Welche Ideen habe ich?

Jeder Einzelne vermag Ideen zu haben

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Da war gestern im Kommentar Gudruns Frage, was ich denn für Ideen hätte? Och, das ist doch einfach zu beantworten, auch ohne die Adjektive “doof”, “seltsam”, “überflüssig” usw. zu verwenden, dachte ich, und schrieb unbedarft und unbefangen das Wort “kindliche” in meine Antwort. … Kindliche. Nicht kindische! Dann hatte ich den ganzen Tag Zeit, darüber nachzudenken. In meinem Seminar nutzte ich eine Hirnhälfte zur Verfolgung des mir schon lange bekannten Wissens (ALG II und BFD – wie geht das zusammen?), die andere Hirnhälfte hatte Zeit, über Ideen und ihre Kindlichkeit nachzudenken/vorzudenken und über Menschen und ihre Ideen.

Woher kommen Ideen und woher kommen diese unterschiedlichen Arten von Ideen?

Und was genau meine ich mit diesem Wort “kindlich”?

Ich erinnere mich an meine Kinder. Die begannen irgendwann alle von allein, Dinge auseinanderzunehmen, hatten solches vorher nie von mir oder ihren Müttern oder Geschwistern oder oder oder gesehen. Aus der Neugier, aus dem Willen zum Begreifen entstanden Ideen für Handlungen. Das waren Ideen, die ohne Beeinflussung des Geistes von außerhalb eben dieses Geistes entstanden. Kindliche Ideen. Natürlich begannen die Kinder irgendwann, auch Ideen zu haben, die nicht ohne äußeren Einfluß entstanden. Sie spielten Erlebtes, Gesehenes und Gehörtes nach (wie ich auch, zum Beispiel Indianer in den Wäldern ums Dorf herum oder Tischler in der Böttchereiwerkstatt meines Großvaters). Doch all das war nicht wie die heutigen Ideen vieler Erwachsener (und leider! auch vieler Kinder) auf Besitz, Geld, Ruhm, Ansehen ausgerichtet; oft ging es nur um den Spaß an einer Sache.

Klar habe ich, haben meine Kinder irgendwann gelernt, daß die Umsetzung bestimmter Ideen Vorteile brachte und bringt. Doch weder in meiner Kindheit und Jugend noch in der Kindheit meiner Kinder spielte mediale Beeinflussung eine so große Rolle wie heutzutage. Vielleicht auch, weil “die Medien” nicht ganz so omnipräsent waren wie sie es heute sind. Fernsehen rund um die Uhr; Kinderfernsehen, das gezielt Werbung für “Kinderprodukte” macht und in den Serien und Sendungen sehr materielle Wünsche und Sehnsüchte weckt. Kinderzeitschriften en masse, die beinahe nur aus Werbung bestehen. Und nicht zu vergessen: das Internet – genauer gesagt das WWW. Überall und immer erreichbar zu sein ist heute Standard. Und mit all dem begann die Kommerzialisierung der Ideen, auch der Ideen meiner Kinder.

Mir ist – zumindest den überwiegenden Teil meines Lebens lang – der Glaube an das Gute erhalten geblieben, oder habe ich ihn mir wieder angeeignet? Ich hoffe beinahe immer auf ein gutes Ende einer jeden Sache. Ich habe Ideen, viele, sehr viele, verdammt sehr viele Ideen, die einfach nur Spaß versprechen, die keinen Sinn im materiellen, kommerziellen, karrierebildenden Umfeld haben. Ideen, die ich nicht selbst verwirklichen kann und mag, die ich trotzdem oder gerade deshalb an andere weitergebe, auf daß die vielleicht eine Möglichkeit zur Umsetzung finden, einen Nutzen daraus ziehen können. Ganz uneigennützig lasse ich meine Ideen fliegen …

Geblieben ist mir auch die Lust am Ausprobieren – zumindest auf dem Gebiet der Sprache. Da habe ich immer wieder gar absurde Ideen wie das Tulifon bom iser oder das Sprachlaufspiel oder Texte wie den von gestern, in dem einfach zwei Buchstaben fehlen oder durch andere ersetzt werden (ha, das vor einiger Zeit zum Party-Hit gemachte Kinderlied [?] von den “Dru Chunusun mut dum Kuntrubuß” war soeine Sache oder galöffanz frülöffüherlöffer dielöffie Löllöffelsprallöffache).

’s wär nur manchmal schön(er), wenn jemand mitspielen tät‘ …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. Oktober 2014 waren viel Gelerntes und ein Wiedersehen mit dem Schaffner nach fast fünf Jahren.
 
Tageskarte 2014-10-02: Der König der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Welche Ideen habe ich?

  1. Sofasophia sagt:

    ich spiel zumindest im
    herz und kopf mit, echt wahr. und habe freude an diesen gedanken, die von mir sein könnten, so ähnlich jedenfalls … 🙂

  2. SalvaVenia sagt:

    Kindlich war genau richtig. 🙂

  3. Gudrun sagt:

    Oh ja, wohl dem, der sich seine Kindlichkeit bewahren kann. Diese Unbekümmertheit, die ewige Neugier, das Ausprobieren, der Mut weiter zu machen, auch wenn es mal eine Bauchlandung gab, ist wahrscheinlich das, was antreibt, aber auch recht glücklich macht. Trotz Bauchlandung.

    Anno dunnemals hab ich mal meinen kleinen Sohn beobachtet, der sich an einem Drehsessel hochzog, ihn ganz fest hielt und anfing mit dem Sessel Runden zu drehen. Der Sessel drehte sich immer schneller, die Schräglage des Sohnes wurde auch immer extremer und Rums, da lag er auf dem Bauch. Nicht lange, denn er stellte sich auf alle Viere, schob den Poppes in die Höhe, richtete sich auf und griff nach dem Sessel. Los ging’s wieder. Nach einigen Runden sah man schon, was gleich passieren wird. „Lass das! Du fällst doch hin!“ Ich war jedes Mal drauf und dran, diese unseligen Sätze zu sagen. Vielleicht war es gut, dass ich den Mund gehalten habe, denn jedes Mal, wenn der Sohn wieder neben dem Sessel stand, lachte er. So, wie wahrscheinlich nur Kinder lachen können.

    Oh ja, man wird ständig erzogen, manchmal regelrecht gegängelt. Und ja, man kann die Lust am Ausprobieren wieder finden, auch den Glauben an das Gute. Es ist wie Poppes in die Höhe, aufrichten, lostappen. In wieweit wir andere teilhaben lassen, oder uns um Teilhabe bemühen, liegt an uns selbst. Es lacht sich um vieles besser in Gemeinschaft.

  4. Gabi sagt:

    Schöne Gedanken und ein toller Text.

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