Oder: Die Straßenlampendiebe, die den Adventskalender stehlen wollten
To get a Google translation use this link.
Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.
Peter war schon wach, noch ehe die Mutter ihn wecken kam. Das lag einfach an der Aufregung, die er verspürte. Denn heute durfte er ja das erste Türchen des Adventskalenders öffnen! Nur war es in seinem Zimmer noch kalt, so kalt, daß er sich nicht unter seiner warmen Bettdecke hervortraute. Und es kam kein Licht durchs Fenster herein, das sich sonst von den Straßenlaternen oder vom Himmel an den Vorhängen seines Fensters vorbeischmuggelte. Da draußen mußte es also noch tiefe Nacht sein – oder irgendjemand hatte die Straßenlaternen und die Sonne gestohlen!
Oh weh! Wenn die Diebe nun noch da waren? Und wenn sie sogar im Haus gewesen sind, im Wohnzimmer und in der Küche? Wenn sie nicht nur die Sonne, sondern auch seinen Adventskalender gestohlen haben? Peter fürchtete sich jetzt vor der Dunkelheit in seinem Zimmer. Er hätte ja am liebsten im Wohnzimmer nachgesehen, aber er konnte jetzt erst recht nicht aufstehen, nein! Wenn die bösen Diebe noch in der Wohnung waren, konnten sie ja auch ihn mitnehmen!?
Oh, ooooh! Oh weh! Da, da muß einer von den Dieben neben seinem Bett stehen und an seiner Bettdecke ziehen! “Nein”, schrie Peter, “nein, meine Bettdecke dürft ihr mir nicht wegnehmen! Laßt mir meine Decke hier!” Er begann wie wild zu zappeln und merkte, wie kalt es in seinem Zimmer geworden war. Er hielt die Bettdecke mit allen Kräften fest, die er hatte; und Peter war stark, schließlich war er der stärkste Junge in seiner zweiten Klasse. Doch nichts half, die Diebe würden wohl auch seine Decke mitnehmen, wenn …
Wenn Peter nicht in diesem Moment aufgewacht wäre. Seine Mutter beugte sich über ihn und strich ihm über die Haare. “Na, Peterchen? Gut geschlafen? Oder hast Du wieder schlecht geträumt? Na komm, es ist Zeit aufzustehen. Und außerdem darfst Du doch nachher das erste Türchen öffen!” Peter rieb sich den Schlaf aus den Augen: “Und wo sind die Sonnendiebe? Hast Du sie verjagt?” Die Mutter stand bereits am Fenster und öffnete die Vorhänge. “Sonnendiebe waren keine hier, siehst Du? Dort geht sie gerade auf über dem Nachbarhaus.” Peter flitzte ans Fenster und schaute mit Mutti zusammen hinaus. Ja, es war hell draußen, und da hinten war schon ein winziger Streifen der leuchtenden Sonne überm Dach zu sehen. “Mutti, Mutti, darf ich denn jetzt gleich das Türchen aufmachen – und auch gleich die Schokolade essen?” Mutter fing den Wirbelwind nocheinmal ein, wuschelte ihm durchs Haar und lachte: “Aber klar. Doch denke dran, nur das erste Türchen!”
“Au ja!” rief Peter und sauste los ins Wohnzimmer. Dort hing seit gestern über dem Sofa der Adventskalender, auf dem ein großer Weihnachtsbaum zu sehen war. Peter suchte schnell nach der Weihnachtsbaumkugel mit der Nummer eins. Wo war sie nur, wo? Als er sie endlich gefunden hatte, klappte er sie auf, nahm sich die Schokolade heraus und steckte sie sofort in den Mund. Aaaaah. Jetzt erst glaubte er, daß er vorhin doch nur schlecht geträmt hatte von Straßenlaternen- und Sonnen- und Schokoladenadventskalenderdieben.
Außerdem: Mutti hätte die doch sowieso nicht hereingelassen.
Peters Erlebnisse in der Adventszeit werden mich weiter begleiten.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 30. November 2014 waren das erste Adventslicht, der erste Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, viele Ideen.
Tageskarte 2014-12-01: Das As der Münzen.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Danke 🙂
Bitte! 😉
Was mir besonders gefällt an der Geschichte ist, dass der Kalender erst am Vorabend aufgehängt wurde. Viele Kinder sehen ihre Kalender heutzutage ja schon Anfang November. Und das Peter sein Schokoladenstückchen sofort naschen durfte, das gehört doch irgendwie dazu, oder? Das ist das Besondere, vor dem Zähneputzen und vor dem Frühstück, vier Wochen Aussetzen der sonst gültigen Regeln. Die Adventszeit ist eben eine besondere, eindeutig!
Liebe Grüße von
Elvira
Da siehst Du, daß ich beim Schreiben eben doch in meiner eigenen, erinnerten Erlebenswelt steckte 😉
Geht das nicht allen Autoren so??
Das kann ich wirklich nicht beurteilen … 😉
So herzig liebevoll geschrieben, dass ich Weihnachsmuffelin diesmal versuche, gegen den Weihnachtszeitschmerz mit weniger Widerstand und Abgrenzung als bisher anzugehen.
Deine Geschichte ist sehr liebevoll.
Weihnachtsschmerz … Ich kann ihn mir beim besten WIllen nicht vorstellen, nicht nachempfinden. Aber ich freue mich, daß ich Dir Deinen Kampf etwas erleichtern konnte/kann.
siehe Skype 🙂