Keine Sorge, es geht nicht nur um Religion.
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Wikipedia sagt, das Gebet »ist eine verbale oder nonverbale rituelle oder freie Zuwendung an transzendente Wesen« und »eine zentrale Glaubenspraxis vieler Religionen«. Aber …
Wer hat noch nie eine Bitte geäußert an das Schicksal, an das Wetter, an irgendetwas? Selbst Agnostiker:innen und Atheist:inn:en tun das meiner Beobachtung nach immer und immer wieder. Manche tun das sogar laut coram publico. Doch, auch auf Marktplätzen. Zwar wird nur redensartlich verwendet, was von den Vorfahren, den schon längst in der Vergangenheit und in der Vergessenheit versunkenen Vorfahren noch rituell ausgesprochen wurde. Aber es wird verwendet. Und auch hier auf dem Mittelaltermarkt tun Menschen genau das.
Heute war zum Beispiel jemand bei mir und sagte »Gottseidank.« Meine Antwort: »Ach, Sie beten?« Nein nein, niemals, wurde mir versichert, schließlich ist man in der DDR aufgewachsen und deshalb atheistisch-humanistisch (also sozialistisch) erzogen und hat nie etwas mit Religion zu tun gehabt. Damit begann ein interessantes Gespräch über den Gebrauch von Floskeln und das Weiterführen von ehemals religiösen Bräuchen – ich erinnerte an Weihnachten und Ostern usw. usf. damals in der kleinen Republik. Ja, das war schon seltsam, daß das auch damals zelebriert wurde. Und das Wort »Jahresendflügelfigur« war wohl doch nur eine Erfindung eines Satirikers.
Und wenn wir die Betonung ändern, wenn ich sie ändere beim Wort: Gebet versus gebet? Was dann? Oder wenn wir es benutzen als das, was es früher war (es wurde von einer alten Form von bitten abgeleitet)? Wen oder was bitten Agnostiker:innen und Atheist:inn:en? Denn auch die tun es, auch die sprechen oft etwas, das als Stoßgebet begann, aber mittlerweile einen Bedeutungswandel, m. M. n. sogar eine Bedeutungsabschwächung erfuhr.
Wie auch das Fluchen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 13. August 2023 war ich zufrieden mit netten Gesprächen, dem Einpacken (Nachtrag: und mit dem Ankommen zuhause).
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Neulich in der Physiotherapie:
Es „zwiebelte“ ordentlich und mir entfuhr ein „Oh,Gott“. Sagt er Therapeut: „Nicht doch, Lucas reicht!“ (Name geändert)
Grüße aus dem Städtchen nebenan
😉
Ist schon sonderbar, daß auch Atheisten/Agnostiker seinen Namen (bei Jugendlichen höre ich ihn oft in fremder Sprache) so oft aussprechen …
Tja, das Wort steht samt Erklärung im Duden. Man kennt es also. Glauben muss man ja nicht.