2025 – 023: Denkfutter V. 2.0

Und nach neun Jahren noch immer nicht weitergekommen.
(Eine Wiederholung aus dem Jahr 2015.)

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Nehmt es mir nicht krumm, aber: Ich zitiere mich heute selbst, ich wiederhole mich. Im Oktober 2015 dachte ich über Dinge nach, die mir auch heute noch durch den Kopf gehen, denn noch immer suche ich nach meinem eigenen Tempo. Das ändert sich bei mir übrigens häufiger, als mir lieb ist, und ist doch immer langsamer als das, was allgemein so als Tempo gefordert scheint.

 


 
Menschheitsaufgabe. Mehr und/oder Weniger.
 

Die Entdeckung der Langsamkeit als wichtige Lebensqualität – ich nenne es jetzt großspurig “Aufgabe für die Menschheit” und für mich. Neudeutsch wird das Entschleunigung genannt, was ich als Wiederfinden des den Menschen eigenen Tempos empfinde, meines eigenen Tempos. Jeder nach seinen Fähigkeiten (Teil einer großen Losung im Sozialismus). Ich hoffe ja wirklich noch darauf, daß die Schädlichkeit der ständigen Überforderung allgemein erkannt und dann auch abgeschafft wird und bemühe mich nach Kräften, das in meinem Leben umzusetzen. Allerdings fühle ich mich sehr oft daran gehindert, wieder in ein Hamsterrad hineinbefohlen, in dem ich wahrlich nicht unterwegssein will. Ich bin keiner der Schnelläufer, ich brauche meine Zeit, mehr Zeit als viele andere. Es gibt nunmal, so wie ich es im Zuge der Tour #AnsKap bemerkte, Schnellradler, die in kurzer Zeit ihr Ziel erreichen wollen, und andere Radler, die die Tour er-leben wollen und sich Zeit dafür geben. Wieso sollte in unserer Gesellschaft kein Platz für Menschen sein, die nicht zuerst hetzen und rennen und rammeln, sonder die zuerst leben und den Rest dementsprechend drumherumorganisieren?

Ich lese auch, daß da ein Kreis von Menschen ist, in dem Menschen sich gut aufgehoben fühlen. Ein Kreis, ein Netzwerk? Jedenfalls etwas, wo keiner erster und vornedran sein will und/oder muß. Gleiche unter Gleichen sein, bei allen Verschiedenheiten der Menschen: Das funktioniert wirklich. Wer schreibt mir denn vor, daß ich mich, wer bestimmt denn, daß die Menschen sich immer und immer wieder vergleichen müssen und dabei immer und immer wieder ihr Augenmerk nur auf das richten, was sie weniger gut als andere haben/können. Von wem lasse ich mir das schlechte Gewissen, das Minderwertigkeitsgefühl machen? Wem nützt dieses ständige “mich-zu-klein-Fühlen” überhaupt? Mir doch nicht. Und denen, die sich größer scheller gebildeter wohlsituierter besser als ich fühlen, nützt es ihnen etwas? (Nein, ich erwarte auf all diese rhetorischen Fragen {an mich, sowieso nur an mich gerichtet} keine Antworten.)

Ach, da nehm ich den Gegenwind gerne inkauf, auch wenn es bergauf geht, auch wenn es schwer ist/fällt. Aber ich möchte einfach nicht irgendjemandem der irgendetwas hinterherhetzen. Diese Gesellschaft erscheint mir in besonderen Momenten als eine, die das ganze Volk durch einen “Course de la Paix”, eine “Tour de France” treiben will. Und nur, wer als erster durchs Ziel kommt, kann ein “wertvolles Mitglied der Gesellschaft” sein. Meine Güte, wie breit die Zieleinfahrt da sein müßte, wenn alle nebeneinander gemeinsam durchs Ziel radeln! Aber wie ist das denn bei diesen Radrennen? Hatten und haben die Letzten, die ins Ziel kommen, nicht auch immer Applaus und sogar besondere Sympathien bekommen? Die “Leistung” ist doch eben nicht der “Sieg” in einem Kampf, sondern die Leistung war es, ist es und sollte einzig und allein die Tatsache sein, den Weg geschafft zu haben, und sei es nur auf einer Teilstrecke … (Autsch! Jetzt beginnt der Vergleich Leben./.Radrennen auf Vorder- und Hinterrad zu eiern!)

Nochmal kurz: Weniger vergleichen, weniger Defizitprimat, weniger (auch selbstgemachter) Leistungsdruck, weniger hetzen; mehr Zeit geben und mehr Leben zulassen würde meiner Meinung nach uns allen guttun. Und vielleicht will ich deshalb lieber gehen als radeln.

Wörtlich übernommen (aber von Tipfehlern befreit) von meinem Blogartikel vom 4. Oktober 2015.

 


 

Das ist, was ich noch heute denke. Damit bin ich heute noch nicht fertig. Und es kamen noch neue Schwierigkeiten hinzu. Allerdings sehe ich trotz aller propagierten Entschleunigung allerorten keine stattgefundene – außer bei der Deutschen Bahn … (Sorry, aber der mußte jetzt sein.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einigen Computerschrott (uralte Mäuse, Tastaturen, Kleinteile, Kabel) beim Sat*rn entsorgt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Januar 2025 war ich zufrieden mit dem langen Schlaf, mit gelesenen eigenen Texten, mit dem Löschfortschritt.


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Über Der Emil

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2 Kommentare zu 2025 – 023: Denkfutter V. 2.0

  1. annette sagt:

    Ach so, jetzt versteh ich, warum meine Fahrten so viel länger dauern… Aber warum verkauft die Bahn ihren Fahr“plan“ nicht als aktive Hilfe zur gesunden Entschleunigung, sondern bittet ständig um Verständnis oder Entschuldigung? Da sollten doch mal andere Marketing-Experten oder -innen ran!
    Entspannte Grüße, ohne Hektik!

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