Neue Lyrik (Nº 082)

Nicht ganz ernst

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Im Buchfink las ich gestern als Gedicht der Woche eines von André Schinkel. Der, ein Hallescher Autor, schreibt als Vorwort zu seinem Bändchen: » Das tut mir alles so leid. Ich kann nix dafür. Ich wollte das nicht. Das geschieht alles nicht freiwillig. Mein Verleger zwingt mich dazu. Ich bitte für ihn stellvertretend um Verzeihung. Verzeihung! Nehmen Sie es uns nicht krumm. Und wenn, dann nicht mir. Ich bitte Sie! « (S. 5)

» Der gesammelte Quatsch eines fulminanten Trauerkloßes von Format! « sagt ein Bert Blaubart auf dem Buchrücken.

Ja, es ist ein Lyrikband voller Nonsens, Ulk und Seitenhieben. Ein ganzes Gedicht voller Sachsen-Anhaltinischer Limericks, längere Zeilen, kurze Zeilen, Zwei- und Vierzeiler und Gedichte, die über mehr als drei Seiten gehen. Mit Nachdenkanregungsgarantie? Ich glaube: nicht für jeden. Obwohl:


 

André Schinkel

Das Merkel

Das Merkel galoppiert nicht gern,
Man kann auf ihm nicht reiten;
Es trippelt durch den Wald der Herr’n,
Und muss es einmal leiden,

Dann sucht es sich ein Unterholz
Und schmollt dort, sitzt und wartet;
Und redet sich die Krise stolz,
Bevor es wieder startet.

André Schinkel: In Sina Gumpert war ich jung verliebt. Übermütige Texte. S. 30
© 2012 mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle (Saale). ISBN978-3-89812-924-4

 

 

André Schinkel? Selbst wenn ich ihn nicht persönlich kennte, wäre er mir nach diesem Büchlein wirklich eine Empfehlung wert.

Nur leider, leider gibt es keine zentrale Stelle mehr, an der ich mich über junge, (mir) (noch) unbekannte Lyriker informieren kann. Mir fehlt die neue deutsche literatur oder etwas Vergleichbares. Ja, es gibt das Internet! Und trotzdem ist Literatur für mich (!) immernoch mit Papier verbunden.

Besonders gefälliges Papier hielt ich dank der Stadtbibliothek hier in Halle (Saale) mit dem kleinen Bändchen » In Sina Gumpert war ich jung verliebt. Übermütige Texte. « voller komischer Gedichte von André Schinkel in den Händen.

Der Emil

Entschuldigung, aber für diese Werbung werde ich nicht bezahlt; die steht hier nur, weil ich André Schinkel echt lesenswert finde.
 
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

 
Und so klang das bei mir:

P.S.: Positiv am 22. März 2013 war die Arbeit im Radio.

082 / 365 (WP-count: 350 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Neue Lyrik (Nº 082)

  1. Xeniana sagt:

    Witzig, ich glaube ich habe ihn mal live erlebt,als er im Krokoseum eine Lesenachmittag angeboten hat.Wär ja jetzt ,da er mir virtuell wiederbegegnet ein guter Zeitpunkt mal einen Blick in eines seiner Bücher zu werfen:)

  2. Wenn man so von etwas angesprochen wird, empfinde ich das nicht als Werbung, sondern vielmehr als einen sinnvollen Hinweis auf etwas Schönes. Und so liest sich Deine Beschreibung, lieber Emil!

  3. Himmelhoch sagt:

    Diese wenigen Zeilen charakterisieren das Aussitzen von „das Markel“ sehr gut.

  4. Sofasophia sagt:

    und du hast es auch toll vorgelesen – auch das vorwort!

    … und hast dich nachher auch gleich noch für das kommende musikstück entschuldigt (zu recht! *lach* denn das fand ich schlimm, die andern stück fand ich gut, okay und sehr gut – ist aber natürlich voll geschmackssache), ganz im sinne des autors im vorwort.

    noch besser von ihm gefiel mir das schlussgedicht. das hatte einen tollen rhytmus und war so genial dada, dass ich ans totemügerli von franz hohler denken musste (http://de.wikipedia.org/wiki/Totem%C3%BCgerli – da gibts auch dt. übersetzungen von … ist eine dadagruselgeschichte par exellence – mit witzigen neuen wörtern.)

    dein anrufer hat mich zuerst genervt, dann fasziniert. war das sein eigener text? du hast das gut gemacht mit ihm, finde ich.

    das einzige was mich an der sendung von mal zu mal mehr nervt, sind die „logos“ (ausser das buchfinktitel-„logo“ mit dem gezwitscher, das ich nett finde). aber das doofe „gedicht für die woche“ und das ein bisschen weniger doofe „poesie“-logo finde ich echte zuhör-lust-killer. ich hoffe, das kommt dir jetzt nicht in den falschen hals. und vermutlich ist es nur meine meinung. andere findens vielleicht genial.

    die sendung an sich finde ich wirklich saugut – du wirst immer souveräner und hast eine tolle auswahl mit dabei!

    go on! liebgrüß, soso

  5. wildganss sagt:

    Wie kann man nur ein solches Tierchen derart vermenschlicht darstellen- höhö.

  6. Anne-Marie Peters-Tipton sagt:

    Danke fuer die „Werbung“ finde ich hilfreich,bisschen neue deutsche literatur tut uns gut;ich steck da gerne meine Nase rein. SUPER !!!!

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