Positive Eindrücke (Nº 237)

Ein Termin im Jobcenter

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Die zuständige (Sach-) Bearbeiterin heißt “persönliche(r) Ansprechpartner(in)”, obwohl sie nur persönlich ansprechbar ist, wenn ich von ihr vor eingeladen werde. Die Betreuer der Menschen sind jetzt nur noch zum Teil entsprechend ausgebildet (Sozialarbeiter, Sozialpädagogen) und betreuen keine Menschen mehr, sondern managen (ursprünglich bedeutet das «handhaben, leiten») Fälle als “”Fallamanger”. Manchmal glaube ich daß mit «Fall» der Weg nach unten, der Absturz aus dem normalen Leben in die recht rechtlose Existenz des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen gemeint ist. Der Bürger mit umfassenden bürgerlichen Rechten wurde zum Kunden “fortentwickelt” (degradiert), der viel, viel weniger Rechte hat und auf viel weniger einen Anspruch, und dann zum erwerbsfähigen Hilfebedürftigen.

Der erwerbsfähige Hilfebedürftige hat zum Beispiel eine Residenzpflicht, die teilweise stringenter ist als die für Asylsuchende vor der Klärung des Aufenthaltsstatus. Es ist vom erwerbsfähigen Hilfebedürftigen auch jede zumutbare Arbeit anzunehmen – und zumutbar ist alles, was den Hilfebedarf um mehr als 20 Euro verringet, scheint mir. Er muß an jeder Maßnahme teilnehmen, die seine Integrationsfähigkeit verbessert. Über die Frage, ob ein drittes Bewerbungstraining innerhalb von vier Jahren hilfreich ist, sollte einmal nachgedacht werden:


Am Freitag war ich eingeladen zu einem Gespräch über meine “berufliche Zukunft”. Gleich zu Beginn fiel das Stichwort “Eingliederungsvereinbarung”. Ich sollte also gebeten werden, einen Vertrag nach bürgerlichem Recht abzuschließen, der geeignet ist, mich in seinen Folgen schlechter zu stellen, als die gesetzlichen Regelungen das tun. Daraufhin bat ich um die Erneuerung des sogenannten “Profilings”. Und siehe da, es war einiges zu ändern.

Noch immer befand sich zu meiner Überraschung ein Detail des Ergebnisses letzten amtsärztlichen Untersuchung in meinem Profil, dessen Streichung ich schon vor über einem Jahr verlangt habe. “Keine Nachtarbeit.” – Auch schon beim Arzt hatte ich extra angegeben, daß ich Nachtmensch bin und ausdrücklich nachts zu arbeiten wünsche. So ist das nun auch korrigiert. Und manch anderes ist an meine und die Entwicklung des tatsächlichen Arbeitsmarktes angepaßt (nicht an diese Illusion, die die Regierenden und ihre treuen Diener aufrechtzuerhalten suchen).

Meine Ideen, Wünsche, Argumente, Einwände, Vorschläge wurden gehört und berücksichtigt. Es wurde nicht versucht, mich in Maßnahmen unterzubringen; auch von den “geliebten” 1-€-Jobs kommt keiner für mich infrage. Sinnloses Generieren von “guter” Statistik bleibt mir auch erspart.

Weil ich nun aber eine “Eingliederungsvereinbarung” nicht unterschreibe, wird mir eine solche als ersetzender Verwaltungsakt zugestellt, gegen den ich Widerspruch erheben könnte. Aber da auch darin meine Vorschläge (z. B. die von den üblichen sechs Monaten abweichende, kürzere Geltungsdauer) berücksichtigt sind, wird selbst das diesmal nicht nötig sein.

Von dieser Mitarbeiterin werde ich (übrigens wieder, also nicht zum ersten Mal) als Mensch behandelt. Sie ist für mich auch nicht eine Verkörperung dieser teuflischen Maschinerie, sondern ein Mensch, der dort arbeitet – und sich für mich einsetzt. Mein Blick hat sich auch durch das Mitlesen bei Inge Hannemann verändert, ich habe seitdem mehr Verständnis für die Mitarbeiter in den Jobcentern. Vielleicht funktioniert das Miteinander genau deshalb neuerdings als Zusammenarbeit …

Ich schrieb ja schon, daß ich mit dem Ergebnis “ganz gut” leben kann.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 24. August 2013 war der nachlassende Schmerz in den Füßen, die ich am Freitag exzessiv belastet hatte.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Positive Eindrücke (Nº 237)

  1. Sofasophia sagt:

    das ist mein guter alter behördentrick: den beamten menschen als menschen zu sehen. eigentlich kein trick und auch keine strategie. es „passiert“ mir einfach. das ergebnis sind dann solche begegnungen, wie du sie beschreibst.
    wie genau sieht eigentlich deine traumstelle aus? das wär mal spannend …

  2. Aber die schmerzenden Füße haben sich gelohnt.
    Es war ein wundervolles Wochenende.

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