In Vorfreude auf einen romantischen Abend.
Der Tisch ist festlich gedeckt. Weiße Tischdecke, Tischläufer, ein Strauß Blumen. Geschirr und Besteck für zwei. Weingläser, in der bauchigen Karaffe ein Bordeaux, tiefrot funkelnd. Bald werden die Kerzen angezündet werden. Die Kartoffeln brauchen vielleicht noch fünf, sechs Minuten, dann wird alles serviert. Ein Soßenkännchen steht bereit, eine Schüssel für die Karotten, eine für die Kartoffeln, und die Platte für den Rehbraten.
Alles wird zum Tisch gebracht, die Kerzen werden entzündet. Es ist 18.30 Uhr. Heute wird das Telefon nicht klingeln. Wieder sitzt er allein am Tisch und wartet geduldig auf sie. Wie vor vier Jahren. Sie wollte pünktlich sein, das hatte sie versprochen – und solche Versprechen hielt sie immer. An diesem Tag aber klingelte es um 18.30 Uhr nicht an der Tür. Es war sein Telefon. Jemand erzählte ihm von einem Unfall. Er legte auf, saß am Tisch, bis alles kalt geworden war und es dann doch noch an seiner Tür klingelte. Zwei Polizisten standen davor. Danach erinnert er sich erst wieder an das Gesicht eines Arztes und daran, daß er um keinen Preis ins Krankenhaus wollte, weil sie ja jederzeit noch kommen könnte, verspätet, ja, aber sie hält ihre Versprechen immer.
Und dann fällt ihm auf, daß er sie nicht vor vier, sondern schon vor sechs Jahren erwartet hatte …
Erinnerung des Tages:
Gleich neben dem heute bezogenen Platz stand das Zelt, in dem ich meinen allerersten Mittelaltermarkt miterlebte.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 6. Juni 2025 war ich zufrieden mit der störungsfreien Fahrt, mit dem trockenen Aufbau, mit den vielen Umarmungen zur Begrüßung.
© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

