Romantisch trotz Hochgeschwindigkeitskommunikation
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Falls Karoline von Günderrode oder Clemens Brentano Briefe schrieben, Briefe voller Leidenschaft und zärtlicher Gefühle, da hätten sie beide eine Briefromanze gehabt. Nachrichten in die Ferne – und damals waren mehr als 400 km viele Tagesreisen fern – konnte man nur mit der Feder auf Papier geschrieben versenden. Welche Sehnsucht mußte da in den Menschen brennen, wie fest mußte eine mögliche Liebe sein, um diese Zeiten zu warten: erst tagelang und wochenlang auf Briefe, dann wochen- und monatelang auf Treffen und am Schluß gar noch monate- oder jahrelang auf eine Heirat, falls die Romanze daraufhin ausgerichtet war.
Wieviel schneller leben wir heute? Mail, Skype, Whatsapp, Threema, Cam-Chats, SMS und vor allem Telefon machen Warten überflüssig. Eisenbahn, Autos, Fernbusse, Flugzeuge und Autos, Motor- und Fahrräder machen Entfernungen klein, lassen eine ganze Woche Postkutschenfahrt zu einer “gemütlichen” Nachmittagsfahrt schrumpfen.
Aber ist das Leben deshalb besser? Wer nicht gleich fickbar ist, wird ausgetauscht gegen schneller willige Sexualpartner. Wir haben die Geduld in diesen Dingen verloren. Nur wenige können ihre Sehnsucht noch genießen. Für die meisten Menschen ist Sehnsucht nur noch Qual. Nur noch. Nicht mehr wie zu Zeiten der Romantik süße Qual, die zwar ein Ziehen im Herzen verursachte, aber nicht zu wütenden Beziehungsabbrüchen oder unversucht gelassenen Beziehungsanfängen führte. Vielleicht ist die Kurzlebigkeit heutiger Beziehungen auch der sofortugen Verfügbarkeit von Ersatz geschuldet? Will die/der Eine nicht genau so, wie der Partner/die Partnerin möchte, geht es eben zur/zum Nächsten.
Wie schön muß es da sein, trotz allem solch eine Überlandromanze zu haben (anstelle einer heutigen Fernbeziehung). Zu warten, zu sehnen, Briefe zu schreiben, Mail zu schreiben, zu chatten, zu telefonieren. Virtuelle Umarmungen auszutauschen. Vom Nebeneinanderliegen zu träumen, sich dieses Hautgefühl vorzustellen und auszumalen. Die Annäherung und das Kennenlernen zu zelebrieren – ja, zu zelebrieren! Und sich bei all dem an ein mehr oder weniger zufälliges Begegnen zu erinnern, anläßlich dessen man noch viel zu schüchtern, viel zu zurückhaltend war.
Und trotz aller wahnsinnig schnellen Kommunikation sich bei allem Zeit zu lassen: ein Luxus, den ich mir wundervoll vorstelle.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder historischen Persönlichkeiten und/oder realem Geschehen sind rein zufällig und keineswegs beabsichtigt.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 10. Januar 2016 waren die Gewißheit und die geschaffte Hausarbeit.
Tageskarte 2016-01-11: Der Knig der Schwerter.
© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich vermute, dass es eher umgekehrt ist. Oder zumindest parallel entstanden/geworden:
Nicht weil es schnellere Verbindungen gibt, sind Beziehungen (scheinbar) oberflächlicher und beliebiger geworden. Und auch die Schnelllebigkeit ist nicht Teil sondern vielmehr Folge eines langsam gewachsenen Wertewandels, der übrigens nicht auch nur schlecht ist.
Dass eine Ehe nicht mehr nicht unauflöslich ist, werte ich nämlich als Erfolg einer zivilisierten Gesellschaft, die der Frau in jenen romantischen Zeiten, die du hier für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr verklärst, nicht mal eine Wahl des Partners und des Zeitpunkts zugestanden hatte.
Ich gestehe, dass diese Zeiten bei uns Vergangenheit sind und ich froh bin, mit dem fernen Liebsten, täglich vibern zu können. Und ihn zweimal im Monat hautnah erleben zu dürfen. Die längste Trennung waren so ca. 2 Monate. Nicht wirklich romantisch war es, dieses Sehnen, wenn ich ehrlich bin. Einfach nur Sehnen. Schmerzhaft.
