Ausschlafen

Irgendwann möchte ich einen solchen Morgen erleben

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Gut, wir gingen sehr, sehr spät – oder sollte ich sagen: früh? – ins Bett; es war nach vier Uhr am Morgen. Und wir waren beide einfach nur müde, geschafft von einem turbulenten Tag, der in einer Discothek zuendeging. Die Musik dort war “naja”, die Preise erträglich, das Publikum eher seltsam. Der Döner als Nachtmahl wurde gegessen, als der Himmel sich langsam aufhellte und die Vögel draußen hinterm Haus ihr morgendliches Konzert begannen. Das letzte, was ich hörte, waren Amseln, Buchfinken, Meisen, Stare. Das letzte, was sie hörte, war mein lautstarkes Schnarchen und das Schnurren der Katze auf dem Kopfkissen zwischen uns.

Die beiden Kinder waren und sind zum Papa-Wochenende außer Haus.

Trotz allem wachte ich kurz vor sieben Uhr auf. Das ist die Zeit, um die die Kinder üblicherweis‘ wachwerden und – es ist tatsächlich leider so – zu streiten und zu schreien anfangen. Doch nicht an diesem Tag. Es ist ruhig gewesen in der Wohnung, im Haus. Die Vögel sangen noch immer und ich konnte wieder einschlafen, von ihrem leisen Schnarchen (oh, das klingt süß) begleitet. Schlafen. Ungestört. Neben ihr, nur die Katze liegt auf dem Kopfkissen und reckt mir ihr Hinterteil entgegen. Schlafen, ungestört vom Kindergeschrei. Frei von allen Elternpflichten. Der Abwasch darf stehenbleiben und auf und in der Spüle herumlümmeln …

Als ich um 8.55 Uhr wieder wachwerde, ist es die Zeit für mein Sonntagsritual, die halbe Stunde fernsehen. Doch nicht an diesem Tag. Mittlerweile scheint die Sonne. Die Vögel hinterm Haus trällern noch immer. Ihr Gesang ist jetzt aber schon von menschgemachten Geräuschen durchsetzt: Ich kann einen Staubsauger hören und knatternde Motoren schwerer Moppeds. Nur kurz überlege ich aufzustehen. Links neben mir, gleich hinter dem Katzenpopo, liegt sie und schlummert und lächelt im Schlaf. Wovon sie wohl träumt, versuche ich zu erraten, da dämmere ich wieder weg.

Diesmal dauert es bis 11.15 Uhr, ehe ich wieder die Augen öffne. Jetzt, jetzt bin ich wirklich ausgeschlafen. Ausgeruht, erholt. Und nun ist es Zeit für eine Tasse Kaffee, die übriggebliebenen Stücke der Pizza von gestern Abend und danach für die erste Zigarette. Sie, sie darf noch weiterschlafen. Ich schaue ab und an zu ihr ins Schlafzimmer, in ihr Gesicht. Noch immer lächelt sie im Schlaf. Eine Hand hat sie auf der Katze liegen, ihre Finger bewegen sich wie automatisch durch das Fell.

Ich setze mich an meinen kleinen Rechner, schlürfe genüßlich den zweiten Kaffee – entgegen meiner Gewohnheit heute mit Zucker – und verfasse diesen Text. Ausschlafen zu dürfen ist echter Luxus. Wenn der Rest des Tages ebenso nach meinen Wünschen abläuft, wird es ein traumhafter Sonntag …

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 15. Juni 2014 waren das Telefonat mit dem Vater, der ruhige Nachmittag, der interessante Abend.
 
Tageskarte 2014-06-16: Die Zwei der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ausschlafen

  1. Sofasophia sagt:

    *seufz* danke fürs teilen!!!

  2. Elvira sagt:

    Die Katze auf dem Kissen zwischen den beiden stört mich ein bisschen (obwohl ich Katzennärrin bin), sie hat etwas Trennendes, so, als ob der Protagonist sich nicht bedingungslos einlassen kann oder möchte, trotz all der zärtlichen und liebevollen Gedanken. Läge sie irgendwo im Bett, wäre das in Ordnung, auch auf dem Kissen neben einem der beiden.
    Ich würde gerne einmal wieder bis in die Puppen schlafen können, aber leider finde ich den Ausstellknopf meines inneren Weckers nicht.
    Liebe Grüße schickt
    Elvira

  3. Gabi sagt:

    Stimmt. Auszuschlafen und vor allem Zeit zu haben, ist ein wunderbarer Luxus.

    • Der Emil sagt:

      Aber es hat doch jeder beinahe exakt 24 Stunden am Tag Zeit?

      (Gut, heutzutage werden die bis zum Gehtnichtmehr vollgstopft mit *irgendetwas* …)

      • Gabi sagt:

        Eben. Darum gehts.
        Und stimmt. Zeit haben alle gleich viel. Aber nicht die Möglichkeit, sie immer so zu nutzen, wie man gerne möchte. Wie Du sagst, vollgestopft mit allem Möglichen.
        Zu einer bestimmten Zeit aufstehen, oder wohin müssen, oder was tun müssen usw.
        Und genau das alles nicht zu müssen, genieße ich im Urlaub immer sehr.

  4. wildgans sagt:

    Emil, diese Sehnsuchtswahrmachwollgeschichte gefällt mir so richtig gut!

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