Mehr Mühe, und doch Faulheit.
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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.
Der Waldschrat Elim beendet den Weihnachtsbaumklau
Es begab sich an einem Tag, den man morgen “Gestern” nennen könnte, da besann sich Elim, der Waldschrat, auf das Julfest, das auch im Halltal gefeiert werden wird. Er wollte dieser Tage das Schmücken der Wohnung für dieses Fest abgeschließen. Deshalb war er schon den dritten Tag unterwegs im Wald, auf der Suche nach einem kleinen Tännchen. Elim mochte es, wenn zu den Feiertagen ein solcher Baum mit verschiedenen Süßigkeiten, glitzernden gläsernen Kugeln und brennenden Kerzen geschmückt in seiner Stube stand.
So richtig will ihm die Vorstellung vom Fest jedoch noch gar nicht gefallen. Es fehlt der Schnee! Wo sonst gefrorener Waldboden mit weißem Schnee bedeckt unter seinen Füßen war, trat er jetzt in braune, vom Regen durchnäßte, beinahe schlammige Erde. Manchmal bildeten sich regelrechte Erdklumpen an seinen Stiefeln, die schwer an seinen Beinen zogen; manchmal glaubte Elim, der Waldschrat, er könnte fast steckenbleiben im Morast und müßte dann seine Stiefel im Wald zurücklassend auf Strümpfen heimgehen. Brrrrrr, das wäre trotz allem kalt an den Füßen – und außerdem müßte er sich fürchterlich schämen, weil er am Morgen die Socken anzog mit den Löchern, aus denen seine beiden behaarten großen Zehen ins Freie lugen würden. Doch noch mochte er nicht heimgehen, denn noch hatte er kein Bäumchen gefunden, das ihm recht gefiel. Der eine dort war zu groß, der andere zu klein, der war zu dick, der zu dünn, der hatte zuviele Zweige, der viel zu wenige. Und der da, der war zu krumm. Ja, wenn Elim nur eine Leiter mitgenommen hätte in den Wald, dann hätte er sich die Spitze einer der großen Silberfichten abgebrochen! Psssst, nicht verraten: Sich einfach so einen Baum aus dem Wald zu holen, das ist nicht erlaubt, das wäre ja Diebstahl. Aber der Waldschrat darf sich Windbruch aus dem Wald holen, soviel er auf seinen Armen zu tragen vermag, so sagt es das Gesetz. Deshalb bricht Elim seine Julbäume immer ab, deshalb benutzt er keine Säge, kein Beil. Und wie er daran denkt, schleicht sich ein diebisches Lächeln in seine Mundwinkel.
Plötzlich bleibt er vor einem kleinen, perfekten Bäumchen stehen. Er schaut es zufrieden an und denkt mit einem Mal an all die einsamen, unglücklichen Wesen, die zur Julzeit keine Gesellschaft haben. An all die traurigen Zwerge, Hexen, Elben, Menschen, Tiere und Pflanzen, die nichts vom Glanz und der Feierlichkeit des Julfestes erleben können. Dabei schaut er die kleine Fichte vor seinem Bauch an. Dann, ganz plötzlich, dreht sich der Waldschrat um und stapft durch den Schlamm zum Forsthaus. Dort lebt sein bester Freund Gustl, der seinen Handel für herrenlosen Julschmuck aufgegeben hat und mittlerweile Förster ist im Wald im Halltal. Ei ja, Elim wird in diesem Jahr keinen Windbruch, kein geklautes Bäumchen in seinen hohlen Baum am Rande des Halltals holen, in dem er schon seit vielen, vielen Jahren lebt. Nein, für sein Julfest soll kein Baum, keine Fichte, keine Tanne gefällt oder gebrochen werden. Denn zuhause, in der Vorratskammer, steht ein Zuber, der zum Baden nicht mehr dicht genug ist. Und gerade war dem Waldschrat eingefallen, daß dieser soviel Waldboden fassen kann, daß ein kleiner Baum wohl ohne Schaden zu nehmen für die Tage des Festes darin bleiben könnte. So, wie bei Kruziblicka viele Kräuter in Blumentöpfen am Fenster wachsen, so könnte der Baum in seiner Stube weiterwachsen.
Und nun sitzen Elim und Gustl vor dessen Forsthaus auf der Terasse. Bei einem Pfeifchen guten Tabaks läßt der Förster sich Elims Idee erklären. Also einen ganzen Baum auszugraben und ihn nach dem Julfest wieder im Wald einzugraben, hält Gustl zunächst für eine sehr, sehr sonderbare Schnapsidee. Doch nach einem Viertelstündchen kommt es ihm nicht mehr so verrückt vor; und nach einem weiteren Viertelstündchen stimmt Gustl schließlich zu. So gibt es ein amtliches Papier mit Stempel und Unterschrift, welches bestätigt, daß sein Inhaber sich für die Zeit des Julfestes, längstens aber für sechzig Tage, eine kleine Silberfichte aus dem Halltalwald ausborgen darf. Das Bäumchen soll in genügend Erde stehen während dieser Tage, und es soll ausreichend gegossen werden. Besonders sei darauf zu achten, daß die Kerzen nicht Schaden anrichten an den Nadeln und Zweigen des Bäumchens.
Elim macht sich auf den Heimweg. Morgen wird er dann seinen Zuber auf seinen Handkarren laden, zur kleinen Fichte fahren, sie mit viel Erde ausgraben und in den Zuber setzen. Und wenn er danach wieder zuhause sein wird, so wird Elim, der Waldschrat, nicht mehr nur der Erfinder des Schwibbogens, sondern auch der des Weihnachtsbaumes zum Wiederauspflanzen sein. Nun aber macht er sich bettfein, schlüpft unter seine wunderbare Daunendecke, steckt sich die Enden seines Bartes in die Ohren, damit er bis zum nächsten Morgen nichts höre. Elim bläst sein Licht aus und schläft schnell ein. Und dann träumt er, wie er mit leckerem Spekulatius am Tisch sitzt und sein lebendiges, im Zuber stehendes, geschmücktes Julbäumchen betrachtet.
Jaja, ich war heute faul. Die Geschichte der Erfindung des Weihnachtsbaums im Ballen/Kübel war mein, das 16. Türchen 2015. Wer nach “Waldschrat” sucht, findet auch alle meine Märchen, in denen Elim eine Rolle spielt …
Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.
P.S.: Das Gute am 17.12.2017 waren Ausschlafen, Schnee allüberall, leckere Weihnachtsplätzchen.
Die Tageskarte für heute ist die Drei der Kelche.
© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich danke dir fürs faul sein. Es ist nämlich eine sehr schöne Geschichte. Ohne deine Faulheit (😁), hätte ich sie bestimmt nicht gelesen.
LG, Nati
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Wie erging es dem Bäumchen? Wurde der geschlossene Vertrag eingehalten? Fand das Bäumchen vielleicht ein weiteres Mal den Weg in ein warmes Quartier zum Jahreswechsel?
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Gute Idee, vielleicht gibt es ja noch eine Fortsetzung …
Schnapsideen sind fast immer klasse!
So ein fein romantisches Märchen!
Auch die großen, behaarten Männerzehen waren mal süße Neumenschfüßchen. Ach, auf was für Ideen mich das alles bringt, lieber Emil!
Jetzt hast Du mich neugierig gemacht.
Aber Waldschrate waren und sind zu keiner Zeit Menschen. 😉