Zum was-weiß-ich-wievielten Male gelesen.
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Auf der letzten Seite eines Buches, in dem die Entgleisung von so manchen Dingen, vor allem aber die eines – mit in der DDR gedruckter Pornographie beladenen: pfui! – Eisenbahnwaggons in der DDR beschrieben wird, finden sich dann wichtige Worte „über den Sozialismus, die sozialistische Planwirtschaft” – oder aber über das Leben:
Wir haben endlich einmal ernsthaft über eine wichtige Seite des Lebens nachdenken müssen, für die wir uns sonst niemals Zeit lassen. Sehr zum Nachteil unserer seelischen Gesundheit. Auch auf die kommt es an. Die Liebe zwischen Mann und Frau hat auch ihre Kultur, ihre Bildung, ihr feines Wissen, das nur erworben wird, wenn man sich Zeit dafür nimmt. Nicht alles im Leben kann nach Plan verlaufen und abgehakt werden.
Inge von Wangenheim: Die Entgleisung. S. 320 – 6. Auflage
© Mitteldeutscher Verlag Halle – Leipzig, 1980
Lizenz–Nr. 444-300/28/83 · 7001; Best.–Nr. 638 762 6
Ich weiß nicht, ob Menschen, die die DDR nicht von innen erlebten, etwas mit diesem Buch anfangen können. Obwohl es wohl überall auf der Welt solche oder ähnliche moralische Verwirrungen gegeben haben wird. Nur der gesellschaftliche Überbau war ein anderer. Und wenn sich ein … nun ja, ein System bei einem einfachen Unfall so entlarven ließ, wenn durch ein kleines Unglück sichtbar wird, was alles notwendig ist, um ein Land in funtionierendem Zustand zu halten, was den Menschen im Lande trotz aller gegenteiligen Beteuerungen doch fehlt, dann gibt es allzeit und überall Menschen, die Verständnis dafür haben oder entwickeln, und andere Menschen, die das nicht können.
Für mich ist Die Entgleisung ein durchaus amüsierender Rückblick mit Seitenhieben auf die damals überall übliche Doppelmoral und (wegen deren Fortbestehen noch heute) immernoch aktuell. Ich verlinke – ohne dafür Vorteile irgendeiner Art zu erhalten – hier die Seite des Verlags über das Buch.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 26.06.2022 das ausgelesene (mal wieder in einem Rutsch gelesene) Buch, die komplette Erinnerung an einen morgendlichen Traum (notiert, aber nicht jugendfrei), ein sehr nettes und interessantes Gespräch beim Steinschaf.
Für morgen zog ich die Tageskarte Vier der Münzen.
© 2022 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

