Nº 273 (2022) – Umsatz (3)

Mit den geschriebenen und zu schreibenden Worten jonglieren.

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Umsatz ist etwas rein Kaufmännisches, nicht wahr? Irgendwas mit Geld oder Geldwert, immer dann, wenn etwas verkauft wird. Umgesetzt wird. Wenn ein Vorhaben, ein Plan umgesetzt wird, dann ist das eine Umsetzung und kein Um­satz. Ganz nebenbei bemerkt, bedeutet großer Umsatz nicht großer Gewinn.

Was aber könnte noch als Umsatz bezeichnet werden? Ist dieses Wort tatsäch­lich nur merkantil oder handelstechnisch nutzbar?

Da steht etwas auf meinem Zettel. Umsatz: der Satz, der um einen anderen vollständigen Satz herum geschrieben wird. Eine Aufgabe für mich, der ich gerne mit geschriebenen Worten spiele. Und so arbeitet mein Denkicht und sucht und konstruiert (jaja, konstruiert, denn so einfach fällt mir das mit dem Satz um einen anderen Satz herum nicht) viele untaugliche Beispiele. Immer wieder stelle ich fest, daß das, was ich da aufgeschrieben habe, viel besser wirkt, wenn ich beide Sätze nacheinander anordne und nicht den einen in einen anderen hineinquetsche.

Wie sieht es denn aus für mich und die lesenden Menschen, wenn in einem Fragesatz vor dessen Ende – es ist wirklich eine sehr sonderbare Vorstellung, die ich davon habe – bereits die Antwort eingefügt wird? (Ha! Da! Ein Umsatz, ein Satz, der einen Satz, einen Drinsatz, welcher auch auf ihn folgen oder ihm vorhergehen könnte, umschließt! Heureka!)

Dann fand ich noch mehr durchaus sinnvolle Sätze, die diesem sonder­ba­ren Konstruktionsprinzip entsprechen.

Mitten in einer Aussprache – es ist doch nicht richtig, ein echtes, wahrhaftiges, tiefsinniges Gespräch einfach abzubrechen – stand einer auf und ging wortlos davon.

 

So ist also der Umsatz nicht mehr nur ein kaufmännisches Ding, sondern auch eine sprachliche Formalie, ein Stilmittel, welches sogar einigermaßen sinnvoll anwendbar ist. Ich frage mich nur, ob ich so konstruierte Sätze schon irgendwo einmal gelesen habe … Und ob Kommentare zu diesem Text auch solche Umsätze sein können …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 01.10.2022 die Streuselschnecke zum Frühstück, den heißen Met gegen kalte Füß, die vielen Lächeln und Lacher vorm Zelt.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Ritter der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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4 Kommentare zu Nº 273 (2022) – Umsatz (3)

  1. C Stern sagt:

    Den Begriff des sprachlichen Umsatzes hast Du sehr gut nähergebracht!
    Es ist ein Stilmittel, das ich gar noch nicht untersucht habe. Da hast Du tatsächlich auf etwas aufmerksam gemacht.
    Mir bleibt, Dir weiterhin warme Füße und einen gut verbrachten Sonntag zu wünschen!
    Liebe Grüße, C Stern

    • Der Emil sagt:

      Ach, die Schriftsprache …

      Manchmal bemerke ich eine Eigenheit, die vielleicht nur mir und niemandem anderen auffällt – oder es schreibt nur niemand darüber. So, genau so war das mit diesem Umsatz. Aber was und wem nützt er, sieser Umsatz?

  2. Sofasophia sagt:

    Ich mach dann wohl ziemlich häufig solche Umsätze, glaube ich. Ich mag ja auch Gedankenstrichkonstrukte sehr. 🙈

    • Der Emil sagt:

      Hach ja! Es geht aber auch mit anderen Satzzeichen als nur mit Halbgeviertstrichen. (Ich hab alte eigene Texte durchforstet und einige solche Um- und Drinsätze gefunden.)

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