Kleiner Scherz (#231)

Im Jobcenter

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Ich hatte wieder einen Termin bei diesem … diesem… diesem Amt. Zu einem Gespräch über meine «berufliche Situatuion».

Jedenfalls war ich gut vorbereitet und hatte auch die Auflistung meiner verschickten Bewerbungen mit. Ganz nach Vorschrift (Eingliederungsvereinbarung per Verwaltungsakt) eine für jeden Monat. Nun, wenn ich jede Arbeit machen wollen würde, sollte ich wohl mehr Bewerbungen schreiben. Daraufhin konnte ich nur entgegnen, daß ich durchaus auch Anfragen nach Stellen versende, auf die ich mich dann korrekt bewerben würde, wenn denn meine Nachfrage positiv und vor allem auch passend beantwortet werden sollte.

Was ich nicht mehr tue, sind sogenannte Initiativbewerbungen. Zuviele Absagen oder, was heutzutage die üblichere Reaktion ist: Keine Reaktionen führen nämlich ganz schnell in die depressive Abwärtsspirale, vor der ich mich zu schützen weiß. Zumindest muß ich das nicht auch noch provozieren. Außerdem habe ich keine Lust, von vorneherein aussichtslose Bewerbungen zu schreiben. Ich verstehe nur nicht, warum immer wieder sinnlose Aktionen und Aktivitäten vom Amt gefordert werden (und sinnlose Maßnahmen gefördert werden).

Dann solle ich doch in Zukunft wenigstens alle Bewerbungsaktivitäten auflisten. Auch die Voranfragen, die Anrufe usw. Gut, ab sofort steht jede, wirklich jede E-Mail, die mit Arbeitssuche zu tun hat, auch auf der Liste. Und jedes (Telefon-) Gespräch, bei dem ich nach einer vielleicht vorhandenen Stelle frage, steht auch drauf. Bittesehr.

Das wäre genau richtig. Mir wurden dann noch drei Vermittlungsvorschläge übergeben, auf die ich mich bitte innerhalb von drei Tagen bewerben soll, und wieder eine EinV per VA. Abschließend wurde ich gefragt, was denn vom Amt aus noch (ach, tun die schon was?) unternommen werden kann, um meine Chancen auf dem Arbeits«markt» zu verbessern.

«Ja. Machen sie mich gesund und 25 Jahre jünger!»

Ein Blick voller Unverständnis.

Woraufhin ich fragte, ob sich die nette Frau denn überhaupt vorstellen könne, was auf dem Arbeitsmarkt gefordert und gewünscht ist. Welche Chancen ein nicht gesunder 50jähriger denn noch hat.

So erfuhr ich, daß es ja auch Arbeitgeber gäbe (geben soll), die durchaus zur Einstellung älterer Arbeitnehmer bereit seien.

Seitdem glaube ich wieder an den Weihnachtsmann … Und für einen Scherz bin ich ja immer zu haben.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 17. August 2012 waren nette, tiefgründige Gespräche über Kunst, Gott, Investmenbanking, die Liebe und die Welt.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Kleiner Scherz (#231)

  1. Ellen sagt:

    😉 Gut geantwortet, Emil.
    Ich kenne derart „SB-Sprüche“ auch aus einigen Begleitungen. Bis heute bin ich unentschieden, ob ich dann amüsiert oder „säuerlich“ reagieren sollte, denn dem Grunde nach ist es ja eine Beleidigung der Intelligenz des Betroffenen, denn:
    Dass eine Erwerbslosigkeit individualisiert und damit dem Betroffenen als persönliches Defizit angelastet wird, dass bei ca. 500.000 offenen Arbeitsstellen bundesweit und über 5 Mio Leistungsbeziehern die Waage völlig schief hängt, das wissen
    die Mitarbeiter
    der Betroffene
    und der Mitarbeiter weiß, dass der Betroffene weiß, dass der Mitarbeiter es weiß.
    Zumindest häufig.
    Derart Scharade ist einfach nur peinlich und töricht

    • Der Emil sagt:

      Mittlerweile trag ich’s mit Humor. Hab ich doch mehr Erfahrung mit SGB 1 – 12 als alle Mitarbeiter, die ich dort heutzutage treffen kann. Mach ja seit 2005 schon Beistand 😉 (und bin ja selbst auch „Kunde“ dort).

  2. Follygirl sagt:

    Oh… da weiß ich gar nicht was ich dazu sagen könnte.
    Wenn das da so abläuft, ist es eine Frechheit. Wir kann man das ertragen? Das macht die Situation ja wirklich noch schlimmer.
    Tut mir wirklich leid wie Du da behandelt wirst… ist das bei ALLEN so? Mit Humor alleine, würde ich das nicht aushalten können….
    LG, Petra

    • Der Emil sagt:

      Ach, im Großen und Ganzen werde ich (weil ich bekannt bin, als einer, der sich wehrt) recht gut behandelt. Es wird auch nicht mehr versucht, mir gesetzlich unzulässige Dinge überzuhelfen.

