2025 – 131: Erbstück 035

Tagebuch A: Freitag, 4. Februar.

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Wieder der letzte „Arbeitstag” einer Woche. Auch heute früh gab es Kaffee, und dazu aß ich Toast mit Honig. Das Glas ist ziemlich leer; wenn ich heute oder morgen einkaufen gehe, muß ich für Ersatz sorgen. Den Einkaufszettel habe ich bereits ergänzt, es sieht aus, als würde es ein größerer Einkauf werden. Na, das werde ich ja erleben.

Am Schreibplatz befaßte ich mich mit dem gestern begonnenen Gedicht, mit diesen vier Zeilen, die für die meisten Menschen natür­lich nur zum Herbst gehören können. Allein: Pilze kann man das ganze Jahr über finden, auch im Winter im Schnee. Ja, das sind nur wenige Arten, aber es gibt sie. Mit diesen Gedanken habe ich mich wieder trefflich vom Schreiben abgelenkt, fand keine Idee für eine Fortsetzung dieser vier Zeilen. Aber dafür kramte ich eine Weile in meinen Erinnerungen. Und im Anschluß daran schaffte ich es, eine kurze Szene für die Grande Dame zu notieren – und zu der lassen sich mit Sicherheit ein paar interessante Erweiterungen finden und niederschreiben. Für zwei solche Sachen habe ich mir auch schon Stichworte zusammengesucht. Kann zwar sein, daß ich die wie die meisten anderen Vorarbeiten niemals nutzen werde; es ist jedoch trotzdem ein gutes Gefühl, wenigstens eine Ahnung vom Fortgang zu haben.

Dann saß ich heute wieder und las. Und war währenddessen ganz froh, etliche Jahre der DDR in der DDR erlebt zu haben. Sonst hätte ich viele Feinheiten dieses Buchs und den Zweispalt, den viele Figuren im Buch aushalten müssen, überhaupt nicht verstanden. Der Widerspruch zwischen der staatlich gepriesenen Moral und der Kor­rum­pierung eben jenes Staates und damit vieler Menschen, die ihn auf allen Gebieten und Ebenen verttreten (müssen) – der hätte ohne mein Erleben für mich nie die Bedeutung entfalten können, die ihm im echten Leben damals zukam. Und mit dem die Menschen in der DDR durchaus kreativ umgehen konnten. Erstaun­lich ist es dennoch, wieviel das Buch in mir aufgewühlt und neu, anders einsortiert hat – und daß ich es heute an einem Stück gelesen habe: Inge von Wangenheims „Die Entgleisung”.

Ja. So ist es. Ich las heute sehr lange und ließ dafür anderes einfach bleiben. Einkaufen muß ich nun morgen gehen. Der Abwasch blieb unerledigt. Auf dem Tisch steht noch, was ich heute zum Frühstück brauchte und morgen ja auch wieder brauche. Einiges davon paßt auch zum gleich stattfindenden Abendessen: Bemme und Brot, Margarine und Senf und Wurst; die Kanne Tee, die ich mir am Nachmittag brühte, wird gerade noch so reichen. Ich mach nicht nochmal frischen, ich werd nachher nur Wasser trinken.

Als ich mich hingelegt und diese Kladde zum vierten Mal heute aufgeschlagen hatte, vorhin, da kam mir noch eine Idee zum Skandinavischen Nachbarn. Immerhin wurden daraus drei Seiten. Jetzt ist es endlich Zeit zum Schlafen. Vielleicht träume ich heute von dem Weib im Nachbarhaus, mit dem ich seit einigen Tagen (hier bewußt noch nicht erwähnte) eindeutige Zweideutig­kei­ten austausche, wenn wir uns begegnen …

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

Erinnerung des Tages:
Heute war es eine, die ich mir wirklich wunderschön vorstellen kann, doch das zu Erinnernde habe ich noch nie erlebt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. Mai 2025 war ich zufrieden mit meiner Faulheit, mit dem angenehmen Wetter, mit sortierten Wünschen und Gedanken.


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 2025 – 131: Erbstück 035

  1. A. sagt:

    …(d)eine Erinnerung, die du dir wunderschön vorstellst, aber noch nie erlebt hast – könnte man es einen Tagtraum nennen ?

  2. Pingback: 2025 – 218: Erbstück 036 | GeDACHt | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

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