(Romantisch? Süß? Ich glaube dafür fehlt mir was.)
[He, so lange und lustvoll hab ich schon lange nicht mehr kommentiert … 😉]
Vielleicht ist Sehnen nur am Anfang süß?
Aber ja, es sind auch Errungenschaften: die möglichen Trennungen, die eigene Wahl treffen (laut und deutlich noch dazu) … Aber irgendwei scheint mir für die Jüngeren Leute auch im Beziehungsleben das Prinzip „snapchat“ zu gelten. Wo unsereiner noch monatelang versuchte, ist heutzutage eine Woche Bemühung schon viel zu viel. Und wie so oft gibt es zufällige Gleichzeitigkeiten, ich habe oben keine Kausalität vorausgesetzt (oder habe ich doch?), weil ich kein „das ist deswegen so“ haben wollte.
Ich denke seit Tagen über alte „Werte“ wie sich durchbeißen, kämpfen, aushalten, Ausdauer nach.
Als Gesellschaf und als Einzelne baumeln wir Menschen ja oft vom einen ins andere Extrem. Vielleicht kommt ja eine Art goldene Mitte?
Aushalten und -harren und warten und sehnen (und sich von der Neugiernicht umbringen zu lassen) sind seit einiger Zeit auch mein Thema.
Abgesehen von diesem Schnelldatingding. denke ich ganz oft darüber nach, wie schnelllebig alles geworden ist. Wenn ich nachts im Auto unterwegs bin vorallem. Wie schnell man heute von A nach B kommt, früher musste man wochenlang reisen, um eine Strecke zu überwinden, die man heute mal eben hinter sich bringt. Mir machen diese Gedanken das Reisen leichter. Oft denke ich auch darüber nach, dass insbesondere uns Frauen heute so viel mehr möglich ist. Die gute Seite dabei.
Geduld generell ist eine Tugend, über die ich zum Glück verfüge. Sehnsucht aushalten … man ist heute nicht mehr geübt. Den Schweizer nur alle zwei Monate zu sehen, ist immer beim Abschied schlimm, danach geht es. Aber ohne die täglichen Nachrichten … nein, die müssen einfach sein.
Ja, es ist wirklich toll, daß Reisen nicht mehr Wochen dauert. Aber es ging auch der Sinn für Entfernung verloren …
Ich merke, daß ich ein sehr zweischneidiges, zweispältiges, diffiziles Ding, das ich hier angerissen habe.
Ich glaube, ich bin doch noch eine Erklärung schuldig:
Ich bekam ja ein Weihnachtspaket mit 2 kg Schokolade und Büchern (ich bin noch immer sehr gerührt deswegen), die ich nach und nach lese.
Die Günderrode und Kleist zähle ich (wie ihren ganzen Kreis) zu meinen Favoriten.
In einem der Bücher sind Liebesbriefe aus dem 18. und 19. Jahrhundert abgedruckt: Ein trefflicher Einblick in solche Romanzen! Weil diese Romanzen manchmal auch über weite Entfernungen (Italien – Preußen) gingen, habe ich eben mal mit der heutigen Zeit und ihren Segnungen/Flüchen verglichen …
so, jetzt aber … 😉
Beim lesen habe ich mich an die Zeit vor 18 Jahren erinnert, noch gar
nicht so lange her, nicht wahr? Wir sind mit dem Auto oder
mit dem Zug zueinander hin gereist, keine Postkutsche, aber es hat doch gedauert! 600km trennten uns, den
Liebsten und mich und das über drei Jahre lang, bevor wir dann
zusammenzogen- die Sehnsucht war herrlich, die Briefe und Karten waren
viele, die Telefonrechnung ziemlich hoch: kein Handy, keine Flatrate und
auch keine PCs, die unsere Wege und Zeiten verkürzt hätten- gab es einfach alles noch nicht so, wie heute. Manchmal war
die Sehnsucht auch schmerzhaft, besonders immer dann, wenn ihn oder mich
schlechte Träume in der Nacht aufgesucht hatten …
Übrigens … ich kenne einige junge Leute, die nicht nach dem schnellen
Fick suchen, durchaus Werte vertreten, die uns auch nicht fremd sind-
aber vielleicht kenne ich nur ein paar besondere Jugendliche? -m-