084–2024: Bummelmütze

Ich weiß, hochdeutsch stünde da für viele „Bommel”.

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Ich wuchs auf mit der Erzgebirgischen Mundart. Eine ihrer Eigenheiten war und ist es, daß sie in jedem Ort etwas anders klingt: In Thalheim „ginne zweehe und aaner dr Strohß nauf” (die können nicht bis drei zählen), in Lößnitz – „in dr Muhme” – „kenne se kaa »R« net reden”, in diesem Dorf wird gesungen (Stimme geht im Satz erst nach oben und dann wieder hinunter), in jenem wird ein fast sauberes „E” gespro­chen statt des „Aa” (ein Zwischenlaut zwischen A und E, wird im Mund weiter vorn als Ä, mit offenerem Kiefer und nicht ganz so breit wie E gebildet – aber ich bin kein Logopäde o. ä fach­spe­zi­fisch gebildeter Mensch) usw. usf. Und in jedem Dorf sind sich die Leute sicher, das einzig richtige „Aarzgebirgisch ze redn”

Von daher kommt die mir so geläufige „Bummlmitz” oder Bummelmütze, wie ich sie beim Versuch, mich hochdeutsch auszudrücken, nannte und nenne. Und obwohl ich das das Wort Bommelmütze für hochdeutscher halte bzw. hielt, scheint das so nicht zu stimmen. Denn es gibt auch die Bummel (neben der west-/​nord­deut­schen Bommel, beide in der Bedeutung Troddel, Quaste; extra nachgesehen im DWDS) – und so ist auch meine Bummelmütze gutes Hochdeutsch. Also heißt sie bei mir weiter so, wie sie immer hieß.

Mein Sprachgefühl verändert sich, wird insbesondere im Schriftlichen unsicherer. Ich denke, daß kommt bei mir auch vom Lesen: Immer häufiger stolpere ich nicht mehr über die Ergebnisse der Schlechtschreibreform von 1995; infolgedessen vermischen sich bei mir – zu meinem Bedauern – mehr und mehr richtiges und neurichtiges Schreiben. Nach vierunddreißig Jahren müßte ich mich daran gewöhnt haben, an die neue Rechtschreibung? Mitnichten.

 

Ihr merkt schon, ich hatte heute wegen des Wetters wieder viel Zeit zum Denken. Damit ist mein Ausflug in die Bummelei jetzt aber beendet …

 

Erinnerung des Tages:
Bei meinem ersten Markt in Schloß Wildeck in Zschopau holte ich mich einen heftigen Sonnen­brand im Gesicht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 24. März 2024 mit dem schnellen Abbau, mit vielen Umarmungen zum Abschied (Berührungen, Umarmungen sind so wichtig für und Menschen), mit der bald geschafften Heimfahrt.

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Über Der Emil

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2 Antworten zu 084–2024: Bummelmütze

  1. Nati sagt:

    Ich nutze auch noch viele Wörter nach der alten Rechtschreibung.
    Manches will ich mir gar nicht angewöhnen.

  2. Pit sagt:

    Danke fuer den sprachwissenschaftlichen Exkurs in deutsche Dialekte. So etwas fasziniert mich immer wieder.

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