Mathematik für Politiker? (Nº 291 #oneaday)

Oder: Wir rechnen mit den Schlimmsten.

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Na??? Bekommt ihr auch diese kostenlosen Sonntags- und Wochenblätter, die sich durch großformatige Anzeigen und gediegenen Journalismus mit bestechend deutlicher Sprache auszeichen?

Ich bekomme jeden Mittowch eines und jeden Sonntag zwei. Eines davon ist dieses:

Titel des "Super Sonntag"

Titel des "Super Sonntag"

 
Vorgestern fand ich darin einen Artikel, der mit Sicherheit von einem Mathematiker verfaßt wurde. Selbiger muß außerdem noch Germanistik studiert haben. Aber lest bitte selbst. Das Bild ist direkt verlinkt und öffnet sich beim Anklicken in einem neuen Tab/Fenster, man muß es groß gesehen haben:

Super Sonntag RechenkunstAbbildung des Artikels aus dem Super Sonntag vom 16.10.2011 (15. Jahrgang — Nr. 41), Seite 14

 
«Man nehme 19,2 Millionen Euro vom Land …»«8,3 Millionen davon …» werden gewährt: bleiben (wenn ich 19,2 – 8,3 = 10,9 ausrechne) 10,9 Mio. €. «Für den verbleibenden “Rest” von 19,3 Millionen Euro …»

Hä?

“Mit den gut 19 Millionen Euro vom Land kann die Stadt Kredite in Höhe von 27,5 Millionen Euro ablösen.”

Nochmal: Hä?

Ich weiß ja nicht, was da wie gerechnet werden soll und kann. Aber dieser Text hat für mich mit diesen Zahlen keinen Sinn. Nein, wirklich nicht. Nicht mal unter Verwendung der Doppik, welche ja die Versorgung der Finanzstatistik mit zuverlässigen Daten verunmöglicht.

Meine Lehrer hätten damals gesagt: “Setzen! Fünf!”

Heute gibt es dafür wahrscheinlich etwas anderes …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 17. Oktober 2011 waren meine Intuition, einige Gespräche und das abendliche Telefonat mit der Liebsten.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Mathematik für Politiker? (Nº 291 #oneaday)

  1. twixraider sagt:

    Also „Super Sonntag“ ist schon mal ein super Name, das klingt so vertrauenderweckend wie „Super-Illu“. „Bullerjahn“ klingt warm und forsch zugleich, so muss ein Finanzminister heissen, da scheisst sich der faule Grieche gleich in die Tunika und zahlt die Steuern für 40 Jahre nach.
    Die Rechnung ist in der Tat ein wenig merkwürdig. Es scheint sich bei den 19,2 Millionen um einen bestehenden Kredit zu handeln, der jetzt gegen die Zahlung von 8,3 Millionen auf 1,9 % umgezinst wird, das ergibt ein Gesamtsoll von 27,5 Millionen. Wie man mit 8,3 Millionen einen Kredit von 19,2 Millionen bei 1,9 % über 10 Jahre zinseszinsfrei hält, ist mir allerdings auch schleierhaft… aber ich bin ja auch kein Milchmädchen mit BWL-Diplom!

    • der_emil sagt:

      Bis heute morgen dachte ich, daß ich den dahinterliegenden, vom Schreiber nur eben so vollkommen mißformulierten Informationsgehalt vielleicht begreifen könnte.

      Nach Deinem Kommentar glaube ich das auch nicht mehr.

  2. Inch sagt:

    Äh… stirnrunzle…kopfzerbrech..
    Gut, dass ich so einen Aufkleber am Briefkasten habe, der nicht nur das Einwerfen von Werbung verbietet sondern auch die Zustellung jeglicher kostenlosen Zeitung.

    • der_emil sagt:

      Oooch – da verpaßt Du aber einiges! 😀

      • Himmelhoch sagt:

        Genau das überlege ich auch gerade. Ich habe zwar keinen Aufkleber, da dieser immer abgerissen wurde, sondern habe es dick und fett auf die Briefkastenklappe geschrieben. Zu 95 % klappt es sogar. – Aber ich glaube, ich hätte diesen Artikel nach 10 Zeilen weggelegt.

