «Zu verschenken!!!» Ich habe mir vier oder fünf Bücher herausgesucht, die sich gut anfühlten – ich schaute nicht nach Titel oder Autor.

Nun hab ich eines der ersten Bücher (das erste!) von Ephraim Kishon innerhalb von knapp vier Stunden ausgelesen. Mit der Ernennung des Buches Look back Mrs. Lot! zum Book of the month durch die New York Times im Jahre 1959 begann Kischons internationale Karriere. Drehn Sie sich um, Frau Lot! erschien 1961, zwei Jahre vor meiner Geburt, erstmals auf deutsch.

Vier Stunden nur für die 160 Seiten des Büchleins? Ja, denn es war … Wie war es denn? Sicher gewöhnungsbedürftig. Kurzweilig, zum Lachen, teilweise sehr hintergründig. Und voll von dem, was man – im besten Sinne – den jüdischen Witz nennt.

Kishon bedient darin alle die Stereotypen (und Vorurteile), die unsereiner vom Rabbi und dem Kaufmann und Schneider usw. hat. Und noch viel mehr. Eine Art von Voyeurismus bedient er auch, denn schonungslos läßt er den Leser teilhaben an allen (un-)möglichen Situationen in Israel, die durch Bürokratie (köstlich z. B. Professor Honig macht Karriere) und andere typisch menschliche Verirrungen heraufbeschworen werden.

Warum ich das jetzt hier erzähle? Weil dieses Buch mich so fesselte, daß ich das Aussteigen aus der S-Bahn vergaß, zweimal. Ich fuhr lesend von der Südstadt bis zur Endhaltestelle Halle-Nietleben, merkte erst dort, daß ich eine Station zu weit war. Aber schon wenige Minuten später fährt die Bahn ja zurück, und es ist ja nur eine Station.

Die Abfahrt habe ich noch registriert, aber das Aussteigen wieder verpaßt – weil ich im Buch versunken war.

Also fuhr ich eine halbe Ehrenrunde durch die Stadt und dann vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahn nach Hause.

Der Verfasser des Blogs schleicht zu seinem nächsten Buch und dankt für’s Lesen.

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© 2011 – Der Emil

029 / 365 – One post a day

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Zu weit gefahren. (Nº 29 #oneaday)

  1. Die Hellwache sagt:

    „Ich habe mir vier oder fünf Bücher herausgesucht, die sich gut anfühlten – ich schaute nicht nach Titel oder Autor“ … (fast) ohne Worte: Seufz! LG … p.s. meine erste „Begegnung“ mit Ephraim Kishon hatte ich im Alter von ca. 10/12 Jahren . Ein Buch im Bücherschrank meines Vaters …

    • der_emil sagt:

      Auch im Buchladen / Antiquariat muß mich ein Buch „anspringen“ – es geschieht selten, daß ich nach Autor und / oder Titel suche. Ich verlaß mich dazu wirklich auf mein Gefühl.

      Heißt Dein „Seufz“ jetzt, daß Du es auch so machst?

      • Die Hellwache sagt:

        Lieber Emil! Ja, irgendwie schon, nur ist mir dass ein bisschen „abhanden gekommen“, weil ich viele Bücher per‘ Versand kaufe, daher ein „nostalgisches Seufz“ :-). LG

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  3. frizztext sagt:

    viele Grüße von allen fünf 🙂
    http://flickrcomments.wordpress.com/2011/01/02/team-power/
    besonders von dr. schwebmann

  4. frizztext sagt:

    aber auch von dschingis khaaz:
    http://flickrcomments.wordpress.com/2011/01/26/rage/
    aufforderung zum friedlichen zorn 🙂

  5. Follygirl sagt:

    Oh ja, als ich jung war habe ich alle seine Bücher verschlungen. Fand ihn auch immer Klasse. Muß nun doch mal sehen, ob ich noch eins habe ….(gebe ja immer sehr viele Bücher weiter…)
    Ja, bei Büchern gucke ich auch nicht immer nach dem Schriftsteller… habe auch schon welche gekauft, weil der Einband so schön war… meistens waren die Bücher dann auch gut.
    Außerdem gucke ich immer gerne bei den Krabbelkisten und bei gebrauchten…
    Was wäre das Leben ohne…? Nichts!
    Liebe WochenendGrüße, Petra

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