Holzgeruch (Nº 195/2018)

Daher wieder viele Erinnerungen.

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Da machte mir meine Kopf heute einen heftigen Strich durch die Rechnung: In dem spukt(e) nämlich, nach einer Nacht fast ohne Schlaf, mein Großvater mütterlicherseits herum. Der Böttcher. Der “Bemmer”, wie sein Spitzname im Dorf lautete. Der mit seiner blauen Schürze über seinen Manchesterhosen immer witzelte, daß er mich wie ein Kän­guruh herumtragen würde, wenn ich in die Tasche dieser Schürze gepaßt hätte. Und natürlich habe ich noch immer und schonwieder den Geruch frischer Hobel- und Säge­späne in der Nase …

Vielleicht liegt es auch daran, daß ich vor kurzem meines Pilgerstabes verlustig ging – oh, das ist eine böse, aber andere Geschichte – und diesen durch einen neuen ersetzen möchte. Deshalb besorgte ich mir gestern Schleifpapier und saß heute in der Zeit, die ich nicht im Radiosender verbrachte, mit dem neuen, vor etwa zwei Wochen geschnittenen Stecken da und schliff. Auch dieses Holz riecht. Wie das von früher. Aus früher Kindheit, denn der “Bemmer” starb, als ich neun Jahre alt war. Holz jedenfalls und seinen Geruch mag ich immernoch. Und wenn ich dann dasitze und Holz, ziemlich frisches Holz noch dazu, bearbeite, dann kommen diese Erinnerungen eben von ganz alleine wieder. Selbst wenn ich dabei, wie heute, in einem fensterlosen Bad sitze, weil ich den Schleifstaub eben nicht überall in der Wohnung haben möchte, sehe ich die alter Werkstatt, die Dicken­ho­bel­maschine, die Abrichte, Band- und Kreissäge, die Oberfräse, all die Handwerkzeuge … Und die Berge von Hobel- und Sägespänen, von Holz, das mit dem Stemmeisen (Stech­beitel) herausgeschlagen wurde, selbst Schnitzspäne und Schleifstaub. All das war heute in meinem Bad da, als ich schliff und schliff und sich in der Badewanne diese allerfeinsten Spänchen sammelten.

So ist das nun aber mit Erinnerungen. Sie werden durch mannigfaltige Dinge hervor­ger­rufen und sind oft nicht steuerbar. Was ich mittlerweile gelernt habe: Gerüche sind ganz besonders geeignet, tiefliegende, auch sehr unangenehme Erinnerungen hervorzuholen. Zum Glück sind bei mir fast nur gute Erinnerungen mit Gerüchen verknüpft (außer Zahn­arztgeruch, aber auch das ist eine andere Geschichte). Seltsamerweise sind es immer auch die Gerüche aus der Kindheit, vor der Jugend, die so auf mich wirken. Heute war es Holz, in der Weihnachtszeit sind es andere Düfte.

Ein paar Tage habe ich noch zu tun, ehe ich ans Brennen gehen kann. Dann gibt es Bilder.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 14.07.2018 waren die Schleiferei, eine kurze Schicht Sendetechnik, leckere Bratwurst.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Stäbe.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Holzgeruch (Nº 195/2018)

  1. Gudrun sagt:

    Auf die Bilder freue ich mich, weil ich mich vielleicht auch auf die Suche nach einem Stecken machen werde. Mein Hausarzt meint, dass so einer besser ist als jedes andere Spazierstöckchen.
    Und irgendwie passt es ja auch.

  2. Ich mag den Geruch von Holz auch, selbst wenn wir so etwas eigentlich Lästiges tun wie Kaminholz einlagern. Holz hat eine eigene Magie.

    • Der Emil sagt:

      Feuerholz hacken und in Rundmieten stapeln (bei den Mecklenburger Großeltern) oder auf dem Dachboden in die Holzkammer schichten. Hab ich wirklich gerne gemacht. Auch als Hausmeister/Heizer einer Schule brauchte ich zum Anfeuern des GK61 (so hieß der „Ofen“) Brennholz, meist aus Abbruchhäusern und manchmal auch Schalungsholz von Baustellen …

      Holz riecht immer, glaube ich.

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