Einmal Lyrik, bitte.
Karoline von Günderode (1780 – 1806 Freitod)Vorzeit, und neue Zeit
Ein schmahler rauher Pfad schien sonst die Erde.
Und auf den Bergen glänzt der Himmel über ihr,
Ein Abgrund ihr zur Seite war die Hölle,
Und Pfade führten in den Himmel und zur Hölle.Doch alles ist ganz anders jetzt geworden,
Der Himmel ist gestürzt, der Abgrund ausgefüllt,
Und mit Vernunft bedeckt, und sehr bequem zum gehen.Des Glaubens Höhen sind nun demolieret.
Und auf der flachen Erde schreitet der Verstand,
Und misset alles aus, nach Klafter und nach Schuen.
Quellen:
- Gesammelte Dichtungen / Karoline von Günderode.
Hrsg. von Elisabeth Salomon; Drei-Masken-Verlag München, 1923
und / oder- Projekt Gutenberg
Karoline von Günderode (manchmal auch Günderrode geschrieben) war zu ihrer Zeit eine unangepaßte Frau. Sie begann unter falschem Namen zu veröffentlichen und wurde sogar von Goethe beachtet. In der Folge einer unglücklichen Liebe erdolchte sie sich am 26. Juli 1806 am Ufer des Rheins.
Dieses Gedicht scheint mir heute noch aktuell, wenn sich auch die Maßeinheiten geändert haben. Denn wie bequem ist unser Leben geworden, wie wenig echte (körperliche) Anstrengung ist noch nötig fürs Leben?
Nichmal mehr gehen muß man heutzutage – nein, wir lassen uns kutschieren oder fahren selbst. Entfernung ist nichts Trennendes mehr.
Und glauben, glauben müssen wir doch nur noch, was Bild & Co. und RTL & Co. uns vorsetzen, oder? Oder das, was wir selbst nachgemessen haben.
Warum poste ich das jetzt?
Weil es damals wie heute Menschen gibt, die diese Änderung der Welt nicht nur bejubeln, sondern teilweise sogar betrauern.
Ich gehöre zu diesen Menschen.
Ein dummer Zufall ließ mich gestern wieder über genau soetwas stolpern.
Und aus solchen Zufällen mach ich meist einen Text.
Wie diesen hier.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
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022 / 365 – One post a day



Lieber Emil, danke für das posten dieses Textes. Die Probleme, die wir Menschen mit uns und unserem Leben haben und hatten, haben sich auch über die Jahunderte nicht verändert. Seufz, wir kommen immer noch nicht mit dem eigenen Leben zurecht und mit unseren Gefühlen und Wünschen schon gar nicht, alles nur ein „irgendwie muss es ja gehen“. Und doch, vielleicht ist unser Leben, für uns ja genauSO richtig, WIE wir es leben !!! GlG