2023/015 – Anstöße


Notate von Zetteln abgeschrieben.

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Obwohl ich immer wieder versuche, alles in eine Kladde zu schreiben, entstand auch im vergangenen Jahr eine erkleckliche Anzahl an Zetteln, auf denen ich neben­her einzelne Gedanken festhielt. Mittlerweile sammle ich die an einer einzigen Stelle. Irgendwann schaue ich sie mir an. Wenige von den Sätzen liefern Anstöße und Ideen für Texte. Manche sind so belanglos, daß ich sie wegwerfe (und es war ein langer Weg bis dahin, da ich das ohne schlechtes Gewissen tun kann). Und einige der Zettel liegen und liegen und werden immer wieder liegengelassen. Heute habe ich einfach vier davon abgetippt und anschließend durch den Reißwolf geschoben.

 

 

Niemals bin ich wirklich ganz. Immer werden nur Teile, mehr oder weniger Teile von mir gesehen oder sichtbar sein. Die Sichtbarkeit steuere ich selbst, bilde ich mir zumindest ein. Und für andere Menschen bin ich auch nie das ganze Ich.

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Wie oft habe ich es schon erlebt, daß aus Nähe Enge wurde, zu enge Enge. Aber wie oft habe ich in meinem Leben genau dafür gesorgt, daß Nähe für einen anderen Menschen zu Enge wurde?

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Ziemlich früh habe ich gelernt, daß es ein fataler Fehler ist, zwei Leben auf ein gemeinsames Leben zu reduzieren; da begann ich für eine andere Art der Beziehung zu wirken. Ich wünschte, zwei Leben zu erweitern um ein zusätzliches gemeinsames Leben – aber oft genug wurde das nur als „Freibrief zum Fremdgehen” verstanden und mir zum Vorwurf gemacht

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Wer nur einen Moment zu lang ins Licht blickt, wird für eine Weile geblendet sein. Wer stets nur in die schwärzeste Dunkelheit sieht, kann für alle Zukunft verblendet bleiben. Der Wechsel zwischen Hell und Dunkel scheint mir überaus wichtig zu sein.

 

 

Zur Zeit fehlt mir die Fähigkeit, aus solchen Schnipseln mehr zu machen. Aber das muß ja auch nicht getan werden, nicht wahr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. Januar 2023 war ich zufrieden mit den weggeschmissenen Zetteln, der wiedergefundenen Wasserpumpenzange (Wer, sagt mir, wer hat die zu den Leuchtmitteln in den Karton gepackt!?), mit dem Rosenkohl zum Abendessen.

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Über Der Emil

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4 Antworten zu 2023/015 – Anstöße

  1. Sofasophia sagt:

    Ich beobachte das bei mir auch. Zettel kann ich immer besser wegwerfen und des Nie-mit-anderen-Geteiltseins übergeben. Je gegenwärtiger und im Frieden ich mit mir selbst bin, desto leichter fällt es mir. Und je mehr meiner Selbst bewusst. Das meiste ist eh nur für den Moment. Ein paar Sachen überleben dann im Blog, wie du es eben auch tust.
    Find ich gut.

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