2025 – 332: Störung gefunden

Der Abbruch, gefolgt vom Neubeginn des Lesens. Gut so.

 

Ich weiß jetzt, was mich an Ray Bradburys „Die Marschroniken” gestört hat.

Ich habe nämlich das Buch nochmal von Anfang an gelesen. Und da waren vier Seiten, an die ich mich absolut nicht erinnern konnte. Aber ich bin mir sicher: Diese Sätze wären mir unbedingt aufgefallen. So fehlte mir ein wichtiger Teil des Juni 2001, der Landung der vierten Expedition.

 

 

Ich hasse es, schlau zu sein, […] wenn ich mir gar nicht wirklich schlau vorkomme und es auch gar nicht sein will. Wenn ich gar nicht herumschleichen und Pläne machen und mir deswegen groß­artig vorkommrn will. Ich hasse das Gefühl, zu glauben, ich täte etwas Rechtes, wenn ich mir dessen in Wirklichkeit gar nicht so sicher bin. Wer sind wir schon? Die Mehrheit? Ist das die Antwort? Die Mehrheit ist immer heilig, nicht wahr? Immer, immer; sie irrt sich nie, keinen winzigen, unbedeutenden Augenblick irrt sie, nicht wahr? Auch in zehn Millionen Jahren nicht. […] Was ist denn diese Mehrheit, und wer gehört dazu? Und was denken diese Leute, und wie sind sie geworden, was sie sind, und werden sie sich jemals ändern, und wie zum Teufel bin ich in diese verdammte Mehrheit geraten? Mir ist nicht gut. Leide ich an Klaustrophobie, an Angst vor großen Menschenmengen, oder meldet sich nur mein gesunder Menschenverstand? Kann ein Mann recht haben, während die ganze übrige Welt ihren Standpunkt für richtig hält? Denken wir nicht darüber nach. Kriechen wir vielmehr herum, und tun wir was Aufregendes und drücken ab. Da und da.

Ray Bradbury: Die Marschroniken. Roman in Erzählungen. S. 106
© für die deutschsprachige Ausgabe 1972
by Marion von Schröder Verlag GmbH Düsseldorf
© Verlag Das Neue Leben Berlin, Berlin, 1981
Lizenz-Nr. 409-160/137/81 · Bestell-Nr. 622 498 2

 

 

Die von mir getätigten Auslassungen sind wirklich nicht von Bedeutung. Die Her­vor­hebungen (kursiv) sind im Buch so gedruckt.

Diese Sätze fehlten mir. Und sie fehlten sehr deutlich. Aber das sind Gedanken, die auch ich habe. Fragen, die auch ich mir stelle. Schlußfolgerungen, sehr sichere An­nah­men, die ich hege. Ängste, die auch mich hin und wieder befallen. Hab ich Recht, wenn alle andern etwas Anderes für richtig halten? Wenn sie ihre Wahrheit für die einzig richtige halten, andere Ansichten für sie niemals akzeptabel sein können? Und artet das bei allen andern Menschen, außer bei mir selbst, in eine solche Selbst­über­höhung aus, immer und in jedem Fall?

Diese Textstelle … Was da geschrieben steht … Ihr Fehlen hat mir das Verstehen des Buchs, des Textes, des Geschehens erschwert. Und ich lese die halbe Seite zum x-ten Mal. Immer und immer wieder. Ich erkenne Parallelen (glaube ich).

Ich habe verdammt viel Denkfuttter gefunden auf den vier Seiten. Was denkt ihr, wenn ihr das lest?

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinen Großeltern gab es einen Schwibbogen, auf dem echte Kerzen brannten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 28. November 2025 war ich zufrieden mit den gestellten Medikamente (immer für zwei Wochen), mit Unterwegssein in der Stadt, mit Bemme und Brot zum Abend.


© 2025 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2025, Erlebtes, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert