Während ich meine Weihnachtserinnerungen so aufschrieb, hab ich mir oft diese Fragen gestellt:
Wer wird in zehn, zwanzig Jahren noch von solchen Dingen wie Rauhnächtebräuchen, Mandelnschnappen, Weihnachtsbaumklauen usw. erzählen können? Wer wird dann noch wissen, wie ein bestimmter Teig gemacht wird, was als Gewürz in einen Rotkohl kommt? Welcher Junge kann sich aus Zweigen noch ein Pfeifchen schnitzen?
Irgendwie sind die Menschen dabei, ihre Vergangenheit zu verlieren, indem sie ihre Traditionen verleugnen. Das schmerzt mich, und ich kann jetzt nachfühlen, wie es meine Großeltern schmerzte (obwohl: war das vor 30 Jahren schon so massiv wie heute, dieses Ablehnen/Vernachlässigen von Althergebrachtem?) …
Ich hoffe noch, daß mich diese Fragen nur quälen, weil ich seit Jahren ohne Familie lebe, und daß die Antworten in Familien noch lauten: „Wir.” Aber: Ich weiß es ja nicht.
Sehen wir, sehe ich weiter tatenlos zu, wie wichtige Erfahrungen, nützliche Fähigkeiten – die für Menschen meiner Generation noch “normal” waren – in Museen und alten Filmen verstauben und vergessen werden? Oder versuche ich, wenigstens in meinem kleinen Blog hier an sie zu erinnern und zu ihrer Pflege und Ausübung aufzufordern?
Nicht nur das. Auch draußen, in der Welt gebe ich gern weiter, was ich kann und weiß. Deshalb gehe ich hierhin und dahin und mische mich ungefragt ein.
Und deshalb verabschiede ich mich jetzt von euch, für heute nachmittag, wünsche einen schönen Tag – und danke fürs Lesen.



seit Jahren wissen viele Menschen schon nicht mehr, wie Tomaten mal geschmeckt haben…
Und Erdbeeren. Und woher die Chicken Nuggets kommen …
Aber ist das nicht wirklich traurig?
Auf der anderen Seite schreibst Du ganz richtig, dass Du durch Deine Schreiberei Menschen erzählst, wie es war.
Und so ist es doch auch heute noch: Durch das Internet können wir (fast) alles herausfinden. Wenn Du Dir die zahlreichen Rezept-Blogs anschaust, dann glaube ich, wird nichts so schnell verloren gehen.
Der Trend geht doch gerade zum Althergebrachten, die Menschen atmen eher mal durch und überlegen sich, wie es früher war. Da bricht dann vieles auf und zusammen: Familienkonstellationen tendieren wieder zu mehr Kindern, der eigene Garten ist wieder Goldes wert (früher war Schrebergarten bäh). Selbermachen? Aber ja! Nähen und Stricken? Gerne, aber nur mit Wolle von glücklichen Schafen. Auf der einen Seite herrscht also weiterhin kein Tempolimit auf der Datenautobahn während auf der anderen Seite die Gemütlichkeit und das Zurücklehnen sowie Selbermachen an Größe gewinnen.
Wie vieles schon in den Jahrhunderten verloren gegangen ist, können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen, aber ich glaube, dass der Mensch immer, je älter er wurde, mehr seiner Kindheit nachtrauerte…is bei mir ja nicht anders.
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