2023/056 – Grundlast


Die Sorgen, die Erinnerungen, das Einfachso und die bleierne Müdigkeit.

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Ich lasse euch heute einfach beim Denken zusehen.

Soviel Schlaf. So viel Schlaf. Und noch immer reicht er nicht aus. Es bleibt eine – von den (kotzigen, üblen und verschwurbelten) Nachrichten noch beför­der­te – bleierne Müdigkeit, die nicht weggehen will. Wieso wird denen, die …

Halt.

Mehrfach hatte ich heute Gelegenheit, vorm Fester tanzende Schneeflocken zu beobachten. Ach, welch erinnerungsgeladenes Ereignis das doch immer wieder ist: Sofort sind Bilder und Szenen aus den Wintern der Kindheit und Jugend da. Und sie sind schön! Ich wollte so viele davon schon immer aufschreiben, nur für mich, damit ich sie … Doch auch heute war ich dazu wieder viel zu müde. Nach zwei wachen Stunden am Vormittag dauerte das kurze Nickerchen, das ich machen wollte, etwa drei Stunden. Muß ich mir … Nein, dashalb möchte ich mir keine Sorgen machen. Da sind viele Sachen, über die ich mir (noch) keine Sorgen machen mag, und es sind noch mehr, über die ich mir liebend gern keine Sorgen mehr machen möchte. Allerdings weiß ich nicht, ob das ein Mensch hierzulande (ich meine damit: hier in Mitteleuropa) überhaupt schaffen könnte angesichts dessen, was jetzt an dringenden Schritten für die Menschen nötig wäre. So denke ich: Mein Leben ist nur mit einer Grundlast an Sorgen möglich, denen ich (lebend) nicht entgehen kann. Woher die kommt, diese Grundlast? Aus Erziehung, Sozialisation (ich mag das Wort nicht wirklich, aber kenne kein besseres für das, was damit beschrieben wird), Bildung, aus den gemachten Erfah­run­gen, die weiß Knöppchen sehr häufig keine guten Erfah­run­gen waren. All das hat zu dieser Grundlast an Sorgen geführt, der ich nicht entkommen zu können glaube.

Ob es mir wohl hülfe, eine Liste dieser Sorgen anzufertigen? Also aller Grund­last­sorgen? Die könnt' ich dann immer wieder zur Hand nehmen und so prüfen, ob da nicht wirklich welche dabeisind, die nicht dazugehören? Wer allerdings ist so doof, sich eine Sorgenliste zu schreiben. Dann ist ja kein Vergessen und oder Verdrängen mehr möglich.

Weil ich keine Lust habe, noch länger über die Müdigkeit und die Sorgen nach­zu­denken, zünde ich mir eine Kerze an und setze mich damit an meinen Schreibplatz. Das mit den Erinnerungen, die ich für mich aufschreiben möchte, ist eine gute Idee. Denke ich.

Ich glaube, dafür eignen sich die alten Schulhefte aller möglichen Lineaturen, die schon seit Jahren auf ihre Benutzung warten. Sie liegen unterm Schreib­platz, schon lange und noch immer. Das heißt: Nicht mehr alle liegen dort, ein erstes schlage ich auf. Ich tauche die Feder ins Tintenfaß und beginne, eines Ergebnisses noch ungewiß, „einfach so” …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 25. Februar 2023 war ich zufrieden mit der Pflichtlosigkeit, die mir heute den anscheinend notwendigen Schlaf erlaubte, den ersten voll­ge­schrie­benen Schulheftseiten, mit der herbeigeführten Wendung im Denken.

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Über Der Emil

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