Damengambit (Nº 261/2018)

Sonderbare Erinnerung an die gelebte DSF.

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Draußen im Hof saßen wir. Laue Sommernacht, Brot und Speck und Gurken und Wodka und einige Schachbretter, an denen wir spielten. Gesprochen wurde Kauderwelsch aus Deutsch mit russischem Akzent, der umso schwerer wurde, je niedriger der Pegel in den Flaschen wurde, und Schulrussisch, das für eine vernünftige Verständigung nicht ganz ausreichte. Настоящие сибиряки (naßtajaschzschije Sibirjahki) wollten vielleicht auch nicht unbedingt … Wir spielten Schach in der gleichen BSG (heute heißt das Werks­ver­ein) und saßen und spielten und aßen und tranken. Manchmal wurde es laut, von den Schimpfworten verstand ich nicht viel, nur Angeber und Hund und Scheiße. Aber schnell beruhigten sich die Gemüter mit einem weiteren Glas (und meist sto Gramm – сто граммов –, also zweieinhalb Doppelte auf einmal) und Brot und Speck und Gürkchen wieder. Und dann wurde wieder auf die Schachuhren eingedroschen, wurden Züge kommentiert und Flüche ausgestoßen.

War die Spiellaune weg, wurde gesungen. Viele gute russische Volkslieder, auch Lieder aus dem Großen Vaterländischen Krieg, und viele Deutsche Volkslieder, teils mit russischem Text. Am Brunnen vor dem Tore klang auf Russisch aus zehn russischen Männerkehlen einfach nur gänsehautig, diesen Moment werde ich nie vergessen. Ebensowenig die Partie Schach (bzw. deren Ergebnis), die ich an diesem Abend spielte, als Jugendlicher mit 17 Jahren (Bezirksliga) gegen einen erfahrenen DDR-Liga-Spieler (zugegeben: ziemlich betrunken, wir beide) ein Damengambit zu gewinnen ist und bleibt ein Erlebnis.

Ich habe keine Ahnung, woher diese Erinnerung heut früh plötzlich kam. Doch ja, Damen­gambit war etwas, daß ich mit Weiß regelmäßig spielte. Und irgendwo gibt es ganz sicher noch den Hefter mit den Partienotationen des Ligabetriebes von damals. Eventuell sogar bei dem (heute unter anderem Namen) noch existierenden Sportverein. Ich frag da mal nach in den nächsten Wochen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 18.09.2018 waren erstaunliche Erinnerungen, fertig eingesprochene Texte, ein Radiointernes Event.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Münzen.

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Über Der Emil

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