Straßenbahnlyrik (Nº 206/2018)

Kunst an “unmöglichen” Orten.

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In den Straßenbahnen hier in Halle (Saale) sind, gefördert von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, statt Werbung Gedichte auf großen Aufklebern zu sehen. Der Förderkreis der Schriftsteller Sachsen-Anhalts e.V. hat – neben der Wiedergabe von Gedichten seiner Mitglieder – auch dafür gesorgt, daß dort auch Werke schon längst verstorbener Hallenser bzw. Sachsen-Anhaltinischer Dichter wie z. B. Joseph von Eichendorf zu sehen sind. Vor ein paar Tagen las ich dieses:

 

 
Glück als Bürde

(Nr. 13 aus Sonette bei den Brombeeren, Werner Makowski ∗ 1950)
 
 

Erscheinungsform der Liebe ist die Wirklichkeit
bei uns, nichts falsch romantisch, nichts ein Traum.
Ein jeder Tag stellt Schönheit uns bereit,
wir glauben das mitunter kaum,
es macht uns manches Mal verlegen.
Wir spüren da ein Ideal sich regen
und zweifeln, ob wir dem genügen.
Das Ungewohnte formt sich zur Gestalt,
und heute, wo sich alle nur betrügen,
in dem Gemisch aus Irrtum und Gewalt.
Wir werden klüger mit den Tagen
und gehen leichter mit der Bürde um.
Die Götter lieben uns darum:
Wir lernen, großes Glück zu tragen.

 

 

Eine Unterteilung des Sonettes in Strophen konnte ich nicht erkennen. Ich habe das Gedicht in der Straßenbahn abgeschrieben. Eine Kurze Suche im Internet ergab: Das Buch Sonette bei den Bromberen mit Werken von Werner Makowski und Ralf Meyer erschien beim mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH.

Straßenbahnlyrik. Mir gefällt das.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 25.07.2018 waren ausreichend gekühlte Getränke (ich weiß,lauwarm wäre besser), zwei Briefe von 1941, ein “reparierter” 128-GB-USB-Stick.
 
Die Tageskarte für morgen ist XIX – Die Sonne.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Straßenbahnlyrik (Nº 206/2018)

  1. petra sagt:

    „Wir lernen großes Glück zu tragen.“ – wie schön ist das!

  2. Nati sagt:

    Das ist doch schön ein bisschen Kulturgut in die Öffentlichkeit zu tragen.

  3. socopuk sagt:

    Als ich Halle war hielt ich die Straßenbahn mit Fahrziel “Frohe Zukunft“ für ein Kunstprojekt. Natürlich bin ich eingestiegen und (im Stadtteil) “frohe Zukunft“ ausgestiegen – hm, ist Ansichtssache, würd ich mal sagen 😉

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