Nº 248 (2022) – Werte

Manchmal brauch' ich etwas von der lyrischen Poetin.

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Werte

Eva Strittmatter ( ∗ 1930 – † 2011 )
 

Die guten Dinge des Lebens
Sind alle kostenlos:
Die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
Das Leben für zu teuer zu halten,
Wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
Das kommt vom zu frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
Die Luft nach ihrem Werte
Und Wasser als Lebensgewinn,
Und die Liebe, die unbegehrte,
Nahmen wir herzleicht hin.
Nur selten noch atmen wir richtig
Und atmen Zeit mit ein,
Wir leben eilig und wichtig
Und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
Wir eine Pflicht und Last.

Und das Leben kommt dem zu teuer,
Der es zu billig auffaßt.
 

In: Eva Strittmatter: Die eine Rose überwältigt alles. Gedichte. S. 105
Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH, Berlin, 2.Auflage 1998
© Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977.

 

 

Nach derbem Streß heute brauchte ich eine Zeit zum Runterkommen. Da nahm ich Gedichte von Eva Strittmatter zur Hand und war schnell darin versunken. Warum ich gerade das hier zeige? Ratet.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 06.09.2022 die Hilfe dennoch geleistet zu haben, gelesene Gedichte, ein Pückler-Eis mit Sahne.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Zwei der Schwerter.


Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Antworten zu Nº 248 (2022) – Werte

  1. Jana Rau sagt:

    Danke fürs posten. Wie recht sie hat!

  2. WolfganH sagt:

    Das ist ein starkes Gedicht, danke!

  3. C Stern sagt:

    Vielleicht?, weil dieses Gedicht so anschaulich verdeutlicht, dass das Beste im Leben nichts kostet, obwohl es doch gleichzeitig das Kostbarste ist, was das Leben selbst zu bieten hat …
    Es ist ein sehr feines Gedicht, das überdeutlich macht, dass uns unsere Lebensweise teuer kommt, wenn wir nicht auf das achten, was uns Menschen ausmacht: Körper – Geist – Seele, sie wollen in eine Balance gebracht werden. Ebenso ist auf unsere Umwelt, auf unsere Welt zu achten, denn wir haben nur die eine. In ihr befinden sich alle Schätze und Werte, die es zu bewahren gilt.

    Danke, dass Du uns mit diesem Gedicht daran erinnerst!

    • Der Emil sagt:

      Es führt meiner Meinung nach das Dogma „Was nichts kostet, ist nichts Wert“ ad absurdum.

      Und noch heute sind die letzten acht Zeilen aktuell und gültig …

  4. Sonja sagt:

    Der Fürst Pückler war auch nicht weit…jedenfalls ein mich treffendes Gedicht, gut ausgesucht!

    • Der Emil sagt:

      Danke. Mich trifft es auch, immer wieder.

      Was brauch ich Mango-Maracuja-Maraschino-Joghurt-Eis, wenn es so etwas wie das sehr lange nicht gegessene Fürst-Pückler gibt?

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