Das ist ein typisches November-Bild in meinem Kopf.
Von der Seeseite blicke ich hinauf auf den Deich. Die Luft ist diesig, fast neblig, und schmeckt nach Tang und Salz. Auflandiger Wind biegt das Gras und drückt in meinen Rücken: steife Brise (s-t wie in ist oder Husten gesprochen). Der feuchte Sand ist brrrrr kalt unter meinen bloßen Füßen, wird es auch bleiben, bis die Sonne ihn bescheint und trocknet. Ob das aber heute noch geschehen wird, bei der Wolkendecke? Ich weiß nicht …
Verwittert sieht sie aus, die Bank oben auf dem Deich. Wie lange wird sie schon da stehen? Zehn Jahre oder fünf, oder schon viel länger? Das rauhe Klima hier hat ihr bestimmt heftig zugesetzt, da altert Holz schneller als woanders. Was ist das eigentlich: Buche, Eiche – Nadelholz wohl eher nicht. Vielleicht war die Bank, waren ihre Bretter früher sogar Treibholz? Hier oben soll es einige Leute geben, die aus dem, was die See wieder freigibt, etwas machen: Souvenirs, Nützliches, warum nicht auch Bänke.
Ein Bild im Kopf. Ein Farbfoto, das „nur Graustufen und Schwarz” zeigt, denn selbst das Gras verbirgt sein Grün noch in der Morgendämmerung. Eines, das der Novemberstimmung entspricht. Eines, das nicht düster ist und auch keine solche Stimmung hervorruft. Passend eben. Und ich fühl mich derweil ganz ähnlich wie die Parkbank aufm Deich.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein Paar zerschlissener, abgelaufener Schuhe habe ich entsorgt und zehn Bücher ins Öffentliche Bücherregal gestellt.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 26. November 2025 war ich zufrieden mit weiteren gescannten Papierstücken, mit dem in 10 Minuten runtergeschriebenen Text (ohne nötige Überarbeitungen), mit neuen Schuhen.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil
Ein schönes Bild, was du da zeichnest
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Ich war nur ein einziges Mal für wenige Tage in Nordseenähe. Aber ich erinnere mich an das fehlende Wasser beim ersten Blick übern Deich und an den Anblick der leeren Bänke.