2023/201 – Start


Ich könnte, was mich stört, auch zu Luxus umdeuten.

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Ich muß endlich akzeptieren, daß ich mittlerweile mehr als zwei Stunden Zeit brauche, um in den Tag zu starten. Und das umfaßt nur die Zeit vom Aufstehen von der Schlafstatt bis zu dem Punkt, an dem ich hinausgehen könnte. Nun, einen Alarmstart bekomme ich noch immer in 15 Minuten hin, d. h. nach 15 min stehe ich unten an der Bushaltestelle; aber das ist sehr ungesund für mich. Danach brauche ich drei oder vier Tage Erholung. Und ja, es stört mich, daß ich im Normalfall so lange brauche.

Früher, ganz früher ging das alles in dreißig oder fünfundvierzig Minuten. Heute geht die meiste Zeit dafür drauf, mich zusammenzusortieren, geistig, alle die in der Nacht geschehenen Zerfaserungen in mannigfaltigen Träumen wieder zusammenzufassen und in eine, in meine Form zu bringen. Ich weiß nicht, wie ich das angemessen beschreiben soll. Zuerst Grundfunktionen, automatisierte Abläufe wie das Kaffeekochen, dann einzelne Worte und Gedanken im Kopf, danach Lesen und Schreiben, aber ja nicht sprechen und zuhören – das erst am Ende des ganzen Prozesses.

Woanders oder mit einem anderen Menschen gemeinsam einen Tag zu beginnen: Da geht das auch anders. Und ich frage mich, warum da und warum nicht auch normalerweise?

 

Zwei oder zweieinhalb Stunden am Morgen ganz für mich allein haben zu können: Es ist vielleicht auch ein Luxus, den ich mir da leiste – doch leider kann ich das nicht täglich so sehen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 21. Juli 2023 war ich zufrieden mit dem Morgen am Schreibplatz, mit dem erledigten Einkauf, mit dem Steak zum Abendbrot.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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4 Antworten zu 2023/201 – Start

  1. Nati sagt:

    Ich benötige im Alltag auch eine Stunde für mich um dann für andere dasein zu können. Auch wenn ich da unter anderem etwas im Haushalt erledige und deswegen früher aufstehe, nehme ich es in Kauf. So kann ich in Ruhe wach werden, bevor alles andere auf mich einstürmt.

  2. Helmut sagt:

    Wenn das mit anderen Menschen geht, ist das schon ganz in Ordnung. Sonst darfst du das durchaus als Luxus begreifen!

    Liebe Grüße
    Helmut

  3. @deremil Kann man ein aufstehen und zu sich komnen wirklich als Luxus betrachten oder ist unsere Welt so extrem schnelllebig und fordernd das wir sowas verzerrt als Luxus wahrnehmen. Und wer spricht da eigentlich in dem Moment? Das Ich oder die übergriffige Gesellschaft, die meint, man wäre faul wenn man sich so einen "Luxus" leiste. Ich glaube wir haben uns sehr weit vom natürlich-kreativen Dasein entfernt und ich glaube auch dass uns das nicht gut tut.

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