  3. anniefee sagt:

    Das kann schon mal vorkommen, wenn man „früher aufsteht“ (wie es angeblich ganz S-A tut). Naja, Hauptsache der Geier hat gut lachen und diese Straße kann gebaut werden.
    Hm, den Super-Sonntag gibt es auch immer, wenn ich Oma besuche (im Landkreis Wittenberg), aber er wird übertrumpft vom „Bitterfelder Spatz“, einer CDU-nahen Superzeitung. Da sind auch viel mehr Halbnackte drinne und biedere Familienanzeigen °_°

    • der_emil sagt:

      Haben die eine Webseite? (Vom SuSo hab ich keine gefunden, aber auch nicht wirklich danach gesucht.)

      • anniefee sagt:

        ja, http://bitterfelderspatz.wordpress.com/
        und sie nutzen dasselbe Layout wie ich, das ist ja schrecklich !
        Die aktuelle Ausgabe ist nicht so der Lach-Hammer, vielleicht waren die früher amateurhafter.
        Der Witz an kostenlosen Zeitungen ist ja das anarchisch-unseriöse, also im Grunde genommen nicht verkehrt, so „von unten“-mäßig, jeder kann eine bauen, ohne unbedingt Journalistik studiert zu haben.. Dass wiederum die Inhalte so aufgebaut sind, dass sie den Werbekunden (und vermeintlichen Lesern) gefallen, sagt viel über die Mitmenschen aus..

  4. sucherin sagt:

    Mir stellt sich die Frage, wo die Stadt ihre Kredite ablöst – beim Land :-).LG

    • der_emil sagt:

      Naja. Bei Lehmann Bros. wohl nicht mehr … Aber diese ganze (Unter-) Finanzierung öffentlicher Haushalte ist doch sowieso (wie im Wikipedia-Doppik-Artikel angemerkt) Konkursverschleppung exorbitanten Ausmaßes.

  5. Elvira sagt:

    Und ich dachte immer, ICH wäre in Mathe ne Null 😉

  6. der_emil sagt:

    Okay, okay, okay. Ich geb zu, daß ich ziemlich faul bin.

    Es gibt eine Website

  7. Gudrun sagt:

    Och, was denn? Früher nannte man so etwas Wechselreiterei und jeder Kaufmann, der dabei erwischt wurde, zog blank. Heute feiert man sich, wie clever man ist. Rechnen muss man nicht können.
    (Stark II und Hartz IV klingt gut zusammen, finde ich.)

    Liebe Grüße von der Gudrun

  8. M. sagt:

    Da ich in Mathe eine Niete war, gebe ich mich schon vorher geschlagen ;-(

  9. Dr. Manhattan sagt:

    Der Autor hat sich vermutlich zumindest im ersten Fall einfach nur eines schlechten Deutsch bemüht und hätte wohl besser die Formulierung: „[…] Für den verbleibenden „Rest“ _eben jener_ 19,3 Millionen Euro […]“ gewählt. Wobei sich dennoch die Frage auftut, wo denn eben jene 100.000 € zusätzlich herkommen, die ursprünglich dann nicht da gewesen wären.. (Abgesehen davon ergibt der gesamte Satz keinen Sinn, das Deutsch ist.. mittelmäßig und die Frage, was man mit einem Zinssatz will, ist dabei nicht geklärt.)
    Wie genau die Rechnung mit den 27,5 Mio. Euro funktioniert, ist dabei ein ganz anderes Thema, aber der Autor impliziert ja in begrenztem Rahmen, dass die Verzinsung für 10 Jahre dabei eine Rolle spielt.. Allerdings glaube ich mich zu erinnern, dass das Ablösen eines Kredits nicht automatisch ein „Ende“ des selbigen bedeuten muss, sondern auch eine Umschichtung auf einen anderen darstellen kann..

    Kurz und gut: Es lebe die Finanzwelt und allen voran die „deutsche Finanzwelt“, denn wie man schon vor 100 Jahren sagte: „Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ – immerhin kommen ca. 70% aller Steuergesetze der Welt aus Deutschland…

    In diesem Sinne, mit besten Grüßen
    Dr. Manhattan

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