(2018: Nº 341) Das 7. Türchen. Baumschmücken.

Meines Sohnes Hilfe.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 

Vor Jahren bescherte mir mein Sohn eine ganz besondere Überraschung im Advent. Und ich rätsele noch heute, wie er das in der kurzen Zeit schaffen konnte.

Wie immer wurden in der Adventszeit die drei Bananenkisten mit den Räuchermännchen, den Leuchtern, der Pyramide, den Kugeln für den Weihnachtsbaum und den Lichterketten vom Boden geholt. Wie immer standen die Kartons irgendwo im Weg. Es war ja noch genug darinnen, denn der Baum wird erst am 23. geschmückt. Wie immer waren die Tage vollgepackt mit allen möglichen Vorbereitungen und mit ganz normaler Hausarbeit. Natürlich jammerte ich, daß doch so viel zu tun sei und ich in diesem Jahr wirklich nicht alles bis zum Weihnachtsabend schaffen könnte. Das war eventuell ein Fehler.

An einem Nachmittag, der Elfjährige saß vorm Fernseher und sah sich eine Sendung über die Weihnachtsbräuche in fremden Ländern an, mußte ich unbedingt nochmal in den Konsum. Es fehlten Milch, Combo und Frische Rahmbutter, vielleicht gab es ja auch noch Nüsse oder Kuba-Orangen. Also forderte ich den Sohn auf, mir doch zu helfen. Er könne ja das Geschirr abtrocknen oder staubsaugen. Sonst würde ich nicht alles schaffen und wir zu Weihnachten keinen geschmückten Weihnachtsbaum haben. Das war eventuell mein zweiter Fehler.

Eine Dreiviertelstunde später war ich ja wieder zuhause. Der Sohn empfing mich schon an der Tür mit einem Redeschwall. Ich hörte immer nur “Mexiko”. Als ich die Einkaufstaschen in die Küche stellte, stand das Geschirr unabgetrocknet wie vorher im Abwasch. Und immer wieder hörte ich “Mexiko” und “Weihnachten” und “ganz sehr angestrengt”. Ich verstand kein Wort. Bis ich ins Wohnzimmer kam. Da traf mich der Schlag. Der Platz, an dem bald unser Weihnachtsbaum stehen würde, war besetzt. Dort stand der größte Kaktus, mein größter Kaktus, ein Schwiegermuttersitz. Er hatte ungefähr die Größe eines Fünflitereimers. Wie mein Sohn dieses schwere Ding dahingeschafft hatte, war mir ein Rätsel. Und dann: Wie dieses Musterexemplar eines Schwiegermuttersitzes aussah! Am liebsten hätte ich geheult vor Wut! Sohnemann hatte aus dem Fernsehen “gelernt”. Der arme Kaktus war mit Schaschlikstäben gespickt, an denen die kleineren Christbaumkugeln hingen. Und damit die nicht verrutschten, waren die Fäden, mit denen sie aufgehängt wurden, auch noch mit Pflaster festgeklebt. Ich bräuchte jetzt nur noch, so erklärte stolz mein Sohn, eine Lichterkette anzubauen. Dann bräuchten wir keinen Weihnachtsbaum, hätten aber einen echt mexikanischen Weihnachtskaktus. Meine Lieblingspflanze. Die ich seit Kindertagen hütete und pflegte. Der Kaktus, der meine Studienzeit überlebte und meine Scheidung. Und jetzt? Nein, diese vielen Schaschlikstäbe würde er bestimmt nicht überleben. Und neben mir stand mein elfjähriger Sohn, stolz wie Bolle, und wartete auf ein ganz besonderes Lob. Ich schluckte schwer. Dann bedankte ich mich bei ihm. Danach erledigten wir zusammen das Abtrocknen. Und ich schwor mir, mich nie wieder über zu viel Arbeit zu beschweren. Und nie wieder zu versuchen, das Kind mit “sonst schaff ich es nicht” zur Hilfe motivieren zu wollen.

Ich legte noch am selben Abend Beleuchtung an den Schwiegermuttersitz. Und wir hatten am Heiligen Abend nicht nur unseren “Echt mexikanischen Weihnachtskaktus”, sondern auch einen richtigen Weihnachtsbaum. Und zum ersten Mal durfte der Sohn auf dem die Lichterkette anbringen (natürlich mit meiner Hilfe). Aber daß wir ab sofort jedes Jahr beides schmücken, das konnte ich ihm ausreden.

Der Schwiegermuttersitz übrigens hat auch jenes Weihnachten überlebt und ist seither noch ein gutes Stück gewachsen. Ebenso wie mein Sohn, der mich regelmäßig zu Weihnachten anruft und jedesmal fragt: “Papa, hast Du den Weihnachtskaktus geschmückt?”

 

 

Die Geschichte ist frei erfunden.

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit vieler glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Ich kann in diesem Jahr keine besondere Aktion empfehlen, denn es gibt so viele, die der Unterstützung wert sind. Ich bin in diesem Jahr einer von den Menschen, die auf der Straße genauer hinsehen und dort helfen, wo Hilfe nötig und mir möglich ist.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am gestrigen 06.12.2018 war mein nächtlicher Weg durchs Haus zum Nikolausverteilen (Oh nein! Der war ja schon am Fünften!?), viel Schlaf, nette Nachrichten.
 
Aussortiert habe ich gestern nichts (weil ich krank bin).
 
Die Tageskarte für heute ist VII – Der Wagen.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu (2018: Nº 341) Das 7. Türchen. Baumschmücken.

  1. socopuk sagt:

    Was für eine schöne Geschichte! Gibt es denn zumindest den Kaktus wirklich?
    In einem Jahr konnten wir Kinder mal CDs, Gabeln und Alufoliewürmer als Baumschmuck durchsetzen, da erinnere ich mich sehr gut dran 🙂

  2. piri ulbrich sagt:

    sehr gut erfunden!

  3. wildgans sagt:

    Für „frei erfunden“ wirkt sie hammerecht!

  4. frauholle52 sagt:

    Ich wollte gerade ein paar Tränen der Rührung verdrücken. Dann las ich: frei erfunden. Schade irgendwie. Aber gut ausgedacht! Oder doch nicht ausgedacht, sondern wahr? Sehr geheimnisvoll das Ganze.

    • Der Emil sagt:

      Ich hab die mir wirklich komplett zusammengesponnen (Combo, Frische Rahmbutter, die Fernsehsendung gab es). Aber ich weiß, daß sie genau so hätte passiert sein können, irgendwo, damals …

      Danke!

  5. fata morgana sagt:

    Eine sehr schöne geschichte, auch ich dachte, bis zum letzten satz, dass es genau so passiert ist…vielleicht ist sie ja auch irgendwo auf der welt genau so passiert, wer weiß…
    Ein schönes wochenende für dich und gute besserung.

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