2025 – 364: Nix Rück oder Aus

Aber auf was werde dann wohl blicken?

 

Dann fang ich schonmal im alten Jahr an, etwas zu ändern. Es gibt also weder einen Rückblick noch einen Ausblick. Für mich ganz privat erlaube ich mir einen Einblick, einen in mein Herz und in meine Seele, wie man so schön sagt.

In beidem finde ich große Ängste (bedingt von der Politik im Großen und im Kleinen). Und doch sind in beidem auch viele Lichtblicke, gute Momente enthalten – und nicht zu vergessen: Hoffnungen. Ganz viele davon. Ich muß wohl auch nicht sagen, daß ich hoffe, es mögen sich ziemlich viele … na gut, einige davon erfüllen. Welche? Tja, da ich keine davon offenbaren möchte, werde ich das auch nicht tun und mich über­raschen lassen.

Es ist eine sonderbare Stimmung, eine vertrackte Gemütslage, in der ich mich befinde zur Zeit. War ich an einem Jahresende jemals so innerlich durchgerührt wie dieses Mal? Völlig verquirlt, ich tanze in mir auf mindestens sieben verschiedenen Hochzeiten (oder wie man das sonst nennt) mit mir selbst. Ja, das ist weit besser, glaube ich, so einiges, das ich früher zu Jahreswechseln in mir sah.

Ich blicke hinein in mich. In das Jetzt in mir. In ein Chaos, das ich in mir … Feststelle? Spüre? Weiß? — Ist es ein Chaos? Ja, aber eines mit einer gewissen ästhetischen Qualität: Ein Apfelmännchen erblicke ich in mir. Da denke ich, ich hätte seine schönste Stelle gefunden, doch schon wird mein Blick in mich hinein von einem ganz anderen Stück angezogen. Oh ja, das ist das Überraschende: angezogen und nichts, von dem ich mich am besten sehr schnell wieder abwenden möchte. Was ist da passiert?

Vielleicht ist es Altersmilde, die mich so in mich hineinsehen läßt. Oder Akzeptanz, radikale Selbstakzeptanz. Darin bin ich ja nun weiß Gott nicht sonderlich geübt. Ja, ich nehme das jetzt so hin an. Keine Ahnung, wieso das zur Zeit so einfach möglich ist. Aber es ist, und es ist gut so. Ich blicke in mich hinein und sehe nicht schwarz …

 

Erinnerung des Tages:
Noch vor dem Beginn des täglichen Bloggens – wenn ich mich recht erinnere, im Jahr 2007 – überstand ich den Jahreswechsel wirklich nur vollkommen besoffen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Dezember 2025 war ich zufrieden mit der beginnenden Genesung, mit Bulgur mit Gemüse, mit dem Anfang einer anderen Schreibroutine.


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Über Der Emil

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Eine Antwort zu 2025 – 364: Nix Rück oder Aus

  1. Sofasophia sagt:

    Das liest sich sehr schön und mich freut das wirklich, dich so zu lesen. Danke fürs Teilen. Mögen die wirklich hilfreichen Wünsche sich erfüllen und dir Gutes bescheren.

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