Philosophisches aus der Letzten Stunde (Nº 212/2018)

Nochmal Lesefortschritt.

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Trotz der Hitze hat sich der Lesefortschritt verbessert. Aber schonwieder fand ich in diesem Buch Sätze, die ich nicht für mich behalten möchte. Im Kapitelchen zur Eschatologie (“Lehre von den letzten Dingen”) zum Beispiel diese:

 

 

» Wir werden als Individuen geboren, unsere Persönlichkeit entwickeln wir aber durch Beziehungen zu anderen. Unsere Individualität definiert sich über Abgrenzung, aber erst die Verbundenheit mitanderen macht uns zur Persönlichkeit.Und tiefe Liebe ist das entscheidende Element, das uns mit anderen verbindet. Paradoxerweise finden wir unser wahres Selbst erst, wenn wir uns anderen schenken und uns dabei scheinbar verlieren. «

Andreas Salcher: Meine letzte Stunde. Ein Tag hat viele Leben. S. 91
© 2010 Ecowin Verlag, Salzburg, ISBN 978-3-902404-96-1

 

 

Wißt ihr, welches das für mich wichtigste Wort dieser Sätze ist? Das vorletzte. Das eigentlich überflüssig scheinende scheinbar. “… uns dabei scheinbar verlieren.” Da bin ich nämlich ganz schnell bei dem Satz, den ich frischverliebten Pärchen fast immer aufs Brot schmieren möchte: Wenn zwei zusammenkommen, dann wird nicht ein Leben entstehen, sondern ein zusätzliches drittes Leben; ihr müßt nämlich neben dem gemeinsamen eure eigenen Leben weiterführen, sonst habt ihr keine Zukunft. Und deshalb verliere ich mich nur scheinbar, wenn ich mich jemandem schenke, weil mir mein Leben bleibt, weil ich als Persönlichkeit bleibe. Geben sich zuviele Menschen als Persönlichkeit auf, lassen sie sich “gleichschalten”, verlieren sie sich in der “Hingabe an die Sache”, dann können und werden Dinge geschehen, die keineswegs menschlich sind.

Ohne Beziehung und Kontakt zu anderen Menschen, so schlußfolgere ich aus meinem Leben und so verstehe ich auch das Zitat, wird eine Mensch kein menschlicher Mensch, geht dem Wesen die Menschlichkeit verloren bzw. es erwirbt sie erst gar nicht. Und wenn ich jetzt, also ich und genau jetzt, auf mein Leben zurückblicke, dann sehe ich, daß das durchaus wahr war in Teilen meines Lebens. Nein, damit sage ich ausdrücklich nicht, daß in der DDR ein menschliches, menschenwürdiges Leben unmöglich war. Nur in manchen (meiner Meinung nach) extremen Bereichen der DDR war es etwas schwieriger zu leben.

Denkfutter mal wieder für mich …

(Der fertige erste Text dazu ging verloren, als mein Rechner wegen Überhitzung einfror. Ich weiß wieder, warum ich normalerweise erst in die Kladde schreibe. Nur heute hatte ich es aus Faulheit nicht getan und bekam prompt die Quitung dafür.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 31.07.2018 waren eine fertiggestellte Magazinsendung, wichtige Sätze im Nachgespräch, zwei Bücher von Jennifer Sonntag für den Buchfink.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Philosophisches aus der Letzten Stunde (Nº 212/2018)

  1. Arabella sagt:

    Momentan bist du sehr nah bei dir, mir gefällt das.

    Du räumst auf!

  2. petra sagt:

    Das Buch wird mir immer suspekter – dieser Autor ist österreichischer (glaub ich) ÖVP- Mitglied und diese Partei ist beileibe nicht meine!

    • Der Emil sagt:

      Ja, er war ÖVP-Politiker … Wird auch noch Mitglied sein …

      Ich hab mich heute Deines Kommentars wegen mal umgesehen, er vertritt nicht das, was ich als ÖVP-Politik von heute kenne.

  3. evenyleve sagt:

    Gute, wahre Worte!

  4. Émilia sagt:

    „Danke für’s Lesen“, schreiben Sie. Ich danke ihnen für das Denkfutter. Ich denke jetzt über mich selbst nach.ich finde mich in vielen Sätzen wieder. Ich habe mich weiter gegeben, habe ein neues Leben geschaffen. Aber es gab auch Beziehungen wo ich mich aufgegeben habe, um mich anzupassen. Und ebenso sagt die wilde natur in mir, dass ich gerne allein bin. Beruflich bin ich zwar unter sehr vielen Menschen, doch privat lasse ich nur wenige Menschen zu nahe an mich heran. So furchtbar es sich lesen mag: ich brauch nicht unbedingt Menschen um mich herum, aber umso mehr Natur und umsomehr Tiere.
    Liebe Grüße und danke für das wunderschöne inspirierende Blog

    Émilia

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