      Neben dem Humor steht auch eine ganze Menge Wissen – solches, daß die Mitarbeiter oft noch nicht erwerben konnten, Die meisten sind nämlich nur zwei Jahre oder weniger auf einundderselben Stelle.

      • Follygirl sagt:

        Ich finde es nicht in Ordnung, man braucht seine Kraft doch sicher für andere Dinge als für die „Fräuleins“ vom Amt…
        Man würde doch Hilfe erwarten und bekommt nur kleinliches, unsinniges Gewäsch dort zu hören?
        P.

  3. Lieber Emil, ich like deinen Artikel, nicht weil ich es mag das du arbeitslos bist. sondern eher weil ich dich verstehen kann und ich es auch, sehr witzig von dir geschrieben finde. Ich denke an dich, drück dich deine Steff

  4. Inch sagt:

    Arbeitgeber gäbe (geben soll), die durchaus zur Einstellung älterer Arbeitnehmer bereit seien.
    Das kann ich bestätigen. Aus eigener Erfahrung

    • Der Emil sagt:

      Das weiß ich ja auch, wirklich. Aber es sind eben Ausnahmen. So, wie das Frau PAP erwähnte, ist die überwiegende Mehrheit der AGs geradezu gerontophil ;-).

  5. Herbstbaum sagt:

    🙂 Hier in einer rumänischen Stadt hängt noch die Weihnachtsbeleuchtung über den Straßen. Vielleicht haben die gar keine Zeit dazwischen und glauben …

  6. M. sagt:

    Dieser Satz von dir sticht mir buchstäblich in die Augen:

    Ich verstehe nur nicht, warum immer wieder sinnlose Aktionen und Aktivitäten vom Amt gefordert werden (und sinnlose Maßnahmen gefördert werden).

    Wie du ja bei mir gelesen hast, haben wir auch so unseren TamTam mit denen. Mensch Emil, ich kann dir aber sagen, dass es doch Firmen gibt, die auch ältere Menschen einstellen. So hat bei uns jetzt erst eine 56 Jahre alte APF angefangen. Sie hat auch die Chance bekommen. Also gib nicht ganz auf, ja?

  7. Frau Momo sagt:

    Initiativbewerbungen werden auch nicht überall gerne gesehen. Martin hat sie während seiner Selbstständigkeit gehasst, weil sie ihn viel Zeit und Geld gekostet haben. Man macht sich damit nicht unbedingt beliebt.
    Es mag ja stimmen, das auch ältere Arbeitnehmer geschätzt werden (bei Martins Arbeitgeber ist das tatsächlich so), aber es ist eher die Ausnahme und diese Amtsschimmel haben von der Wirklichkeit meistens keine Ahnung. Davon kann ich auch ein Lied singen und werde es wohl bald auch wieder singen können. Ich bin ja schon froh, wenn sie meine eingeschränkte Leidensfähigkeit aufgrund meiner Erkrankung anerkennen :-). Wobei die auch bei einem Gesunden in meinem Fall erschöpft sein dürfte, aber gesunder Menschenverstand zählt ja heutzutage nix mehr. Allerdings bin, bzw. wäre ich ja erstmal Kundin bei der Agentur für Arbeit und nicht bei der ARGE und das ist tatsächlich ein himmelweiter Unterschied.

  8. Elvira sagt:

    Uns ist das Lachen bei dieser Angelegenheit vergangen. Was hat mein Mann nicht alles erdulden müssen, bevor er in Rente gehen durfte. 25 Jahre jünger wäre gut gewesen, gesund war er, krank hat ihn die Arbeitslosigkeit werden lassen. Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Humor noch lange lange behalten mögest!
    Liebe Grüße von Elvira

  9. syntaxia sagt:

    Nachgedacht wird da oft wirklich nicht, eher in Klischees.
    Als Frau ab einem gewissen Alter bekommst du hier sofort ein Seminarangebot zugeschickt, in dem du dich zur Tagesmutter qualifizieren kannst.
    Das war nun nicht gerade das, was ich als Logopädin wollte….

    Ich hoffe du wirst fündig!
    ..grüßt dich Monika

  10. Eva sagt:

    Tja, dass kenne ich nur zu gut. Als ich zuerst eine Ausbildung gesucht hatte, wurde mir auch nicht geholfen.
    Dann als ich nicht übernommen wurde, wurde mir auch nicht geholfen. Keine Tipps oder sonstiges.

  11. minibares sagt:

    Klasse gekontert, lieber Emil!

  12. april sagt:

    Ich hoffe, du lässt dich nicht unterkriegen von DENEN 🙁

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