Ganz ohne jeden Zweifel. Wirklich.
To get a Google translation use this link.
Noch immer akzeptiert sie es nicht, begreift sie sich nicht als „Künstlerin”, denn das, was sie da machte, ist doch wirklich ganz normal. Bildchen malen. Reime finden. Kleine Anekdötchen erfinden. Das ist doch keine Kunst, das hat sie doch nur für ihre Kinder und Enkel gemacht. Allabendlich, fast. Als ihre jüngste Tochter, die auch die Mutter ihres ältesten Enkels ist, sie fragte, ob all das, was ihre Mutter da schuf, zu einem Buch gemacht werden darf, da fragte sie sich noch, wen das denn interessieren sollte. Und nun? Nun ist seit dem Erscheinen des Buches mit den Bildern, Geschichten und Gedichten gut ein Jahr vergangen. Der Verlag fragte schon, ob da nicht Material für ein zweites und ein drittes Buch wäre. Ihre drei Töchter sammelten alles zusammen, was sie aufgehoben haben. Sie alle hatten ohne ihr Wissen all die Gedichte notiert, all die Geschichten aus dem Gedächtnis aufgeschrieben und all die Bilder aufgehoben. Seit einer Woche sitzt sie jetzt zuhause und sortiert und erkennt manchmal kaum ihre eigene Schrift. Sie liest, was sie vor langer Zeit geschrieben hat. Manches erkennt sie nicht wieder. Alles erscheint ihr viel zu normal, nicht in irgendein Buch zu gehören. Sie tat doch immer nur, was alle Mütter tun. Und wenn sie jetzt als Künstlerin bezeichnet wird, sollten dann nicht alle Mütter so bezeichnet werden?
Unter den Leserbriefen – ja, Leserbriefe! – war heute einer von einem Sänger, dessen Musik ihr noch immer gefällt. Der bittet – bittet! – sie um Erlaubnis, einige der Gedichte aus dem ersten Buch vertonen zu dürfen! Nun, wenn solch ein Künstler singt, was sie nebenher für ihre Kinder und Enkel reimte, dann wird es wahrscheinlich Kunst werden. Aber sie selbst begreift sich noch immer nicht als Künstlerin.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 22. Februar 2023 war ich zufrieden mit der erhaltenen Post (Paket und Brief, danke!), der gewechselten Uhrenbatterie, der fast vollständigen Symptomfreiheit (nur das Schwitzen ausschließlich an Kopf und Hals nervt).
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Eine schöne Geschichte.
Mich würde auch das Buch interessieren.
Es tut mir leid, aber das ist eine rein fiktive Miniatur (wie alle meine Miniaturen).
Dachte ich mir, ist aber sehr plausibel geschrieben.
Ganz herzlichen Dank für dieses Lob (obwohl es mich erröten macht und ich nur schwer damit umgehen kann: ich fühle mich gebauchpinselt).
Das freut mich lieber Emil. Sei nicht so bescheiden.
Ich hab das nie gelernt …
Na und. Du kannst es und das ist die Hauptsache.
Wunderbare Geschichte. Ich muss grad an all die Bilder und auch Bilderbücher in naiver „Bauernmalerei“ denken, mit denen ich noch groß geworden bin.
Kunst, kreativer Ausdruck, das Bedürfnis danach macht eben nicht halt vor einfachen Haustüren. Es ist in uns drin oder eben nicht. Beuys’ „Jeder ist ein Künstler“ stimmt eben schon.
Selbst die Kinderbücher des „Sozialistischen Realismus“ waren zumeist Kunstwerke (gut, dann oft von Künstlern im Auftrag geschaffen, und leider viel zu oft einfach weggeworfen).
Ach, und toll geschrieben ist sie auch, deine Geschichte, und das solltest du endlich akzeptieren: Du kannst sehr gut schreiben.
Jaahaaaaa.
Hallo Emil,
ich weiß zwar um Deine Kunst rund um Geschichten,
aber diese Beobachtung hielt ich sogar im ersten Moment für realistisch.
Deine Geschichte ist so verfasst, dass ich mich mittendrin in eigenen Beobachtungen wähne, die Figur der Mutter formt sich geradezu. Auch das Wort „normal“ lässt mich aufhorchen, denn was ist schon normal? In einigen Zusammenhängen scheint mir „Normalität“ gar nicht erstrebenswert.
Und ja, Mütter sind Künstlerinnen, die vieles unter einen Hut bringen können … Und aus noch so vielen anderen Gründen!
Liebe Grüße,
C Stern
Vielen Dank.
Eine schöne Geschichte ist das. Und noch schöner wäre es, wenn der Schreiber sein eigenes Können, seine Kunst anerkennen könnte im vollen Umfang. Ja, es ist Schreibkunst, was du lieferst, sowohl der Worte nach, als auch der Form, mit deinen besonderen Schreibschriften, Papieren, Auftreten als Mönsch in der Schreibstube …
Danke. Es geht ja jetzt nach zwölf Jahren schon etwas besser.
*seufzt*