Vom Weib des berühmten Schriftstellers (Nº 328/2018)

Nach Gefühl ausgewählt.

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Gesetzlos

Ich lebe gegen das Gesetz,
Das Alter, Sitte und Verpflichtung
Mir auferlegen. Ich verletz
Mich und die Meinen für die Dichtung,
In die mein Leben sich verwandelt.
Ich bin mein Feind: Protokollant
Von dem, was in und an mir handelt.
Und ich verberge nicht den Brand,
Der mich verheert. Ich laß ihn flammen
In Versen. Ich bin ohne Scham.
Und das Gesetz mag mich verdammen,
Wenn ich ihm nur als  Wort  entkam.

Eva Strittmatter: Wildbirnenbaum. Gedichte. S. 129
1. Auflage © 2009 Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin. ISBN 978-3-351-03273-9

 

 

Da ist sie wieder, dieses Weib Erwin Strittmatters, des großen Schriftstellers Deutscher Sprache, der mit ihm, mit diesem Weib, in dem kleinen Deutschen Land  Deutsche Demokratische Republik  lebte: Eva Strittmatter. Lyrikerin. Für mich die Poetin der DDR und die Poetin Deutscher Sprache der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Ich konnte dieses schmale Bändlein nicht direkt neben der Selbstverbucherrückgabe nicht liegenlassen, mußte es mir sofort sichern. Auf dem Heimweg dann erinnerte ich mich daran, daß ich mir sintemalen vornahm, wirklich alle Eva-Strittmatter-Lyrik-Bände zu erwerben und dann, neben dem täglichen Bibelvers (Ein Scherz! Oder doch nicht?) ein tägliches Eva-Strittmatter-Gedicht zu lesen.

Warum gerade dieses Gedicht? Keine Angst, es folgt hier keine umfassende und erschöpfende Interpretation, denn das kann ich nicht mehr, das habe ich mir 1982 bereits … Nein, stimmt nicht. Ich habe es mir nicht abgewöhnt. Und für mich tu ich das ganz bestimmt noch immer, dieses Gedichtinterpretieren. Doch seit 1982 ist mir das Fühlen wichtiger, das Hineinfühlen in ein Gedicht und das Herausfühlen von allerlei Dingen. Und darinnen fühle ich mich wie zuhause: Auch ich verweigere mich vielen Regeln, die Alter, Sitte und “Verpflichtung” mir auferlegen wollen; auch ich protokolliere, was an und in mir handelt; auch ich habe wenig Scham; auch ich bin froh, wenn ein Wort bleibt … Jaja, das hat etwas von Größenwahn. Aber den leiste ich mir heute einfach.

Eva Strittmatter. Ganz und gar nicht “nur” das Weib vom großen Erwin, sondern selbst eine sehr Große, eine wirklich Große. Ach, wie gerne würde ich alle ihre Gedichte kennen, auswendig aufsagen können, sie singen können.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 24.11.2018 waren die geschafften Vorhaben, Bücher (viel zu viele!), Erinnerungen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Vom Weib des berühmten Schriftstellers (Nº 328/2018)

  1. piri ulbrich sagt:

    Lass uns gemeinsam lernen und dann singen wir zusammen! Ich mag sie nämlich auch sehr gerne!

  2. Sofasophia sagt:

    Erwin – nie gehört … der Typ der berühmten Dichterin also, sagst du?

    Ein klasse Gedicht. Das manches in mir anrührt. (Das Schamlose eher leider nicht …)

    Wer sich darin (ein wenig) wiederfindet, hat ‚es‘. dasjenige, das ich die Künstler*inseele nenne.
    Wer nicht, der nicht.

    • Der Emil sagt:

      Genau das war das Gefühlte, dieses „find ich mich darin, dann bin ich wohl auch Künstler“. Und schamlos geht auf viele verschiedene Arten, Du hast, da bin ich mir ganz sicher, auch eine 😉

      Erwin Strittmatter: Ole Bienkopp, Der Wundertäter, Der Laden, Der Schulzendorfer Kramkalender (Empfehlung grad für Dich), ein beachtliches Œuvre. Wikipedia weiß einiges über ihn.

  3. Ulli sagt:

    Ich möchte auch noch ganz viele ihrer Gedichte lesen, wann immer mir eines begegnet bin ich berührt, klingen ihre Zeilen nach.

    • Der Emil sagt:

      Und all die im Aufbau-Verlag erschienenen Bücher sind für mich gut anfaßbare, wunderbar mit Schutzumschlag und Papier und Typen gestaltete Bücher.

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