2023/003 – Erbstück 003

Tagebuch A: Montag, 3. Januar

To get a Google translation use this link.

 

 

Heute bin ich mit dem Kaffee wieder ins Bett. Ich hatte seit halb Fünf das Fenster offen und deshalb war es zum Aufstehen echt zu kühl gewesen. Hatte Strittmatters „Laden II” noch am Bett und hab' lesend bei dann geschlossenem Fenster darauf gewar­tet, daß es etwas wärmer wird im Zimmer. Wurde es aber nicht richtig, so daß ich mich heute anziehen mußte. Zuhause, in der Wohnung!

Leicht fröstelnd also hab' ich diesen Tag verbracht. Ob ich mich wirklich daran gewöhnen muß, auch in meiner Wohnung an­ge­zo­gen zu sein? Das war ich seit fast 30 Jahren nicht mehr (es sei denn, ich hatte – leider selten genug zum Glück – einmal Besuch). Aber da ich im letzten Jahr viel zu viel Heizkosten nachzahlen mußte, war ich schon da um einiges sparsamer und will ich in diesem Jahr noch sparsamer sein. Ich kann nur hoffen, daß ich es durchhalte, im Normalfall die Heizung nicht voll aufzudrehen.

Außerdem fand und finde ich keine Stellung, in der ich im Bett einigermaßen bequem schreiben kann. Vor lauter Verzweiflung habe ich das sogar mit Bleistift versucht. Aber das geht gar nicht. Gar nicht. Da war sowieso nichts bequem. Und ich hab' einmal mehr bemerkt, daß ich Tinte brauche zum Schreiben. Füllfederhalter oder Schreibfeder, aus denen sich die Tinte aufs Papier verteilen läßt. (Dabei hatte ich mir extra fürs Bett ein Tablet angeschafft mit einer Tastatur dazu, weil ich hoffte, ich könnte direkt ins Gerät schreiben. Pah!)

Beinahe hätte ich auch am Abend einfach nichts gegessen. Wir erinnern uns ja zur Zeit auch nicht daran. Es gab dann doch noch Pommes rot-weiß. Der Rest, der noch in der Packung war, hat gerade so gereicht. Als „Kompott” aß ich noch eine ganze Schachtel Dominosteine. Der Diabetes wird sich gefreut haben.

Ich vermisse sie noch immer. Ob sie nach der von ihr selbst ge­wünschten Auszeit wohl wiederkommt? Es heißt ja immer, daß die Auszeit der Anfang vom Ende wär' … Morgen muß ich dann auch einkaufen gehe.

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Es ist purer Zufall, daß ausgerechnet heute, am 3. Januar, der Eintrag vom 3. Januar hier erscheint. Erst jetzt darf ich abschreiben aus den Kladden mit dieser winzigen Schrift, die ich „von meinem Freund erbte”. Ich werde seine Hervorhebungen getreu über­nehmen. Über eines der Notizbücher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. Januar 2023 war ich zufrieden mit dem beschriebenen Papier, der Menge aussortierter Textilien aus dem Kleiderschrank, den Wiener Würst­chen zum Abend.

© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2023, Erbkladden, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu 2023/003 – Erbstück 003

  1. René sagt:

    @deremil Bin überrascht, dass heute noch jemand Erwin Strittmatter liest, geschweige denn überhaupt kennt. Aber wir beide sind wohl ähnlich sozialisiert worden 😀

  2. Sofasophia sagt:

    @deremil Fast könntest du es sein, dieser Freund mit der kleinen Schrift.

  3. Pingback: 2023/014 – Erbstück 004 | GeDACHt | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert